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Info und Diskographie: Jethro Tull

Jethro Tull ist eine Band aus England, die ursprünglich dem erweiterten Kreis der Prog-Rock Bands zugeordnet wurde. Dabei änderte die Band ihren Stil von Bluesrock über Prog, Folk-Rock und Hard-Rock immer mal wieder. Der Mastermind der Band, Ian Anderson, verstand es immer wieder gut, dem Rock Stilistiken wie Klassik, Jazz und Folk beizumischen.

Jethro Tull ist vor allem ein Vehikel des Multiinstrumentalisten Ian Anderson, der in Schottland geboren wurde. Er gründete die Band im Jahr 1967 zusammen mit Mick Abrahams, Glenn Cornick und Clive Bunker in Blackpool. In London erspielte sich die Band im laufenden Bluesboom schnell einen guten Namen. Jethro Tull wurde zur Hausband des Marquee in London. Weitere Bekanntheit erlangte die Band durch Auftritte im Vorprogramm von Pink Floyd und vor allem durch den Auftritt beim Sunbury Jazz & Bluesfestival.


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Die Band erhielt relativ schnell einen Plattenvertrag bei Island Records, wo man sich auf progressive Bands spezialisiert hatte. Im selben Jahr veröffentlichte die Band das Album This Was. Das Debütalbum ließ schon erahnen, wohin der Stil der Band gehen sollte. Allerdings war er auch etwas geprägt von den Vorlieben der beiden Musiker Anderson und Abrahams. Während Ian Anderson mit einer Symbiose verschiedener Stilistiken wie Folk, Jazz und Klassik kokettierte, war Mick Abrahams vornehmlich ein Bluesgitarrist (und zwar ein ganz guter). Die Einflüsse von Abrahams setzten sich vernehmbar durch, weshalb das Debütalbum in erster Linie als ein Bluesrock-Album mit leichten Proganteilen zu sehen ist. Das Album konnte sich in England bis in die Top 5 der Charts schieben und auch in den USA recht gut charten.


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Nach dem Debütalbum stieg Abrahams aus und gründete Bloodwyn Pig. Kurzzeitig spielte Toni Iommi (Black Sabbath) dann bei Jethro Tull mit. Schließlich nahm Anderson den Gitarristen Martin Barre in die Band. Der ist seither praktisch Stammgitarrist von Jethro Tull. Anderson nutzte die Chance und wurde tonangebender Musiker in der Band. Jethro Tull sind praktisch seit 1968 so etwas wie ein Vehikel von Anderson. Das zweite Album Stand Up war dann auch mehr auf Andersons Vorlieben zugeschnitten. Elemente aus vielen Stilarten flossen in die Musik ein. Erwähnenswert sind vor allem die klassisch angehauchten Themen und hier vor allem die Querflötenbeiträge von Anderson, die für die nächsten Jahre eines der prägenden Elemente der Tull Musik wurden. Auf dem Album kam das am besten im Song Bouree zum Tragen. Stand Up erreichte die Toppositon der Uk-Charts und konnte sich wieder in den USA ordentlich platzieren. Auch in Deutschland erreichte es die Top 5. Der Melody Maker bezeichnete das Album schlicht als ein Meisterwerk.


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Mit Benefit festigte Anderson die Position der Band und konnte sich wieder gut in den Charts positionieren. Das Werk war eine solide Mischung bisheriger Jethro Tull Tugenden. Insgesamt klang das Album etwas härter, aber auch verspielter. Benefit schaffte es im UK bis auf Platz 3 der Charts. Insgesamt hielt sich der Erfolg aber in Grenzen, auch die Kritiker hielten sich mit positiven Bewertungen vernehmlich zurück.


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Mit Aqualung veröffentlichte die Band dann eine Art Konzeptalbum. Zumindest wurde es von seiten der Presse und auch der Fans als ein solches gesehen. Alleine der Schöpfer des Werkes, Ian Anderson, betonte immer wieder, dass es sich definitiv nicht um ein Konzeptalbum handelt. Tatsache ist, dass die Inhalte der jeweiligen LP-Seiten in sich geschlossene Themen behandeln. Ungeachtet der Frage nach Konzeptalbum ja oder nein wurde Aqualung zum bislang größten Erfolg der Band und erreichte praktisch mühelos Platin. Stilistisch allerdings war das Album weniger komplex als man denken könnte. Das Album warf mit Locomotive Breath einen Klassiker ab, auch der Titelsong gehört zu den Klassikern der Band. Kritiker vermissten etwas die Experimentierfreude, die man von einem "Konzeptalbum" der Band erwartet hätte.


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Mit Thick As A Brick veröffentlichte die Band dann 1972 ein, auch nach Ansicht Andersons, richtiges Konzeptalbum. Es vertont Gedichte eines fiktiven hochintelligenten achtjährigen Jungen. Mit Thick As A Brick legte Anderson tatsächlich ein ausgereiftes Konzeptalbum vor. Das Album bestand letztlich nur aus einem Song, der aus technischen Gründen damals zweigeteilt werden musste. Das Album wusste zu gefallen. Es wird von vielen Fans als das beste aller Jethro Tull Alben bezeichnet und es konnte auch die Kritiker mehr überzeugen. Thick As A Brick wurde ein großer Erfolg. Es toppte in den USA, in Deutschland erreichte es Platz 2, in England Platz 7 der Charts.


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Anderson wollte dann 1973 mit A Passion Play einen weiteren Opus in Form eines Konzeptalbums nachlegen. Von der Grundkonzeption ähnelte das Album dem Vorgänger. Wieder handelte es sich letztlich um einen Song, der nur aus technischen Gründen zweigeteilt werden musste. Allerdings gab es stilistische Unterschiede. A Passion Play war insgesamt opulenter angelegt. Das Werk war recht komplex und insgesamt etwas schwieriger zugänglich als As Thick As A Brick. A Passion Play polarisierte stark. Viele Kritiker empfanden das Album als langweilig, ermüdend und leblos. Der Melody Maker brachte es wieder auf einen kurzen Nenner und nannte es hohlen Bombast. Ungeachtet dessen war das Album erfolgreich. In den USA schoss es wieder auf Platz 1, in Deutschland reichte es noch zu Platz 5. In England jedoch erreichte es nur noch Platz 17 der Charts. A Passion Play gilt aber heute bei vielen Jethro Tull Fans als wichtiges Album der Band, besonders in Prog-Rock Kreisen hat das Album einen durchaus guten Ruf.


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Anderson fühlte sich durch die stellenweise harsche und vernichtende Kritik zu Unrecht angegriffen und wollte Jethro Tull eigentlich auf Eis legen. Aber dann veröffentlichte er im Jahr 1974 doch ein Album, War Child. Vielleicht brachte er diese Album vor allem aus Trotz gegen die Kritikerschelte heraus. Denn Anderson wandte sich auf War Child kürzeren und stellenweise prägnanteren Songs zu. Insgesamt kam eine gelungene Mischung aus Rock, Folk, Jazz, Prog und Klassik heraus. Letztlich ähnelte das Album den beiden Vorgängern stilstisch, nur dass die Songs kompakter waren. War Child konnte, vor allem in den USA, durchaus überzeugen. Bekanntester Titel des Albums ist die Single Bungle In The Jungle. Der Rolling Stone lobte das Album in höchsten Tönen. Die Erfolge in UK und Deutschland hielten sich jedoch in Grenzen.


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Minstrel In The Gallery setzte den Trend zu griffigeren und weniger komplexen Songs fort. Textlich klang Anderson auf dem Album sehr zynisch und verbittert. Man geht heute davon aus, dass die laufende Scheidung von seiner Frau und auch immer noch der Unmut über die Kritiker dazu führten. Musikalisch bot Anderson eine ordentliche Mischung aus härterem Rock und Folkigem Material an. Allerdings schien er stilistisch mit dem Album etwas auf der Stelle zu treten. Minstrel In The Gallery kam in den USA wieder ganz gut an, platzierte sich in England und Deutschland nicht mehr so gut. Den Stillstand in der Entwicklung und den leichten Abwärtstrend in den Charts bestätigte Anderson dann mit dem insgesamt etwas enttäuschenden Album Too Old To Rock'n'Roll Too Young To Die, das dieses Mal selbst in den USA nicht mehr so hoch charten konnte.


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Im Anschluss an das eher bieder rockige Too Old To Rock'n'Roll vollzog Anderson dann eine gewisse Trendwende. Mit Songs From The Wood konzentrierte sich Anderson wesentlich stärker auf seine Folk-Wurzeln. Das Album wird oft als Folk-Rock bezeichnet, besitzt aber immer noch einige Prog-Rock Elemente. Das Album konnte es in den US-Charts immerhin auf Rang 8 schaffen, und war damit eines der letzten Alben der Band, welches die Top 10 erreichte. Insgesamt erhielt Songs From The Wood auch ganz gute Kritiken. Es wird von vielen Fans ebenfalls sehr hoch eingeschätzt, weil Anderson wieder etwas back to the roots ging und Folk mit Rock vermischte. Möglicherweise hatte es das Album jedoch im bekannterweisen punklastigen Jahr 1977 einfach zu schwer.


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Ähnlich wie Songs From The Wood gehalten war das 1978er Album Heavy Horses. Heavy Horses dürfte vielleicht sogar eines der folkigsten Alben der Band überhaupt sein. Auch wenn es rockige und proggige Elemente auf dem Album gab, so überwiegen hier doch eindeutig die folkigen Anteile. Heavy Horses lief in Deutschland damals nicht schlecht, konnte jedoch zum Beispiel in den USA nur noch bis auf Platz 18 der Charts gelangen. Insgesamt war das Album nicht sehr erfolgreich. Die Meinungen der Kritiker waren auch eher verhalten, auch unter Fans ist das Album eher umstritten. Stormwatch war dann härter und kam, im krassen Gegensatz zu den Vorgängeralben, fast mit futuristischen Elementen daher. Das kam nicht ganz so gut an. Die Chartplatzierungen stagnierten. Das folgende Live Album Bursting Out indes konnte sich recht gut platzieren und zeigte einen guten Querschnitt der vorzüglichen Liveband Jethro Tull. Mit A veröffentlichte die Band dann ein Album, das im Prinzip an alte Stilistiken anknüpfte, diese aber mit sonderbaren elektronischen Collagen untermalte. Das Ergebnis kam bei Fans und Kritikern nicht gut an. Mit The Broadsword And The Beast ließ man etwas von den elektronischen Spielereien ab und konzentrierte sich auf alte Stärken, was von Fans und Kritikern positiv aufgenommen wurde.


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Under Wraps festigte die Position der Band in Europa. Dafür brachen jetzt die Verkäufe in den USA mehr und mehr ein. 1985 realisierte Anderson mit der Band ein symphonisches Projekt und spielte mit dem London Symphony Orchestra Tull Songs ein. Das Album A Classic Case wurde aber von der Öffentlichkeit praktisch nicht beachtet. Es dauerte dann immerhin zwei Jahre, bis das nächste Album der Band erschien. 1987 erschien das Album Crest Of A Knave. Es war ein Rock bis Hard-Rock Album mit klarer Genreprägung und erhielt gar einen Grammy als bestes Hard-Rock Album. Hier standen die Gitarrenbeiträge von Martin Barre stark im Vordergrund. Mit dem Album konnte sich die Band einen guten Ruf bei Hard-Rockfans erspielen, entfernte sich aber deutlich von den klassischen Roots.


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Erstaunlicherweise kehrte die Band aber schon mit dem nächsten Album Rock Island dem Hardrock wieder den Rücken. Man besann sich zur Überraschung der Fans auf die alten Blueswurzeln. Das Album verkaufte sich nicht schlecht und kam bei den Kritikern durchaus gut an. Mit Catfish Rising ging es dann wieder zurück zu den alten Prog-Tagen plus Folk. Die Zeitschrift Stereo bezeichnete das Ganze als einen ehrgeizigen Art-Folk mit überzeugenden Songs. Das kann man so stehen lassen. Mit dem Live Album A Little Night Music zeigte sich die Band von ihrer akustischen Seite und bot den Fans einen hochgelobten Querschnitt der letzten 20 Jahre. Mit Roots To Branches gelang Jethro Tull dann wieder ein Album, das stellenweise an alte Qualitäten anknüpfte. Ähnlich gelagert war das Album J-Tull Dot Com .


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In der Summe muss man aber sagen, das Jethro Tull den alten Erfolgen etwas nachlief und stilistisch praktisch nicht mehr ganz an alte Qualitäten anknüpfen konnte. Andererseits muss man auch festhalten, dass Jethro Tull eine faszinierende Institution sind, die sich wacker über alle Änderungen in der Musikszene halten konnte. Der Band machte weder Punk, noch Metal, noch Grunge oder Techno extrem viel aus. Jethro Tull konnte immer wieder in die Charts einziehen. Und wenn man von Jethro Tull spricht, dann meint man natürlich in erster Linie Ian Anderson. Er stellt sicherlich eine der wichtigen Persönlichkeiten der modernen Rockgeschichte dar.

 

    Diskographie:
  • This Was (1967)
  • Stand Up (1969)
  • Benefit (1970)
  • Aqualung (1971)
  • Thick as a Brick (1972)
  • Living In The Past (1972, Sampler)
  • A Passion Play (1973)
  • War Child (1974)
  • Minstrel in the Gallery (1975)
  • Too Old to Rock 'n' Roll, Too Young to Die (1976)
  • M. U. The Best Of (1976, Sampler)
  • Songs From the Wood (1977)
  • Repeat - The Best Of II (1977, Sampler)
  • Heavy Horses (1978)
  • Bursting Out (1978)
  • Stormwatch (1979)
  • A (1980)
  • The Broadsword and the Beast (1982)
  • Under Wraps (1984)
  • A Classic Case (1985, mit London Symphony Orchestra)
  • Original Masters (1985, Sampler)
  • Crest of a Knave (1987)
  • 20 Years Of Jethro Tull (1988,Sampler)
  • Rock Island (1989)
  • Live at Hammersmith '84 (1990)
  • Catfish Rising (1991)
  • A Little Light Music (1992)
  • Roots To Branches (1995)
  • In Concert (1995)
  • J-Tull Dot Com (1999)
  • Living With the Past (2002)
  • Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 (2005)
  • Live at Montreux 2003 (2007)
  • Aqualung Live (2005)