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CD-Kritik: Jethro Tull - AqualungAnzeigeTitel: Aqualung Erscheinungsjahr: 1971 Genre: Prog-Rock, Folk-Rock Bewertung: ![]()
Aqualung war das vierte Studioalbum der Band Jethro Tull. Es kam im Jahr 1971 heraus. Auf dem Album war zum ersten Mal Bassist Jeffrey Hammond mit dabei, Drummer Clive Bunker war hier zum letzten Mal dabei. Aqualung wird häufig als ein Konzeptalbum bezeichnet, was aber umstritten ist. Besonders Ian Anderson hat sich immer dagegen gewehrt, dass es sich bei Aqualung um ein Konzeptalbum handelt. Tatsächlich ist die Handlung jeder Seite in sich geschlossen, allerdings kann man nicht das ganze Album als einsträngige Handlung sehen. Die damalige erste Seite befasst sich mit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen bzw. mit unterschiedlichen Charakteren. Dabei zählen die Charaktere des Aqualung und der Cross-Eyed Mary als solche mit zweifelhaftem Ruf. Zwei Songs sind autobiographisch eingefärbt. Die damalige zweite Albumseite befasst sich mit religiösen Themen bzw. Gott und der Kirche, wobei es pro Gott und contra Kirche ausgelegt ist. Stilstisch ähnelt das Album dem Vorgänger Benefit nicht sehr. Viele der Songs auf Aqualung sind eher akustisch gehalten. Bis zum Zeitpunkt des Erscheinens war Aqualung das erfolgreichste Album der Band. Es schaffte in den USA Platz 7 der Charts, im UK kam es auf Rang 4. Die Songs: Der Titelsong Aqualung beginnt mit einem Trademark Introriff und den unisono von Anderson gesungen Parts. Das klingt anfangs recht rockig, wird dann aber in einen vorwiegend akustischen Part geführt. Zum Schluss wiederholt die Band das Introthema noch einmal. Cross-Eyed Mary beginnt mit Mellotron- und Querflötensounds. Danach wird der Song relativ rockig, mit schönen Flöten- und Gitarrensoli. Cheap Day Return ist ein netter folkiger Song, der meines Erachtens durchaus auch von Cat Stevens hätte stammen können. Mother Goose macht folkig weiter, wobei der Song stilistisch stärker an den keltischen Wurzeln von Anderson orientiert ist. Wond'ring Aloud ist ein weiterer Song, der von der Akustikgitarre dominiert wird. Allerdings gibt es hier noch eine minimale Orchestrierung dazu. Up to Me wird zwar auch vor allem von der akustischen Gitarre bestimmt. Hier werden aber immer wieder schöne E-Gitarrenparts eingestreut, auch die Rhythmik ist ganz interessant. My God beginnt wieder akustisch mit Gitarre und Piano. Später wird es dann verschleppt rockig. Der Mittelteil wird von Andersons Flöte und Mönchchören bestimmt. My God ist der wohl vielschichtigste Song des Albums und dürfte auch zu den bekanntesten Songs des Albums gehören. Hymn 43 bricht etwas aus dem bisherigen Schema aus. Der Song ist ein recht konventioneller Rocksong. Slipstream klingt wieder sehr romantisch, am Anfang mit schönen Akustikgitarren, zum Schluss gibt es dann interessante Streichersounds. Locomotive Breath zählt zu den größten Hits der Band und ist ohne Zweifel einer der Bandklassiker. In den 1970ern war der Song unerlässlich auf jeder Party. Interessant ist das jazzige Intro, welches sich dann in das rockige Hauptthema entlädt. Das Hauptriff des Songs macht viel vom gesamten Song aus und klingt auch Jahrzehnte später noch gut. Wind Up beginnt wieder verhalten und vorwiegend akustisch instrumentiert. Später gibt es ein zeittypisches Hard-Rock Gitarrenriff dazu, zum Schluss wird es dann wieder softer. Lick Your Fingers Clean ist ein Bonustrack, der eine nette Mischung aus folkigem Material und härterem Rockmaterial bietet. Wind Up (Quad Version) ist die soundtechnisch aufgemotzte Version des Originalsongs. Excerpts From the Ian Anderson Interview gibt ein paar interessante Einblicke vom Meister selbst. Songs For Jeffrey, Fat Man und Bouree kennt man eigentlich schon. Der Sound dieser BBC-Aufnahmen ist sehr bescheiden. Das klingt so, als ob man früher mit dem Mikro vor dem Lautsprecher saß und etwas aufgenommen hat. Erstaunlich, dass man so etwas als Bonustracks anbietet. Das dürfte nur für Zeitgeschichtlich Interessierte Menschen von Nutzen sein. Aqualung zählt sicherlich zu den Meilensteinen von Jethro Tull. Im Nachhinein muss man sich aber schon fragen, warum das so ist. Aqualung ist ohne Frage ein wichtiges Album der Band, aber sicherlich nicht das wichtigste und wohl kaum das beste Album von Jethro Tull. Tatsache ist aber auch, dass mit Locomotive Breath ein Riesenhit und Klassiker auf dem Album ist. Auch der Titelsong Aqualung oder etwa My God gehören zu den bekannteren Songs der Band. Dazu gibt es ein paar sehr schöne folkige Songs, die aber leider sehr kurz sind. Insgesamt ist Aqualung also eigentlich nicht mehr als eine Mischung aus Rock und Folk. Die Proganteile und experimentellen Ausflüge halten sich sehr in Grenzen. So gesehen bietet die Band mit Aqualung allenfalls ordentliche Rockkost, mehr aber nicht. Ich persönlich ziehe Jethro Tull Alben vor, die entweder eindeutiger Richtung Prog-Rock oder z. B. Richtung Folk gehen.
Rezensent: MP
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