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CD-Kritik Jethro Tull - J-Tull-Dot ComAnzeigeTitel: J-Tull Dot Com Erscheinungsjahr: 1999 Genre: Hard-Rock, Rock Bewertung: ![]()
Jethro Tull präsentierten im Jahr 1999 mit dem Album j-tull dot com vor allem einen Hinweis auf ihre damals neue Internetpräsenz. Musikalisch knüpfte das Album durchaus an den Vorgänger Roots To Branches an. Das bedeutet: Jethro Tull erinnerte sich an die Roots, präsentierte aber auch härteren Rock und eine Art fernöstlich inspirierter Weltmusik. Mich erinnert das manchmal an Projekte, bei denen Anderson als Gastmusiker dabei war (z. B. Mandoki). Die Songs: Spiral beginnt mit Anderson an der Querflöte. Dann setzt aber wieder die damals typische Heavy-Rock Gitarre ein. Letztlich ist Spiral damit auch nur ein härterer Rocksong mit geringen Prog-Anteilen. Dot Com erinnert etwas an alte Zeiten. Kein schlechter Song, aber hier stören die Keyboardsounds etwas. Awol beginnt mit einer schönen Melodie, die mich entfernt an einen Part aus Tubular Bells erinnert. Danach geht es rockig weiter. Zum Glück gibt es ein paar schöne instrumentale Einwürfe, sonst würde es sich wieder um einen durchgängig flachen Song handeln. Nothing@All ist ein nettes, kurzes Piano-Instrumental. Wicked Windows ist ein ordentlicher Rocksong der softeren Art. Wieder bringt die Bands einige Parts ein, die an alte Zeiten erinnern. Hunt By Numbers wird durch ein härteres Gitarrenriff geprägt. Der harte Song überrascht aber auch mit gewissen Reminiszenzen an alte Zeiten. Hot Mango Flush beginnt mit einem schönen Gitarrenintro und bietet im weiteren Verlauf interessante Ideen. El Nino wurde schon oft besungen. Diese Version ist nicht schlecht, aber sie kann nicht überzeugen. Black Mamba hat wieder eine subtile Ausrichtung Richtung Prog-Rock, erreicht aber nie die alte Klasse. Mango Surprise ist wohl als Erweiterung von Hot Mango Flush gedacht. Der Song klingt lustig, aber ziemlich unaufregend. Bends Like A Willow beginnt mit Gitarrendelaysounds a la U2. Eigentlich ein interessanter Song mit einigen ganz schönen Ideen. Aber das rutscht insgesamt doch sehr stark Richtung AOR ab. For Alaska ist eine interessante Mischung aus älteren Tull Sounds und moderneren Heavy Sounds. The Dog-Car Years klingt nach alten folkigen und leicht progressiven Tull Sounds. A Gift Of Roses hat, wie der Vorgänger, einen relativ stark folkigen Bezug und klingt wieder ordentlich. In ihrer langen Karriere haben Ian Anderson bzw. Jethro Tull stilistisch ziemlich viel angeboten. Angefangen mit dem Blues, danach Folk, Prog, Jazz, Klassik, Heavy, Rock und so weiter und so fort. J-Tull Dot Com präsentiert viele der modernen härteren Gitarren- und Keyboardsounds. Das Album schöpft glücklicherweise auch aus den Tull-Roots, driftet aber auch in den Bereich der eher unaufregenden AOR Weltmusik mit fernöstlicher Ausrichtung. Ich weiß nicht, wie man diese Musik sonst bezeichnen könnte. Auf den Mandoki Projekten hörte man ähnliches. Das klingt alles gut und perfekt, aber selten mitreißend oder überzeugend. Wie gesagt, zitiert Anderson immer wieder altes Tull-Material, ohne dieses aber nur zu kopieren. Von den neueren Alben ist J-Tull Dot Com eines der besseren. Es streift aber immer wieder den Bereich der Mittelmäßigkeit. Für Jethro Tull Fans dürfte das Album noch in Ordnung gehen.
Rezensent: MP
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