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CD-Kritik: Jethro Tull - WarchildAnzeigeTitel: Warchild (auch War Child) Erscheinungsjahr: 1974 Genre: Prog-Rock, Folk-Rock Bewertung: ![]()
War Child war das siebte Studioalbum von Jethro Tull. Es erschien im Jahr 1974, nachdem die Band mit A Passion Play vor den Kritikern in Ungnade fiel. Anderson wollte sich bekanntlich zurückziehen, weil er mit den stellenweise vernichtenden Kritiken nicht zurecht kam. Überraschenderweise legte er dann aber doch recht schnell dieses Album nach. Es unterschied sich relativ stark von seinen Vorgängern, vor allem weil Anderson jetzt wieder auf vergleichsweise kurze Songs baute. Ursprünglich war War Child wohl als ein Film Soundtrack geplant, wurde dann aber doch zu einer normalen Studioscheibe. Das Album war ganz erfolgreich und kam in den USA bis auf Platz 2 der Charts. Auch die Kritiker beurteilten das Album wohlwollend, vor allem wenn man die vernichtenden Kritiken zu A Passion Play berücksichtigt. Die Songs: "War Child" beginnt mit einer Einspielung von Kriegsgeräuschen. Dann geht es mit Piano und Saxofon relativ sanft weiter. Der Song wird im weiteren Verlauf rockiger, mit einem schön vertrackten Rhythmus, über dem aber eine recht eingängige Melodie liegt. Der nächste Song, "Queen And Country", klingt erstaunlich. Durch den Einsatz des Akkordeons bekommt der Song manchmal einen Shanty Charakter. Aber es handelt sich letztlich um einen schönen Rocksong mit tollen Ideen. "Ladies" entwickelt sich, nach anfänglichem Menschengemurmel, zu einem schönen akustischen Song. Die Weihnachtsglocken und die Orchesterinstrumentierung klingen gut, zum Schluss wird es dann rockiger. "Back-Door Angels" ist ein Song mit vielen verschiedenen Ideen und vertrackten Rhythmen, was vor allem Prog-Rock Freunde erfreuen müsste. "Sealion" geht auch wieder schön progrockig ab. Darüber gelingt es Anderson, eine recht eingängige Gesangsmelodie zu präsentieren. "Skating Away on the Thin Ice of the New Day" war einer von drei Songs, die aus der Sessionphase nach Thick As A Brick stammten. Der Song beginnt wieder mit Musique Concrete Elementen, da wird jemand bei der Teezubereitung belauscht. Danach wird es, mit vorzüglich klingenden Akustikgitarren, schön folkig. "Bungle in the Jungle" war ein weiterer der drei Songs, die gleich nach Thick As A Brick komponiert wurden. Der Song wurde als Single ausgekoppelt und war relativ erfolgreich. Es ist einer der rockigsten und eingängigsten Songs des Albums. "Only Solitaire" war ebenfalls ein Song, der noch aus der Sessionphase nach Thick As A Brick stammte. Er wurde dann aber nicht aufgenommen und kam erst auf dieses Album. Der Song ist wieder ein tolles Beispiel für folkige Anderson-Songs. "The Third Hoorah" beginnt mit Marching Drums, danach wird es folkig bis progrockig. Anderson bringt eine Variation des Warchild Themas. Der Song steigert sich danach in gut gemachte Orchesterparts und eine Art Dudelsack Outro. "Two Fingers" ist ein neues Arrangement des alten Titels "Lick Your Fingers Clean" (von der Aqualung Session). Der Song ist schön gemacht, sehr rhythmisch, rockig und mit vielen außergewöhnlichen Ideen. "Warchild Waltz" ist eine Klassik Variation des Warchild Themas. Hut ab vor Anderson und seinen Ideen. Das klingt vorzüglich, erinnert an viele Klassiker - natürlich auch etwas an den Walzerkönig Strauß. "Quartet" ist eine wilde Mischung aus Jazz, Prog und Klassik und kann wieder als musikalisches Bonmot bezeichnet werden. "Paradise Steakhouse" ist ein gemächlicher und grooviger Rocksong, wieder angereichert mit schönen proggigen Parts. "Sealion 2" nimmt das Thema von Sealion noch einmal auf. Der progressive Song ist wieder vollgepackt mit tollen Ideen. Das klingt manchmal schräg und unruhig - aber immer gut. "Rainbow Blues" ist ein Blues a la Jethro tull, also weit entfernt vom schnöden Blues. "Glory Row" ist wieder ein schöner Song mit viel Akustikgitarren und tollen Einfällen zwischen Prog und Rock. "Saturation" rockt schwer und hart. Von der Konzeption einer der härtesten Songs des Albums - zumindest was den Sound angeht. Die Band garniert das ganze mit vielen schönen progrockigen Ideen. Egal was Kritiker damals über Jethro Tull berichteten - die Phase ab Thick As A Brick bis einschließlich Songs From The Wood war äußerst ergiebig und brachte uns einige der wohl besten Alben der Band. Und dabei zähle ich War Child zu den besten der Phase. Wo Thick As A Brick durch die lange Komposition vielleicht für viele schwer verdaulich war, da macht War Child mit kürzeren Songs weiter. Wieder bringt Anderson diese grandiose Mischung aus Rock, Folk und Klassik sowie kleinen Prisen Jazz. Das klingt wirklich verdammt gut. Der Singlehit Bungle In The Jungle ist dabei einer der eingängigsten Titel, aber nicht einmal der beste Titel des Albums. Auch das Bonusmaterial überzeugt: normalerweise rechnet man mit billigen Dreingaben. Hier ergänzen sie das Originalmaterial vorbildlich. Ein Spitzenalbum, das ich jedem empfehlen würde, der sich für die proggige Phase von Jethro Tull interessiert. Als Einstieg gibt es meines Erachtens kein besseres Album. Und War Child war mit Sicherheit das beste Argument, welches Anderson den Kritikern nach dem Verriss von A Passion Play um die Ohren hauen konnte.
Rezensent: MP
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