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CD-Kritik: Pink Floyd - Ummagumma

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Interpret: Pink Floyd

Titel: Ummagumma

Erscheinungsjahr: 1969

Genre: Psychedelic-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen
(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Ummagumma war das erste Doppelalbum der Band Pink Floyd. Es erschien im Jahr 1969 in einer Phase, als die Band noch relativ stark im Psychedelic-Rock verhaftet war. Allerdings bedeutete es auch eine gewisse Abkehr von alten Sounds, zumal der frühere Hauptsongwriter Syd Barrett die Band 1968 verlassen musste. Insgesamt war Pink Floyd noch auf der Suche nach einem eigenständigen neuen Sound, weil sich die Vorstellungen der Musiker doch stark voneinander unterschieden. Dies kommt besonders auf der zweiten Scheibe mit den Studioversionen zum Tragen. Die damalige erste LP spiegelt noch alle Qualitäten der alten Band wieder, weil es sich um ein Live-Album handelt. Auf diesem Livealbum findet sich ein elementarer Teil der damaligen Setlist von Pink Floyd. Auf dem zweiten Album durfte sich damals jeder der vier Musiker mit einem eigenen Song präsentieren. Dementsprechend unterschiedlich ist diese zweite LP stilistisch aufgebaut.

Das Album erreichte Platz 5 im UK und Platz 74 in den USA. Es war bis dahin das erfolgreichste Album der Band. Ummagumma wurde von Kritikern sehr unterschiedlich beurteilt, was vor allem am etwas uneinheitlichen Stil des Studioalbums liegt.

Ummagumma Live

Auf dem Live Album bringt die Band ältere Songs aus Livekonzerten zu Gehör. Astronomy Domine stammt noch von Syd Barrett. Die Band schafft es, den Song recht gut zu interpretieren - auch ohne Barrett. Das klingt authentisch, schön psychedelisch und die Band performt wirklich gut. Careful With That Axe, Eugene klingt dann noch etwas besser. Vielleicht war das bis dahin sowieso einer ihrer besten Songs. Die Live-Version klingt dabei noch besser als die Studioversion. Die stellenweise wahnwitzigen Steigerungen von atmosphärisch bis hysterisch verrückt überzeugen, Gilmoures kaputte Gitarrensounds überraschen. Auch Set The Controls For The Heart Of The Sun ist der Band live gut gelungen. Der Song beginnt hypnotisch und fast schon orientalisch. Schön sind hier, neben der gelungenen Drumarbeit von Mason, die Keyboardparts von Wright. Mit A Saucerful Of Secrets legt die Band noch einmal zu. Die Liveversion übertrifft die Studioversion um Längen, aber der Song ist ohne Zweifel auch der experimentellste des Live-Albums.

Das Livealbum ist der Band wirklich sehr gut gelungen. Stilistisch liegen wir noch im klassischen Psychedelic-Rock der Band mit vielen Experimenten und Soundcollagen. Das klingt auch Jahrzehnte später noch interessant. Dabei sind die ersten drei Songs sogar leicht konsumierbar, während A Saucerful Of Secrets sehr experimentell gestaltet ist.

Ummagumma - das Studioalbum

Wright eröffnet das Album mit seinem Sysyphus Thema. Part 1 klingt, mit Pauken und viel Mellotron, recht dramatisch. Part 1 geht in einen klassischen Pianopart über. Wright fügt dem Thema immer wieder Dissonanzen hinzu, speziell Richtung Ende wird es dann fast schon free-jazzig. Part 3 wird noch experimenteller und klingt ziemlich perkussiv. Die Klaviersounds scheinen durch Schläge mit einem Drumstick auf die Saiten erzeugt worden sein. Dazu gibt es ein recht irres Katzengejammer. Part 4 wird durch einen Mellotron Grundsound bestimmt, dazu gibt es einige Soundcollagen. Der Part klingt eigentlich ganz nett und fast schon atmosphärisch, wobei er sich nach knapp der Hälfte der Laufzeit mit einem Donnerschlag steigert und ganz zum Schluss wieder ins Anfangsthema mündet. Insgesamt klingt das Material von Rick Wright recht komplex und teilweise experimentell, aber auch sehr interessant. Wright selbst hat sich übrigens später deutlich von dem Stück distanziert.

Grantchester Meadows von Waters beginnt mit Vogelgezwitscher. Danach beginnt ein schöner Song, der von Akustikgitarren begleitet wird. Das klingt folkig und vergleichsweise eingängig. Mit dem Song Several Species of Small Furry Animals Gathered Together in a Cave and Grooving with a Pict serviert Waters dann aber den abgefahrensten Titel des Albums. Im Prinzip besteht er nur aus Tiergeräuschen, die dann in einen Rhythmus übernommen werden. Das ist fast schon Avantgarde, klingt sehr schräg, aber auch irgendwie interessant.

Gilmour folgt dann mit seiner Komposition The Narrow Way Parts I - III. Der Song beginnt auch sehr folkig und wird in Part 1 praktisch alleine von akustischen Gitarren getragen, sieht man von wenigen Einwürfen der Slidegitarre und ein paar Soundeffekten ab. Part 2 klingt böser und dunkler. Das Basisriff der E-Gitarre ist hart und proggig. Dazu gibt es dezente Percussions und Basslines, sowie Soundcollagen. Part 3 klingt dann recht typisch nach Gilmour. Das klingt sehr eingängig und hat etwas von den Beatles. Der Part gibt aber auch einen Vorgeschmack darauf, wohin es mit Pink Floyd auf The Dark Side Of The Moon gehen sollte.

Den Abschluss macht Nick Mason mit The Grand Vizier's Garden Party. Mason beginnt nicht etwa mit Drums, sondern mit zuckersüßen Flötensounds. Dafür zeigt er gegen Ende von Part 1, dass er den Wirbel auf der Snare spielen kann. Part 2 wird sehr experimentell. Mason experimentiert mit Paukensounds und Synthies. Später gibt es Experimente mit verschiedenen Drumsounds, vor allem handelt es sich um reversed Sounds. Zum Schluss besänftigen einen dann die Flötensounds aus Part 1.

An der Studioversion scheiden sich die Geister. Das ist stellenweise schon schwere Kost, stellenweise weist das Studioalbum Längen auf. Mit dem Live-Album kann es nicht mithalten. Sicherlich gehören die Kompositionen von Gilmour und Waters zu den besseren Songs auf dem Studioalbum. Wrights Sysyphus-Arbeit lohnt nicht unbedingt - er hat sich letztlich selbst davon distanziert. Masons Garden Party muss man nicht besuchen, die weist doch zuviele Längen auf.

Insgesamt ist Ummagumma ein interessantes Frühwerk der Band. Dabei überzeugt die Live-Platte, vielleicht gehört sie sogar zu den besten Livealben der späten 1960er. Das Studioalbum polarisiert. Während Waters und Gilmour interessantes Material vorlegen, fällt Wrights Beitrag etwas ab und Masons Beitrag ist eigentlich nicht der Rede wert. Eines muss man klar festhalten: wer Pink Floyd vor allem aus der Phase ab The Wall kennt und liebt, der wird sich mit so einem Frühwerk der Band extrem schwer tun. Wer mit einer Musik abseits des Mainstream keine Probleme hat, für den kann Ummagumma interessant sein - und hier vor allem das vorzügliche Live-Album.

Trackliste

    Live-CD:
  1. Astronomy Domine (Syd Barrett) - 8:29
  2. Careful with That Axe, Eugene (Roger Waters, Rick Wright, David Gilmour, Nick Mason) - 8:50
  3. Set the Controls for the Heart of the Sun (Waters) - 9:15
  4. A Saucerful of Secrets (Gilmour/Waters/Mason/Wright) - 12:48
    • Something Else
    • Syncopated Pandemonium
    • Storm Signal
    • Celestial Voices
    Studio-Album:
  1. Sysyphus (Wright)
    • Part 1 - 4:29 (LP); 1:08 (CD)
    • Part 2 - 1:45 (LP); 3:30 (CD)
    • Part 3 - 3:07 (LP); 1:49 (CD)
    • Part 4 - 3:38 (LP); 6:59 (CD)
  2. Grantchester Meadows (Waters) - 7:26
  3. Several Species of Small Furry Animals Gathered Together in a Cave and Grooving with a Pict (Waters) - 4:59
  4. The Narrow Way (Gilmour)
    • Part 1 - 3:27
    • Part 2 - 2:53
    • Part 3 - 5:57
  5. The Grand Vizier's Garden Party (Mason)
    • Part 1: Entrance - 1:00
    • Part 2: Entertainment - 7:06
    • Part 3: Exit - 0:38

Rezensent: MP