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Albumbesprechung Neu! - 2AnzeigeTitel: 2 Erscheinungsjahr: 1973 Genre: Electronic, Ambient, Indie Bewertung: ![]()
Neu! 2 war das zweite Album der deutschen Band Neu!. Die Band um Klaus Dinger und Michael Rother genießt heute Kultstatus. Das hätte bei Veröffentlichung des Albums kaum jemand gedacht. Soweit ich weiß, hielten sich die Verkaufszahlen für die ersten Alben der Band anfangs in einem eher bescheidenen Rahmen. Heute sind die Werke der Band Kult - so auch dieses zweite Album. Aufgenommen wurde das Album 1973 in den Windrose Studios in Hamburg. Produzent war der legendäre Konrad "Conny" Plank. Michael Rother spielte auf dem Album Gitarre, Bass, Keyboards, Zither, Percussions, Electronics und den Cassette-Player. Klaus Dinger ist hauptamtlicher Drummer und Sänger der Band und versuchte sich außerdem an Japanischem Banjo, 11-String-Guitar, Farfisa E-Piano, Electronics und Record-Player. Neben Dinger, Rother und Plank sollte man noch den vierten Mitwirkenden erwähnen, Hans Lampe. Er wirkte als Tontechniker mit und arbeitete später mit Dinger bei La Düsseldorf. Inhaltlich ist das Album ziemlich minimalistisch gehalten, was für eine Band wie Neu! nicht ungewöhnlich ist. Ein wesentlicher Faktor für die Musik von Neu! ist die treibende und bisweilen monotone Rhythmik, welche Dinger u. a. durch permanente Bassdrumkicks erzeugt. Ein weiteres typisches Element ist Dingers Sprechgesang. Michael Rother war in starkem Maß für die Klangerzeugung auf einigen Melodieinstrumenten zuständig. Er hält sich hier aber doch sehr stark zurück. Songs wie Für Immer, Spitzenqualität und Lila Engel entsprechen diesem typischen Muster. Gedenkminute verzichtet auf die Rhythmik und besteht im Prinzip nur aus Windgeräuschen und donnernden Glockenschlägen. Der Grundgedanke zum Song Casetto geht auf den Sound einer "leiernden" Cassette zurück. Dieses Phänomen kennt jeder, der einen der alten Kassettenrecorder hatte. Ähnlich gestrickt ist der Song Hallo Excentrico. Zu diesen Songs kommen genau genommen nur noch zwei Songs - Neuschnee und Super. Beide Songs gibt es, neben der Basisversion, in Alternativversionen 16 bzw. 78. Diese Zahlen beziehen sich auf die früher mögliche Mehrfach-Geschwindigkeitsregelung am Plattenspieler. Die 16 ist dabei extrem langsam, die 78 extrem schnell. Dies sind dann auch die Effekte, die man als Hörer wahrnehmen kann. Die Songs an sich klingen stellenweise interessant bis abgedreht. Die Band Neu! ist heute Kult. Viele Alternative- und Indiemusiker nennen Neu! als eine wichtige Inspiration. Was die Band hier vorlegt, hat tatsächlich weniger mit klassischem deutschen Electronic zu tun. Die Ideen sind sehr minimalistisch, insgesamt lebt das Album von der typischen Neu! Motorik. Die Band bietet eigentlich wenige Ideen an. Der Song Super wird zusätzlich einfach im LP-Tempo 16 und 78 angeboten. Neuschnee gibt es auch noch einmal in der 78er Speed-Variante. Typisch für die Songs ist, wie erwähnt, die treibende Drumarbeit von Dinger mit diesen durchgehenden Bassdrumkicks. Dinger steuert auch die typischen Sprechgesänge bei. Rother hält sich relativ stark zurück. Als das Album herauskam, war es nicht extrem erfolgreich. Das lag vielleicht daran, das viele Hörer von bestimmten Experimenten nicht sehr überrascht waren. Jeder, der einen Plattenspieler mit 4-fach Geschwindigkeitsregler besaß, hat damit herumexperimentiert. Auch die Idee mit den leiernden Tapesounds war nicht neu, denn mit diesem Problem musste sich jeder von uns in der Realität zwangsläufig auseinandersetzen. Die Cassettengeräte waren damals einfach so schlecht. Von daher war das Album im Erscheinungsjahr eigentlich nicht ganz so innovativ. Der Grund für diese Experimente war wohl auch eher aus der Not geboren. Man munkelt, dass der Band damals während der Aufnahmen das Geld ausging. Deshalb musste man auf diese relativ billigen Gimmicks zurückgreifen. Kritiker bemängelten das durchaus - heute ist das Pop-Art. So ändern sich die Zeiten. Immerhin klang die Band aber schon 1973 relativ punkig und new wavig, und war damit ihrer Zeit um Meilen voraus. Außerdem ist die Band Neu! gerade wegen solcher Arbeiten zu einer stilprägenden Band für Musiker aus Alternative oder Indiemusik geworden.
Rezensent: MP
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