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CD-Kritik Lebowski - CinematicAnzeigeTitel: Cinematic Erscheinungsjahr: 2010 Genre: Art-Rock, Space-Rock, Neo-Prog, Ambient Bewertung: ![]()
Cinematic ist das Debütalbum der polnischen Band Lebowski. Das Album erschien im Juni 2010. Ob es sich bei Lebowski um eine Band im klassischen Sinn handelt oder nicht, das wird sich noch weisen. Im Prinzip kann man den Infos entnehmen, dass es sich um ein Projekt von Freunden handelt. Diese haben schon seit 2005 an dessen Realisierung gefeilt und immer wieder nachgebessert, was man dem Album anhören kann. Der Albumtitel ist Programm, es geht vor allem um Cinematic, um Filme bzw. Soundtracks zu imaginären Soundtracks. Dazu nutzt die Band Sprachschnipsel aus Filmen, welche sie in die Songs geschnitten hat. Katarzyna Dziubak steuert außerdem auf zwei Tracks ambientartige Sprechgesänge bei. Ansonsten werden rein instrumentale Titel angeboten. Musikalisch lotet die Band einige Bereiche aus und landet damit im Prinzip irgendwo im weiten Feld des Prog. Es werden Elemente aus Rock, Pop, Jazz, Jazz-Fusion, Ambient, Space-Rock und Weltmusik genutzt. Diese werden in relativ ruhigen Songs zu angenehmen Soundstrukturen verwoben. Die Songs: Gleich mit "Trip To Doha" legt die Band einen betörend schönen Song vor. Die Voicings und Klangstrukturen bereiten tatsächlich einen schönen Trip nach Doha. "137 Sec." verströmt mit den Hammered Dulcimersounds ein "Die Zwei" Flair, die Gesangslinien von Dziubak geben dem Song ein Weltmusikflair. Die musikalische Vielfalt runden die angenehm verzerrten Gitarrensounds und die Retro-Moogsounds ab. Der Titelsong "Cinematic" wird getragen von Flageoletts und Atmo-Gitarrenparts. Auch die Bandinterpretation des "Old British Spy Movie" kann durchaus überzeugen, auch wenn die Harfensounds eher an esoterische Musik erinnern. Iceland besitzt, nach meiner Ansicht, etwas von den kühlen Klanglandschaften des skandinavischen Jazz Fusion. Daher trifft der Song den Nagel irgendwie auf den Kopf. Auf "Encore" verströmt der Gitarrist anfangs enormes David Gilmour Flair. Das klingt im Intro schon mal ganz schön, völlig überraschend treffen dann Harmonikasounds auf die Ambientklänge. Den französischen Charakter runden die französischen Sprachfetzen ab. "Aperitif For Breakfast" (O.M.R.J) beginnt mit Kinderliedähnlichen Pianosounds, mit einsetzendem Groove und den E-Pianosounds klingt die Band dann eher nach Pink Floyd. Spiritual Machine ist einer der abwechslungsreichsten Songs. Der Song lebt einerseits von beseelten Gitarrenparts, andererseits überrascht der Song mit Robotersoundintermezzos und im Mittelteil mit einer Temposteigerung, welche so bislang noch nicht da war. "The Storyteller" wirkt sehr ambient, zumal die Band erheblich am Song rumfeilte und die Drums zumindest im ersten Part komplett eliminierte. Damit wirkt der Song anfangs sehr ruhig, mit einer angenehmen Tiefe. Nach ca. 4 Minuten setzen die Drums ein. Irgendwie erinnert mich das an Strukturen von altem Bo Hansson Material. "Human Error" klingt abschließend relativ stark nach modernem Jazz Fusion, mit gewissen Anleihen an den Neo-Prog. Lebowski spielen auf Cinematic fern jeder Hektik eine sehr nuancenreiche Musik ein. Diese muss sich entfalten können, auf den ersten Höreindruck kann das alles sehr unaufregend wirken. Allerdings kann man mit jedem Hördurchgang auch neue Facetten erkennen, was den besonderen Reiz einer solchen Musik ausmacht. Und man bemerkt dabei, dass die Musik bei aller Leichtigkeit durchaus komplex aufgebaut ist. Vor allem die Melodieinstrumente können hier Akzente setzen. Gitarrist Marcin Grzegorczyk spielt sphärische Linien zwischen David Gilmour und Jan Schaffer neben Linien im Stil des modernen Prog-Metal. Keyboarder Marcin Luczaj legt angenehme Klangteppiche und klingt in Moog-Soloparts angenehm Retro. Dazu funktioniert die Rhythmussektion mit Bassist Marek Zak und Drummer Krzysztof Pakula blendend. Besonders Zak darf sich zudem immer wieder mit sahnigen Fretlesslinien zeigen Cinematic ist ein sehr gutes Album. Es ist eine feine und nuancenreiche Musik, die mit jedem Hören neue Erlebnisse bieten kann. Allerdings kann eine Musik dieser Art auch gewisse Längen produzieren. Immerhin bewegt sich die Band tempomäßig in einem kleinen Spektrum, welches vor allem im gemäßigten Midtempo beheimatet ist. Wenn man aber bedenkt, dass die Band mit Cinematic ihr Debütalbum vorlegt, dann darf man staunen und in freudiger Erregung auf das nächste Album warten.
Rezensent: MP |