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CD-Kritik Jimi Hendrix/The Jimi Hendrix Experience - Electric Ladyland
Titel: Electric Ladyland Erscheinungsjahr: 1968 Genre: Rock, Blues-Rock, Psychedelic Bewertung: ![]()
Electric Ladyland ist das dritte Album der Jimi Hendrix Experience. Es erschien 1968 und war offiziell das letzte Album der Experience. Von vielen Betrachtern wird es als ein Höhepunkt im Schaffen des Jahrtausendgitarristen Jimi Hendrix gesehen. Hendrix war hier praktisch alleiniger Songwriter, außerdem produzierte er das Album mehr oder weniger alleine. Electric Ladyland erschien ursprünglich als ein Doppel-Album, wobei das Cover mit den nackten Frauen für Aufsehen sorgte und in den USA so nicht erschien. Stilistisch ist es vielleicht das Hendrix-Album mit der größten Bandbreite. Aufgrund der vielen Songs ist das natürlich nicht verwunderlich, Hendrix spannt den Bogen über alle möglichen Stilistiken. Von Kritikern wird Electric Ladyland in der Regel mit Höchstnoten bewertet, es gehört ohne Zweifel zu den essentiellen Meilensteinen der Rockmusik. Electric Ladyland war auch das einzige Nummer 1 Album, welches Jimi zu Lebzeiten herausbrachte. In den USA kam es auf Rang 1, im UK auf Rang 6. Wie man lesen kann, war Hendrix ein relativ besessener Studioperfektionist. Alleine von Gypsy Eyes sollen er und Mitchell über 50 Takes eingespielt haben. Hendrix sang auch immer wieder die Backgroundgesänge in mehreren Spuren selbst ein. Während der Aufnahmen soll es schon zu Spannungen zwischen Hendrix und Bassist Redding gekommen sein, weshalb Hendrix auch viele Bass-Spuren selbst einspielte. So spielt er auch das Bass-Solo auf 1983. Für Platteninhaber vielleicht interessant: das Originalalbum wurde im Auto-Coupling Verfahren eingespielt. Das heißt: die Platte mit Seite 1 hatte als zweite Seite die Seite 4, die zweite Platte hatte Seite 2 und 3 drauf. Dies führt in einigen Fällen zu gewissen Verwirrungen, vor allem bezüglich des Tracklistings späterer CD's. Die Songs: ...And the Gods Made Love ist ein sehr experimenteller Einstieg. Der Song besteht eigentlich nur aus einer extrem stark verfremdeten Stimme. Have You Ever Been (To Electric Ladyland) schrieb Hendrix für alle Frauen, die ihn in seinem Leben besonders beeinflussten. Auf dem Song spielte Hendrix auch Bass. Der Song hat etwas von Spanish Castle Magic und von Little Wing. Allerdings ähnelt der Song durch den hohen Gesang von Hendrix auch ein wenig den alten R&B und Soulnummern jener Zeit. Crosstown Traffic hat vom Basisriff eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Beatles Song Baby You Can Drive My Car, dessen Einfluss als erwiesen gilt. Die Kazoo Sounds wurden angeblich durch einen normalen Kamm mit Papier erzeugt. Ein schöner leicht abgedrehter Song, der ziemlich typisch für 1968 klingt. Voodoo Chile ist ein Song, der auf einem Bluesjam basiert, den Hendrix immer wieder gerne spielte. Der Song beinhaltet Teile des Catfish Blues und ist stark von Muddy Waters' Bluesnummern beeinflusst. Für Gitarristen gehören beide Versionen (besonders die Reprise) zu unverzichtbaren Standardsongs. Wer lange Jamsessions mag, der muss den Song kennen. Diese Version ist aus meiner Sicht bluesiger und weniger hart als das Reprise. Little Miss Strange ist wieder ein Noel Redding Song. Der Song ist wieder sehr britisch und hätte gut in die englische Beatszene gepasst. Long Hot Summer Night groovt nach einem relativ energischen Introriff recht relaxt mit einer gewissen R&B Note. Come On (Let The Good Times Roll) ist ein Earl King Song. Hendrix machte durch dieses Cover den Song recht bekannt, der später von vielen anderen Musikern gecovert wurde. Die Version von Hendrix geht schön ab und könnte fast schon als eine Art Hard-Rock bezeichnet werden. Gypsy Eyes ist ein Song, der sich stark mit Hendrix' Beziehung zu seiner Mutter beschäftigt. Der Song nutzt recht intensiv das Stereopanorama und switcht oft von rechts nach links. Die Gitarrenparts sind sehr gelungen und sogar relativ komplex, der Song hat einen sehr schönen Drive. Burning of the Midnight Lamp erschien ursprünglich als Monoversion auf einer Single im Jahr 1967. Der Song beginnt mit einem Harpsichord und der Wah-Wah Gitarre, später setzen Drums und Bass ein. Auf dem Song spielt Hendrix auch die Keyboards. Der Mandolineneffekt wurde durch mehrfach übereinander gelegte Gitarren erzeugt. Für Hendrix-Verhältnisse ein recht eingängiger Song. Rainy Day, Dream Away ist im Stil einer Barjazz-Session gehalten. Ein jazziger Song mit vielen bluesigen Gitarreneinwürfen, der trotz aller Relaxtheit eine schöne Spannung aufbaut. 1983... (A Merman I Should Turn to Be) ist neben Voodoo Chile einer der längsten Songs von Hendrix. Der Song, auf dem Hendrix auch Bass spielt, zählt zu den psychedelischsten Hendrix-Songs. Inhaltlich wird der Song oft als der politischste und auch philosophischste Song von Hendrix bezeichnet. Stellenweise erinnert mich der Song an Werke der frühen Pink Floyd. Moon, Turn the Tides...Gently Gently Away ist eine instrumentale Nummer. Sie schließt sich gut an 1983 an und besteht aus relativ außerirdischen Klangcollagen. Still Raining, Still Dreaming schließt an Rainy Day an, allerdings geht der Song hier weiter weg vom Jazz. Vor allem die Gitarrensounds sind etwas härter. House Burning Down ist ein leicht psychedelischer Rocksong, der ohne große Höhepunkte gute Laune verbreitet. All Along the Watchtower stammt im Original von Bob Dylan. Die Version von Hendrix zählt sicherlich zu den besten Coverversionen. An der Gitarre wirkte hier auch Dave Mason (Traffic) mit, möglicherweise spielte er auch die Bassparts ein. Das ist aber nicht ganz klar, wahrscheinlich wurde der Bass letztlich von Hendrix selbst gespielt. Das Gitarrensolo ist überirdisch gut und stellt für mich eines der schönsten Hendrix-Soli dar. Voodoo Child (Slight Return) ist die kürzere Version vom Voodoo Chile Jam. Diese Version gehört zu den wichtigsten Songs von Hendrix. Immer wieder gerühmt wird der intensive und heftige Wah-Wah Einsatz an der Gitarre, die Soli gehören zum besten was Hendrix auf Studioalben gebracht hat. Durch die harten Gitarrensounds wirkt der komplette Song relativ hart. Electric Ladyland gehört sicherlich zu den wichtigsten Werken von Hendrix. Viele Kritiker sind der Meinung, dass Hendrix hier auf einem Höhepunkt seines Schaffensprozesses war. Das hat sicherlich etwas, denn auf dem Album legt er einige seiner besten Songs vor. Zwei Kernsongs sind aus meiner Sicht Voodoo chile und vor allem dessen Slight Return. Das Cover von All Along the Watchtower ist toll gelungen, auch sonst bietet Hendrix hier überdurchschnittliches Material an. Electric Ladyland gehört für mich zu den Meilensteinen der Rockmusik. Die Tracks: US Original LP
Rezensent: MP
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