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Albumbesprechung Miles Davis - Kind Of Blue

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Interpret: Miles Davis

Titel: Kind Of Blue

Erscheinungsjahr: 1959

Genre: Jazz

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen
(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Kind of Blue ist ein Album von Miles Davis, welches im Jahr 1959 erschien. Dieses Album zählt zu den berühmtesten Jazzalben überhaupt. Gemäß offiziellen Quellen ist Kind Of Blue auch das bestverkaufte Jazzalbum (lt. RIAA hatte es bis 2008 alleine in den USA vierfach Platin erhalten). Auch wenn man nicht unbedingt auf Jazz steht, so kommt man als Musikfan um dieses Album nicht herum. Viele Jazzfans betrachten Kind Of Blue als das beste Jazzalbum aller Zeiten - in der Diskographie von Davis wird es allgemein als sein bestes Album bezeichnet. Auch für Rockmusikhörer könnte dieses Album durchaus interessant sein.

Die Kritiken zum Album waren extrem gut. Der Hip-Hop Künstler Q-Tip konstatierte einmal kurz und knapp: "Kind Of Blue ist wie die Bibel - jeder sollte sie zu Hause haben"

Die Besetzung auf dem Album ist erlesen. Mit dabei sind neben Davis die Pianisten Bill Evans und Wynton Kelly, Drummer Jimmy Cobb, Bassist Paul Chambers und die Saxofonisten John Coltrane und Julian Cannonball Adderley. Das Album zeichnet sich durch eine so genannte modale Herangehensweise aus, die etwas im Kontrast zu früheren Hard-Bop Alben steht. Im Prinzip kann man sagen, dass dieses Album dadurch auch relativ leicht verdaulich ist. Vielleicht wäre das sogar ein Kritikpunkt, den man anbringen könnte: Kind Of Blue ist vergleichsweise einfach strukturiert, die Grundriffs sind überschaubar. Da hätte man sicherlich etwas mehr machen können. Anderseits reicht das für modale Improvisationen aber komplett aus.

Diese modale Herangehensweise ist interessant und war im Erscheinungsjahr auch nicht sehr verbreitet. Es geht dabei vor allem um den Zusammenhang von Akkord und Melodie bzw. Chord-Progressionen und dazu gehörige modale Improvisationsparts. Das Album wurde sozusagen als eine Serie modaler Skizzen konzipiert. Jeder Beteiligte erhielt eine vorgegebene Tonleiter, wodurch seine Beiträge zur Improvisation klar begrenzt waren. Die Musiker hatten aber bis zum Eintreffen eigentlich keine genaue Vorstellung davon, was sie spielen sollten.

Das hat aber - wie man hören kann - gut funktioniert. Gleich mit dem ersten Song So What legen die Musiker einen Klassiker des Jazz vor. Hier wird das modale Konzept schon ziemlich klar: zwei Modes - der erste über die ersten 16 und letzten 8 Takte, der zweite über die mittleren acht Takte. Freddie Freeloader unterscheidet sich insofern von So What, als es ein Standard twelve bar blues ist. Hier gibt es sowieso relativ klare Vorgaben. Blue in Green besteht wieder nur aus zwei Hauptthemen und ist, so gesehen, recht übersichtlich und gut nachvollziehbar.

All Blues ist zwar wieder ein 12-Taktiger Standard Blues. Allerdings wurde er im 6/8 Feel eingespielt. Auch hier ist das Grundriff relativ einfach, aber der Song klingt ungemein interessant, weil er den beteiligten Musikern doch viele Freiräume lässt. Viele Fans sahen in All Blues den Kernsong des Albums. Flamenco Sketches ist vielleicht der komplexeste Song auf dem Album. Immerhin werden hier fünf Skalen genutzt. Dabei durfte jeder Solist seine Scale solange spielen, wie er wollte. Berühmt sind die Duelle zwischen Davis und Coltrane. Sehr interessant ist auch die Nutzung der spanisch klingenden Linien, welche dann in einen Jazz-Kontext gestellt wurden. Der Song bzw. das Konzept war dann auch die Vorlage für das Davis Album Sketches Of Spain.

Neben A Love Supreme von John Coltrane ist Kind Of Blue eines der Jazzalben, welches man auch als "Nicht-Jazzer" kennen sollte. Die Einzelleistungen aller beteiligten Musiker sind beachtlich. Vor allem Miles Davis' gefühlvolles Trompetenspiel geht richtig unter die Haut und ist wirklich verdammt cool - aber eben nicht kühl. Auch wenn das Album aus meiner Sicht recht eingängig konzipiert ist, so bleibt es ein Jazz-Album. Dennoch würde ich es auch jedem Rockfan empfehlen, der bereit ist über den Tellerrand zu schauen.

Trackliste

  1. So What (Miles Davis) 9:22
  2. Freddie Freeloader (Davis) 9:46
  3. Blue in Green (Davis and Bill Evans) 5:37
  4. All Blues (Davis) 11:33
  5. Flamenco Sketches (Davis and Evans) 9:26
  6. 1997 Compact Disc reissue bonus track
  7. Flamenco Sketches (Alternate take) 9:32

Rezensent: MP