Benutzerdefinierte Suche


Anzeige:
Startseite » Rezensionen von A - Z » The Clash - London Calling

CD-Kritik The Clash - London Calling

Anzeige
Interpret: The Clash

Titel: London Calling

Erscheinungsjahr: 1979

Genre: New Wave, Reggae, Ska

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen
(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

London Calling ist das dritte Album der englischen Band The Clash. Es erschien im Jahr 1979. The Clash wurden spätestens mit diesem Album zu Superstars, allerdings nur bedingt Superstars des Punk. Denn Erfolg und Punk passen nun mal nicht zusammen. Außerdem muss man sagen, dass die Band mit diesem Album meilenweit vom klassischen Punk entfernt war und eher als Grundsteinleger des New Wave bezeichnet werden könnte.

Geboten wurde eine Mischung aus Reggae, Ska, Pop, Soul und Rock'n'Roll. Damit änderte The Clash das musikalische Konzept gegenüber den Vorgängeralben. Inhaltlich griffen sie immer noch heiße Eisen an, es ging um Arbeitslosigkeit, Drogen, Rassismus und ähnlich schwerwiegenden Themen. Das Konzept ging auf, denn London Calling war sehr erfolgreich. Weltweit hat es sich wahrscheinlich über zwei Millionen mal verkauft. Von der Kritik gab es praktisch nur Höchstbewertungen für das Album, die Fans waren auch zufrieden. Vor allem mit der Preispolitik konnte man damals leben. Das Album kam (gegen den Willen der Plattenfirma) als eine Art Doppel-LP heraus, man musste aber nur den Preis für eine einfache LP zahlen, weil die Band es so wollte.

Nun bietet die Band mit London Calling schon jede Menge Songs an. Aber aus meiner Sicht stellt das auch ein gewisses Problem dar, weil The Clash kein gleichbleibend hohes Niveau halten kann.

Gut gelungen ist der Titeltrack London Calling. Inhaltlich geht es in erster Linie um Arbeitslosigkeit, Rassismus und Drogenprobleme in England. Stilstisch handelt es sich um einen ein typischen New Wave Song mit leichtem Reggaeeinschlag. Der Song hat sicherlich das Zeug zum Klassiker des Post-Punk. Spanish Bombs bezieht sich auf Anschläge von Terroristen in Spanien und in Irland. Für viele stellt dieser Song, in seiner Symbiose aus nachdenklichem Text und energischer Musik, eines der Highlights des Album dar. The Guns of Brixton war der erste Song, den Paul Simonon sowohl komponierte als auch sang. Der wavige Reggae gefällt mir persönlich sehr gut. Brand New Cadillac stammt im Original von Vince Taylor. Die Band nahm den Song mit aufs Album, weil es nach ihrer Meinung der erste wirkliche Rock'n'Roll Song aus England war. Musikalisch härter als das Original, schafft die Band eine gelungene Coverversion.

Danach flacht das Album aber dann doch stark ab. Jimmy Jazz mit seinem Mix aus Buddy Holly und Jazzblues klingt nett, aber nicht mitreissend. Hateful erinnert an alte Punkzeiten, allerdings klingt das manchmal eher wie ein moderater Folkpunk. Clampdown war ursprünglich als Instrumentaltrack gedacht, erhielt später aber noch Text.

Dazu kommen dann einige Songs, die mit Bläsersektionen mehr oder weniger üppig instrumentiert wurden und einen Mix aus Pop, Soul, Reggae und stellenweise Ska darstellen (z. B. Rudie Can't Fail, The Right Profile, Wrong ‚em Boyo, Koka Kola oder Revolution Rock). Ähnlich gelagert, aber viel dünner im Sound und stärker Richtung Motown geht Love In Vain.

Ebenfalls weniger überzeugend wirken auf mich die Songs, die in Richtung Pub-Rock gehen bzw. stellenweise auch Glamrock und 60's Rock streifen. Fast schon unangenehm pop-orientiert wirken Lost In The Supermarket und Lover's Rock, dazu kommt noch die schwülstige Nummer The Card Cheat.

London Calling ist sicherlich ein wichtiges Album von The Clash. Aber aus meiner Sicht sind das fast ein paar Songs zuviel, denn The Clash kann zu keinem Zeitpunkt ein gleichbleibend hohes Niveau anbieten. Dabei sind die Grundideen nicht schlecht. Außerdem legte die Band mit London Calling einen der Grundsteine der Post-Punk bzw. New-Wave Ära vor und die Einflüsse aus Reggae und Ska klingen interessant. Sehr überraschend wirkt der häufige Einsatz von Bläsersektionen. Aber neben guten Songs wie London Calling, Brand New Cadillac, Spanish Bombs oder The Guns Of Brixton gibt es auch ein paar weniger starke Songs und leider auch unnötige Songs. Das mindert, nach meinem Geschmack, den Genuss des Albums doch enorm und dann kommt auch schon mal Langeweile auf. Aufgrund der wenigen Highlights ist das Album aus meiner Sicht noch ordentlich, aber nicht mehr. Stilistisch muss man es dagegen sicherlich zu den Meilensteinen des Rock zählen, obwohl zu der Zeit schon andere gleichwertige/bessere Bands mit einer Mixtur aus punkigem Material und Reggae auf dem Markt waren.

Trackliste

  1. London Calling - 3:19
  2. Brand New Cadillac (Vince Taylor) - 2:09
  3. Jimmy Jazz - 3:51
  4. Hateful - 2:47
  5. Rudie Can't Fail - 3:26
  6. Spanish Bombs - 3:18
  7. The Right Profile - 4:00
  8. Lost in the Supermarket - 3:47
  9. Clampdown - 3:50
  10. The Guns of Brixton (Paul Simonon) - 3:07
  11. Wrong 'Em Boyo (Clive Alphonso) - 3:10
  12. Death or Glory - 3:55
  13. Koka Kola - 1:45
  14. The Card Cheat (Jones, Strummer, Simonon, Topper Headon) - 3:51
  15. Lover's Rock - 4:01
  16. Four Horsemen - 3:00
  17. I'm Not Down - 3:00
  18. Revolution Rock (Jackie Edwards, Danny Ray) - 5:37
  19. Train in Vain - 3:11
25th Anniversary Legacy Edition bonus disc
  1. Hateful - 3:23
  2. Rudie Can't Fail - 3:08
  3. Paul's Tune (Paul Simonon) - 2:32
  4. I'm Not Down - 3:24
  5. 4 Horsemen - 2:45
  6. Koka Kola, Advertising & Cocaine - 1:57
  7. Death or Glory - 3:47
  8. Lover's Rock - 3:45
  9. Lonesome Me (The Clash) - 2:09
  10. The Police Walked in 4 Jazz - 2:19
  11. Lost in the Supermarket - 3:52
  12. Up-Toon (Instrumental) - 1:57
  13. Walking the Slidewalk (The Clash) - 2:34
  14. Where You Gonna Go (Soweto) (The Clash) - 4:05
  15. The Man in Me (Bob Dylan) - 3:57
  16. Remote Control - 2:39
  17. Working and Waiting - 4:11
  18. Heart & Mind (The Clash) - 4:27
  19. Brand New Cadillac (Vince Taylor) - 2:08
  20. London Calling - 4:26
  21. Revolution Rock (J. Edwards, D. Ray) - 3:51

Rezensent: MP