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Albumbesprechung

Interpret: White Lightnin'

Titel: White Lightnin'

Erscheinungsjahr: 1975

Genre: Funk Rock, Classic Rock

Bewertung: 7 von 10  (7/10)

 

Rezension/Review

White Lightnin’ ist der Titel eines Albums der gleichnamigen Band White Lightnin’. Das Album wurde 1975 auf Island Records veröffentlicht.

Um Verwechslungen zu vermeiden: zur gleichen Zeit gab es meines Wissens eine Band namens White Lightning aus Minnesota (Schreibweise mit g am Ende), die Band mit dem Apostroph am Ende kam aus der Gegend um Gary in Indiana. Die Brüder Donald Kinsey (Gitarre, Gesang) und Ralph Kinsey (Drums, Gesang) wurden in Gary geboren. Ihr Vater Big Daddy Kinsey war Bluesmusiker, die Brüder spielten auch in der Band des Vaters. Donald wurde bald als „B.B. King jr.“ bezeichnet und erhielt schon in jungen Jahren ein Angebot eines anderen großen Blues-King, nämlich Albert King. Dort spielte er als Gitarrist und wurden im Verlauf der Zeit so etwas wie der Bandleader in Kings Truppe. Nach drei Jahren wollte Donald sein eigenes Ding machen, daraus entstand die Band White Lightnin’ mit seinem Bruder Ralph und Mike ‚Buster Cherry‘ Jones (Bass, Gesang). Das Trio nahm ein Demotape auf, ging nach New York und erhielt einen Vertrag beim damals noch jungen Indie-Label Island Records.

White Lightnin' spielten ihr Material ein und tourten intensiv. Auch wenn sich das Album nicht extrem gut verkaufte, lief es ansonsten nach Donalds Erinnerung sehr gut. Die Band hatte aber mit den typischen Problemen einer jungen Band zu kämpfen – konkret: die jungen Musiker wurden mehr oder weniger verheizt. Donald Kinsey machte das in einem späteren Interview vor allem an der Person Gary Kurfirst fest. Er wurde ihnen als Manager an die Seite gestellt und schickte sie auf Tour u. a. mit ZZ Top, Black Oak oder Aerosmith. Das Trio spielte sich die Hacken ab, hatte aber selten genug Geld in der Tasche. Die Brüder Kinsey zogen die Reißleine, das Kapitel White Lightnin’ war nach knapp einem Jahr erledigt.

Soweit zur Historie, nun zum Album. Das wurde mit einem gewissen Aufwand realisiert, immerhin produzierte Felix Pappalardi und George Marino masterte das Album. Beide sollten dem geneigten Classic-Rock Fan bekannt sein.

Die Songs

Joke’s On You eröffnet das Album schwungvoll und mit ordentlichem Groove. Zur groben Orientierung: wer die späten Mothers Finest mochte, sollte diesen Track schätzen können.

Without You klingt anders, hat weniger mit Funk-Rock zu tun als vielmehr mit einer zeittypischen balladesken Rocknummer im Stil von James Gang oder Humble Pie.

Bloody Tears (geschrieben vom Vater Big Daddy) bietet über einen klassischen Blues-Rock Riff erneut eine Prise Funk, im Grund nähert sich die Band einem Sound, der manchmal an die Allman Brothers erinnert.

Return To The Undergound führt über ein verzerrtes Bass-Lick erneut in eine Art Funk-Rock. Ich würde von härterem funky Classic-Rock sprechen, es erinnert tatsächlich an das, was Lenny Kravitz später präsentierte.

Wild In The Streets stammt aus der Feder von Garland Jeffreys, was einen auf eine falsche Fährte (gemäßigter Reggae im Stil von ‚Matador‘ z.B.) führen könnte. Hier geht es eher Richtung Stones, diesen Kurs hält die Band musikalisch auch mit dem folgenden Shotgun Rider.

Einmal etwas von allem gibt es auf T in Trouble, wenn man so will Mainstream Rock plus funky Groove. Der Groovefaktor wird auf Danger erhöht und man erhält einen prächtigen Funk-Rocksong.

That’s No Lie schlägt erneut eine etwas anderes Seite auf, die Band spielt aus meiner Sicht im Grenzbereich zum Southern Rock und diese Drift wird abschließend mit Young Blood in etwa gehalten, allerdings mit etwas härterem Groove im Stil von Joe Walsh/James Gang.

Fazit White Lightnin’ legten mit ihrem einzigen Album etwas vor, was man zunächst einmal pauschal dem Classic-Rock zuordnen kann. Es gibt Funk-Rock, oft mit einer gewissen Härte. Man bedient das eine oder andere Blues-/Rockklischee (Stones, Humble Pie, James Gang…) und nähert sich auch dem Southern Rock. Vielleicht hätte die Band ihren Stil klarer definieren und z. B. die Funk-Rock Sache stärker ins Zentrum rücken sollen. So oder so hätte diese Band mehr Erfolg verdient gehabt und daher würde ich als Album auch als ein Hidden Gem bezeichnen.


Trackliste
  1. Joke’s On You 3.53
  2. Without You 5.12
  3. Bloody Tears 3.22
  4. Return To The Underground 4.54
  5. Wild In The Streets 2.51
  6. Shotgun Rider 3.53
  7. T In Trouble 3.28
  8. Danger 2.33
  9. That’s No Lie 3.05
  10. Young Blood 3.38

Rezensent: MP