Albumbesprechung Achim Reichel - Regenballade
Interpret: Achim Reichel
Titel: Regenballade
Erscheinungsjahr: 1978
Genre: Folk-Rock, Rock
Bewertung:
Regenballade ist der Titel eines Albums von Achim Reichel. Das Album erschien im Jahr 1978.
Nach den Alben Dat Shanty Alb’m und Klabautermann mit rockigen Seemannsliedern konzentrierte sich Reichel mit Regenballade auf deutsche Lyrik im weiteren Sinn: Goethe, Fontane, Liliencron, Ernst und Seidel. Dass sich Deutsche Bands auf Deutsche Klassiker bezogen, war nicht ganz neu (Hölderlin, Novalis…), aber Regenballade war doch etwas anders. Ein Rockmusiker vertont Texte, welche früher den Schüler in der Regel zur Verzweiflung gebracht hat. So etwas kann nach hinten losgehen, bei Reichel jedoch wurde es sogar pädagogisch wertvoll. Immerhin wurde sein Album später in Schulen als Unterrichtsmedium genutzt, außerdem gab es für diese Anstrengung den Deutschen Kritikerpreis.
Reichel beschritt auf der oft so genannten Trilogie den Weg vom Shanty und vom Maritimen hin zur lyrischen Ballade. Dabei gab es Schnittstellen, Reichel meinte dazu:
Für mich repräsentiert die Scheibe die Geburtsstunde einer neuen Erzählform von Balladen, nach der klassischen oder romantischen Form des Liedvortrages. Ich orientierte mich dabei eher an der Tradition mittelalterlicher Barden, die in der Musik ihrer Zeit Begebenheiten und Geschichten erzählten. Mir war daran gelegen, eine Form moderner Deutscher Volksmusik zu (er)finden.
Die Songs
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland ist eine Ballade von Theodor Fontane aus dem Jahr 1889 und diese Vertonung Reichels war und ist für mich hervorragend gelungen. Die Nummer hat einfach 'Schmiss' und ist ein prächtiger Auftakt.
Pedder Lüng (auch Pidder Lüng oder Pidder Lyng) ist eine Ballade von Detlev von Liliencron aus dem Jahr 1892, sie erzählt vom kampf eines Fischers aus Sylt gegen die 'Dänen' und soll den Freiheitsdrang der Friesen mit dem markanten Lieber tot als Sklave (Lewer duad üs Slaav) verdeutlichen. Reichel setzt den Song um mit einer Prise Rock'n'Roll und bringt damit und mit seinem Gesang den 'Widerstand' gut zum Ausdruck.
Een Boot ist noch buten stammt von Arno Holz aus dem Jahr 1886 und wird stimmungsvoll in Szene gesetzt, ein schöner Folk-Rocksong.
Die Regenballade von Ina Seidel bekommt auch musikalisch ein balladeskes Gewand, erneut mit einer Prise Folk.
Der Zauberlehrling dürfte vielen Schülern als Werk von Goethe bekannt sein. Reichel geht musikalisch einen anderen Weg - viele Soundeffekte, darunter einen treibenden Discobass. Klassischer Deutschrock trifft auf NDW oder so ähnlich.
Nis Randers von Otto Ernst wird getragen von einem relativ klassischen Country Gitarrenriff und einem einfachen Drumbeat. Darüber erzählt Reichel seine Story.
Trutz Blanke Hans von Liliencron setzt Reichel zunächst ähnlich einer Moritat um, so würde ich es spontan zumindest sagen. Danach rockt er moderat los.
Der Fischer von Goethe hört sich für mich symphonisch an, der Beginn erinnert mich zumindest etwas an klassischen Deutschen Symphonischen Rock. Ein subtil komplexer Abschluss des Originalalbums
Regenballade bildet wie erwähnt den Abschluss einer Trilogie - so wurde es zumindest in der
Fachpresse gesehen. Das fing an beim Shanty Alb'm, führte über den Klaubautermann hin zur
Regenballade. Damit befinden wir uns in einer für Reichel sehr erfolgreichen Phase, zumindest
wurden diese drei Alben von Rezensenten in der Regel sehr gut bewertet und die Verkaufszahlen der LPs
waren meines Wissens recht gut. Reichel hat da schon früh ein 'musikalisches Fass' aufgemacht,
welches bis heute gerne bedient wird. In dieser Hinsicht muss man Reichel durchaus als einen
Pionier betrachten, er hatte sich damals an ein wenig bearbeitetes Feld gewagt und konnte
damit überzeugen. Welches der drei Alben das beste ist, muss individuell entschieden werden.
Ich persönlich würde tatsächlich Regenballade um eine 'Nasenlänge' voraus sehen.
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Trackliste
- Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
- Pedder Lüng
- Een Boot is noch buten
- Regenballade
- Der Zauberlehrling
- Nis Randers
- Trutz Blanke Hans
- Der Fischer
- BONUS: John Maynard
- BONUS: Das Meerweib
Rezensent: MP