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Albumbesprechung Gravy Train - (A Ballad Of) A Peaceful Man

Interpret: Gravy Train

Titel: (A Ballad Of) A Peaceful Man

Erscheinungsjahr: 1971

Genre: Prog-Rock, Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

(A Ballad of) A Peaceful Man ist der Titel des zweiten Albums der britischen Band Gravy Tain. Veröffentlicht wurde das Album Ende 1971.

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen bestand die Band in der "Urformation" mit Norman Barratt (Gitarre, Gesang), J.D. Hughes (Keyboards, Gesang), Lester Williams (Bass, Gesang) und Barry Davenport (Schlagzeug). Hauptsongwriter Barratt hatte eine Vorliebe für Beatles Harmonien, Drummer Davenport war stark vom Jazz beeinflusst und brachte von da eine Vorliebe u. a. für Odd Meters mit. Dazu kamen Einflüsse des klassischen Rock. Diesen Querschnitt konnte man auf dem Debütalbum mit seinen "Ecken und Kanten" noch gut vernehmen, auf der Ballade des Peaceful Man setzte sich aber Barratt stärker durch. Auf diesem Album schlägt sich das hörbar nieder: Seite 1 war vergleichsweise soft und balladesk gehalten, auf Seite 2 wurde es etwas rockiger.

Vor allem die ruhigere Seite 1 dürfte den klassischen Progfan gut erreichen. Sie wirkt wie ein kleines Konzeptwerk mit einer symphonischen Note a la Camel und Barclay James Harvest, aber auch mit etwas Pomp im Stil z. B. der Moody Blues. Das ist ordentlich gemacht, allerdings empfinde ich den doch kräftigen Leadgesang hier oft als eher störend. Außerdem muss man auch konstatieren, dass nach dem Hören der Seite im Grund wenig so richtig im Ohr hängenbleibt.

Für meinen Geschmack steigt der Genuss mit dem Opener der damaligen zweiten LP-Seite. Messenger groovt locker rockig, so wie es die vorgenannten Camel auch immer mal wieder machten. Ebenso fühle ich mich aber auch an Sounds von Bo Hansson erinnert. Warum das so ist, kann ich nicht einmal erklären. Interessant ist es allemal. Dazu kommt ein softerer Mellotronlastiger Teil und danach läutet die Band mit einem bluesigen Gitarrensolo scheinbar einen Stilwechsel ein.

Can Anybody Hear Me rockt tatsächlich vergleichsweise trocken und moderat hart. Für mich hört es sich an wie ein Mix aus Jethro Tull und Slade. Hier passt auch der Leadgesang besser ins Konzept. Old Tin Box groovt mit mittlerer Härte und erinnert in den instrumentalen Parts an Sounds des Canterbury. Auch hier habe ich gewisse Probleme mit dem Gesang bzw. genauer den Gesangsharmonien, die manchmal wie eine unglückliche Uriah Heep Kopie wirken.

Interessant ist der härter rockende Song Won't Talk About It, der sich wie ein Mix aus Spooky Tooth und Jethro Tull anhört. Den Abschluss bildet das psychedelisch angehauchte Home Again, welches mich persönlich mit seiner Stimmung und der interessanten Rhythmik anspricht.

Fazit Mit der Ballad Of A Peaceful Man legten Gravy Train ein schönes Album vor, welches man im Nachhinein auch als Hidden Gem handeln könnte. Die Band hatte damals nicht die Klasse, um es in die so genannte erste Liga zu schaffen, aber sie hätte in jedem Fall mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Die häufig gepriesene erste Albumseite ist eine nette Sache, die man sich in einem Durchgang anhören kann - von der am Ende aber nicht sehr viel hängen bleibt. Abwechslungsreicher und daher m. E. interessanter ist Seite 2, die nicht nur gut rockt, sondern für den Progfan manches Schmankerl bereithält. Im Übrigen empfinde ich den kräftigen Leadgesang hier als passender. Aber das ist natürlich Geschmackssache, ebenso wie meine Einschätzung, dass die Uriah Heep Anleihen verzichtbar gewesen wären. Ungeachtet dessen überwiegen die Stärken, sodass dieses Album das Prädikat Hidden Gem verdient.

Trackliste

  1. Alone in Georgia 4:35
  2. (A Ballad of) A Peaceful Man 7:06
  3. Jule's Delight 6:58
  4. Messenger 5:58
  5. Can Anybody Hear Me 2:59
  6. Old Tin Box 4:45
  7. Won't Talk about It 3:00
  8. Home Again 3:25

Rezensent: MP