Beachten Sie bitte vor Nutzung der Webseite die Datenschutzerklärung. Mit Nutzung der Webseite akzeptieren Sie diese.

Albumbesprechung Kate Bush - Hounds Of Love

Interpret: Kate Bush

Titel: Hounds Of Love

Erscheinungsjahr: 1985

Genre: Art-Pop, Singer Songwriter

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Hounds Of Love ist das fünfte Studioalbum von Kate Bush. Veröffentlicht wurde das Album offiziell am 16. September 1985.

Für Kate Bush Fans ging damit eine lange Leidenszeit zu Ende, denn das letzte Album The Dreaming war schon 1982 erschienen. Aufgrund der mäßigen Kritiken und der enttäuschenden Reaktion der Plattenfirma hatte sich Kate Bush eine Auszeit gegönnt. Nun meldete sie sich zurück und das mit Nachdruck. Die Singleauskopplung Running Up That Hill entwickelte sich zu einem ihrer größten Hits, weitere Auskopplungen wie Cloudbusting, Hounds Of Love und The Big Sky liefen ebenfalls exzellent. Die Kritiken zum Album waren bei Veröffentlichung sehr gut, nicht selten wird Hounds Of Love sogar zu den Meilensteinen der Popmusik gezählt. Das Album erreichte in Großbritannien Rang 1 der Album-Charts, in den USA gelang erstmals der Sprung in die Top 40 der Billboard 200.

Etwas zur Entstehung des Albums

Kate Bush beschrieb ihren Zustand nach Release von The Dreaming einmal als 'Limbo', man könnte das zurückhaltend als Schwebezustand bezeichnen. Sie brauchte nach eigenen Aussagen vier bis fünf Monate, bis sie wieder Songs schreiben konnte. Die Zeit nutzte sie, um einfach mit ihrem Freund und der Familie Zeit zu verbringen. Außerdem baute sie sich auf dem elterlichen Gelände ein 48-Spur Studio auf. Mit den ersten Aufnahmen für Hounds Of Love begann Kate Bush im Januar 1984.

Eine Besonderheit war der Aufbau des Albums. Kate Bush produzierte zwei relativ unabhängige Seiten: Seite 1 als Hounds Of Love mit losen Songs, welche sozuagen für den 'Mainstream' gedacht waren d. h. vor allem als mögliche Auskopplungen dienen sollten. Seite 2 wurde als Suite The Ninth Wave produziert, sozusagen eine Konzeptseite.

Am 5. August 1985 stellte Kate Bush den Song Running Up That Hill bei BBC1 vor. Die Single schaffte es sofort auf Rang 9 und erreicht kurz danach Rang 3 der Charts. Knapp einen Monat später gab es eine Launch Party, das Album wurde schließlich am 16. September 1985 offiziell vorgestellt und erreichte praktisch aus dem Stand Rang 1 der Charts.

Die Songs

Die erste Seite wurde wie erwähnt bewusst so konzipiert, dass jeder Track als Singleauskopplung taugte. Auch wenn Kate damit lose Einzeltracks produzierte, wirkte schon die damalige A-Seite wie aus einem Guss und bot Popmusik höchster Güte.

Running Up that Hill eröffnet den Reigen. Kate schrieb ihn als einen der ersten Songs für das Album an einem Sommerabend 1983. Die Drumprogrammierung stammte von Del Palmer, später spielte Stuart Elliott zusätzlich Drums ein. Der Untertitel A Deal With God war der eigentliche Arbeitstitel, unter dem der Song entstand. Ein Song über Liebe und ihre Kraft, über Unsicherheiten und die Rolle von Mann und Frau an sich.

Hounds Of Love wurde im Februar 1986 als dritte Single ausgekoppelt. Es geht erneut um die Liebe, konkret um die Angst vor Verletzung und Schmerz, anstatt das Gute der Liebe zu fühlen. Bush stellt die These auf, dass Hingabe für viele Menschen eine Angst erzeugt, welche sie hier konkret damit vergleicht, dass man sich von einer Hundemeute verfolgt sieht. Man müsste eigentlich nur erkennen, dass die Hunde einem freundlich gesinnt seien. Der Song an sich hat eine positive und schöne Stimmung mit gutem Rhythmus und starkem Einsatz von Streicherarrangements.

The Big Sky wurde als vierte und letzte Single im April 1986 veröffentlicht. Im Song geht es darum, dass es vielen Erwachsenen schwerfällt, sich einfach einmal wie ein Kind zu fühlen. Sie nennt als ein Beispiel, einfach einen Nachmittag damit zu verbringen in den Himmel zu schauen und die Wolken bzw. deren Formationen zu beobachten. Musikalisch wollte sie einen leichten Song mit Rock'n'Roll Attitüde, was ihr nach eigenen Aussagen mehr Probleme bereitete als angenommen.

Mother Stands for Comfort weist den ungewöhnlichsten Aufbau auf. Ein karger Drumbeat mit Bassdrum und Snare, darüber Piano und Kontrabass (Eberhard Weber) und einige Synthtupfer und Samples vom Fairlight. Für Kate Bush die passende Instrumentierung zum Thema: die bedingungslose Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn, der ein Mörder ist.

Cloudbusting war die zweite Singleauskopplung des Albums. Es beschreibt die Beziehung des Psychologen Wilhelm Reich zu seinem Sohn Peter auf Basis von Peter Reichs Book Of Dreams. Hauptsächlich geht es darum, wie beide den von Reich entwickelten Cloudbuster testeten und darüber hinaus die Phase, in der Reich durch Inhaftierung nicht mehr für Peter greifbar war. Kate Bush nahm Kontakt zu Peter Reich auf, teilte ihm mit dass sie den Song aufgenommen hatte und dass sie hoffe, er möge den Song - was Peter Reich später eindeutig bejahte. Kein Wunder, denn der Song hat eine wunderbare Tiefe und geht damit angenehm unter die Haut.

Die B-Seite enthält die Ninth Wave Suite. Es beschreibt die Erlebnisse einer schiffbrüchigen Frau, die eine Nacht im Wasser treibt und sich sozusagen in Träumen verliert. Eröffnet wird die Suite mit der Pianoballade And Dream Of Sheep. Es geht um die Gefühle der Frau, sich gegen den drohenden Schlaf zu behaupten. Das gelingt ihr nicht und damit geht es über in den Track Under Ice. Ein mystischer Track, mehr oder weniger nur mit Gesang und Synthesizersounds.

Die im Wasser Treibende befindet sich mittlerweile in einer Art Traum bzw. zwischen Leben und Tod. Die Witches versuchen sie mit dem Wake Up Ruf zu wecken, damit sie ihre Kräfte mobilisieren kann. Bush verbindet die Witch-Story mit der Geschichte der Hexenjagd. Eine eigentlich gute 'Hexe' wird, obwohl unschuldig, vom Hexenjäger verfolgt. Die Hexe nimmt sozusagen den Charakter der Ertinkenden an, die gegen den Verfolger (Schlaf) ankämpft. Der Track an sich entwickelt sich zum Musiktheater. Überragend.

Watching You Without Me beginnt interessant mit einem sparsamen Beat aus der Dose und Synth-Sounds. Wäre da nicht der Gesang von Kate Bush, könnte man es zunächst für einen OMD Song halten. Die Protagonistin ist in einer Phase, in der sich der Geist wie zuhause fühlt - altbekannte Gesichter erscheinen und scheinen auf sie zu warten. Indes kann der Kontakt nicht zustande kommen, da die Wartenden die Person nicht sehen und hören können. Die Story hellt sich musikalisch auf mit dem fast fröhlichen Jig Of Life. Die Story nähert sich dem Ende, die Ertrinkende erkennt sich selbst und spürt, dass das Leben auf sie wartet.

Die Blickweise ändert sich mit Hello Earth, der Blickwinkel geht von oben auf die Erde und soll mutmaßlich die Erlösung andeuten. Bush zitiert am Ende etwas Deutsches (vermutlich in Zusammenhang mit dem Chant, den sie auf dem Soundtrack zum Werner Herzog Film Nosferatu hörte). Der Song an sich ist erneut sparsam instrumentiert und etwas melancholisch, dazu kommen einmal mehr einige brillante Ideen wie z. B. die Chant-Sektion und wuchtiger Chorgesang der Richard Hickox Singers.

The Morning Fog beendet die Suite locker, fast scheint es als wolle Bush versöhnen bzw. selbst eine Aussöhnung. Der Morgennebel weicht dem Tageslicht, die Dunkelheit schwindet, das Leben erwacht. Musikalisch schön umgesetzt mit einigen Passagen, die mich etwas an Oldfield erinnern.

Fazit Hounds of Love ist ein Machwerk, welches sowohl als 'radiotaugliche' A-Seite und als etwas komplexere Suitenartige B-Seite gleichermaßen gut konsumierbar ist. Auf beiden Seiten zeigt Bush ihr überragendes Talent als Schöpferin kunstvoller Popmusik. Brillantes Album, zurecht in den meisten Best Of Listing für 1985 enthalten bzw. in einigen Meilenstein Listings.

Trackliste

Seite 1 - Hounds Of Love

  1. Running Up That Hill (A Deal with God) 5:03
  2. Hounds of Love 3:02
  3. The Big Sky 4:41
  4. Mother Stands for Comfort 3:07
  5. Cloudbusting 5:10

Seite 2 - The Ninth Wave

  1. And Dream of Sheep 2:45
  2. Under Ice 2:21
  3. Waking the Witch 4:18
  4. Watching You Without Me 4:06
  5. Jig of Life 4:04
  6. Hello Earth 6:13
  7. The Morning Fog 2:34

Alle Songs Kate Bush

Rezensent: MP