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Albumbesprechung Birtha - Birtha

Interpret: Birtha

Titel: Birtha

Erscheinungsjahr: 1972

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Birtha war das selbstbetitelte Debütalbum der US-Band Birtha. Das Album erschien im Jahr 1972 und war, nach meinem Kenntnisstand, nur moderat erfolgreich.

Schade, denn Birtha legten nicht nur ein gelungenes Album vor, die Band war zudem zu der Zeit als eine All Girls Band eine echte Besonderheit und konnte mit ihrem Output locker mit den damals übermächtigen männlichen Kollegen mithalten. Birtha waren Shele Pinizzotto (Gitarre, †2014), Rosemary Butler (Bass), Sherry Hagler (Keyboards) und Olivia "Liver" Favela (Schlagzeug). Alle vier steuerten auf den Aufnahmen sowohl Lead- als auch Harmoniegesang bei. Produziert wurden Birtha von Gabriel Mekler, der sich zuvor schon als Produzent z. B. von Steppenwolf einen Namen gemacht hatte.

Wie erwähnt war das Album kommerziell nicht besonders erfolgreich, auch im Nachgang konnte die Band nie den Bekanntheitsgrad der zeitgleich aktiven Band Fanny erreichen. Nach dem zweiten Album 1973 wurde von Seiten des Labels der Vertrag aufgelöst, Birtha lösten sich 1975 auf. Schade, denn die Band hatte (in Anspielung an den damaligen etwas verunglückten Slogan für Birtha…) 'Balls'.

Die Songs

Zu hören ist das gleich einmal auf dem von Pinizzotto geschriebenen Opener Free Spirit. Der als Single ausgekoppelte Track groovt mit guter Härte überzeugend. Inhaltlich geht es um eine damals typische Beziehung mit autoritärem Mann und einer zunächst noch devoten Frau, die jedoch irgendwann ihren Wert erkennt und ihren 'Geist' befreit. Sängerin auf dem Track war mutmaßlich Favela.

Fine Talking Man rockt etwas schleppender und ist am Ende schwer zu beschreiben - der Song hat Kraft, hat Funk und Soul. Der Gesang von Butler ist überragend, erinnert durchaus an Janis Joplin.

Tuesday ist ein Bluesorientierter Track auf Basis eines Diddley ähnlichen Gitarrenriffs. Im Grund ein zeittypischer Song des härteren bluesigen Rock.

Feeling Lonely ist ein Mix aus soulig-gospeliger Ballade und kräftig rockenden Teilen. Es geht um eine Frau, die das Herz eines Mannes brach und nun eben im Feeling Lonely 'den Preis bezahlen muss'. Ein für damalige Verhältnisse mutiges Statement, in der die Frau über Ende einer Beziehung bestimmt und dafür auch die Verantwortung trägt.

She Was Good To Me von Pinzzotto ist eine Ballade, ganz anders als alles bislang auf dem Album gehörte. Leicht schwülstig, irgendwie mit einer leichten Carpenters Note. Mutmaßlich wurde der Track von Pinizzotto selbst gesungen und war als Ode an ihre Mutter gedacht.

Die damalige zweite Seite wird mit dem Pinizzotto Song Work On A Dream eröffnet und erneut legt die Band ein wahres Groovemonster vor. Der Song rockt wunderbar hart mit überragendem Solo- und Harmoniegesang.

Too much Woman (For A Hen Pecked Man) haut im Grund in die selbe Kerbe, ein fantastisch groovender soulig rockender Track, der das Heranwachsen unter ungnädigen Eltern beschreibt und eine gewisse Wut darüber nicht verleugnet.

Judgement Day ist ein weiterer Beleg dafür, dass Birtha ohne Problem in der Männerdomäne Rock bestehen konnte. Erneut ein angenehm harter Rocksong, der im Instrumentalteil die Rhythmik der Vorgängersongs aufnimmt und vor allem die überragende Drummerin Favela feautured - vielleicht die beste singende Drummerin oder auch drummende Sängerin aller Zeiten.

Forgotten Soul ist ein stimmiger Soul Blues mit einem genialen, wenngleich stellenweise melodramatischen Gesangsintro. Was ruhig beginnt, entwickelt sich zu einem vergleichsweise bleischweren Rocksong mit einer gefühlten Nähe zum Thema von Demon's Eye.

Fazit

Birtha legten mit ihrem Debütalbum eine echte Messlatte für den Bereich All Girls Rockband vor. So etwas hatte es zuvor nicht gegeben und danach selten. Schade, dass es die Band damals nicht packte. Das lag weniger an der Musik, als am verunglückten Marketing der Band. Der Slogan 'Birtha Has Balls' hat natürlich einen Kultfaktor, war aber überflüssig. Dass sie Balls hatten, bewiesen Birtha ohne Slogan auf dem Album von der ersten Minute bis zum Ende. Ich würde sagen, dass Birtha im Vergleich zu Fanny musikalisch noch überzeugender waren, aber letztlich fehlte es am Erfolg. Wie gesagt sehr schade, aber immerhin hinterließen Birtha mit ihrem Debüt eine echte Hausnummer des härteren US-Rock der 70s. Classic Rock Fans sollten dieses Album kennen.

Trackliste

  1. Free Spirit (Pinizzotto) 2:49
  2. Fine Talking Man (Butler, Pinizzotto, Hagler) 5:55
  3. Tuesday (Wickham, Butler) 3:23
  4. Feeling Lonely (Butler) 4:22
  5. She Was Good To Me (Pinizzotto) 2:21
  6. Work On A Dream (Pinizzotto) 2:51
  7. Too Much Woman (For A Hen Pecked Man) (Turner) 3:57
  8. Judgement Day (Vegas) 6:00
  9. Forgotten Soul (Mekler, Favela) 5:00

Rezensent: MP