Beachten Sie bitte vor Nutzung der Webseite die Datenschutzerklärung. Mit Nutzung der Webseite akzeptieren Sie diese.

Albumbesprechung Rick Wakeman - The Six Wives Of Henry VIII

Interpret: Rick Wakeman

Titel: The Six Wives Of Henry VIII

Erscheinungsjahr: 1973

Genre: Progressive Rock, Klassik-Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

The Six Wives of Henry VIII ist der Titel des Debütalbums von Rick Wakeman. Das Album erschien im Jahr 1973.

Das mit dem Debüt ist umstritten, es gibt ein Album namens Piano Vibrations aus dem Jahr 1971. Allerdings bezeichnet Wakeman selbst Piano Vibrations nicht als Wakeman Solo-Album. Also wäre lt. Wakeman The Six Wives Of Henry VIII sein Debütalbum. Dabei kann es auch belassen.

Wakeman war 1973 ohnehin schon ein gesetzter Name, er hatte sich seine Meriten vor allem als Keyboarder der Prog-Supergroup Yes verdient. Auf einer Yes Konzerttour durch die USA befasste sich Wakeman nach eigenen Aussagen u. a. mit Literatur zum Thema Heinrich VIII, bei einem Kapitel über Anne Boleyn kam ihm ein musikalisches Thema in den Sinn, welches er einmal aufnahm. Damit schloss sich für ihn ein Kreis - er hatte die Musik, es fehlte bislang ein passendes Thema. Ein Werk über die sechs Frauen des umtriebigen Heinrich schien Sinn zu machen, Wakeman wollte sozusagen jede der Damen musikalisch beschreiben.

Wakeman ließ nichts anbrennen. Er ging an ein Konzeptalbum, die Produktion dauerte acht Monate, die Gesamtkosten beliefen sich am Ende auf angeblich ca. 25.000£. Wakeman schrieb alles selbst, er produzierte und spielte alle Keyboards ein. Davon abgesehen, dass Wakeman sozusagen alles mögliche aus dem Tastenbereich abdeckte, holte er sich hochkarätige Musiker zum Projekt. Mit dabei waren z. B. Drummer/Percussionisten wie Alan White, Frank Ricotti, Bill Bruford, Ray Cooper, Barry de Souza, die Gitarristen Dave Cousins, Mike Egan, Steve Howe und Dave Lambert, Bassisten wie Chris Squire, Dave Winter, Chas Cronk oder Les Hurdle sowie SängerInnen wie Laura Lee, Sylvia McNeill, Judy Powell, Barry St. John, Liza Strike

Das Konzept ging in jeder Form auf. The Six Wives Of Henry VIII wird heute als eines der besten Wakeman Alben überhaupt betrachtet und gehört zu den wichtigen Alben der progressiven Rockmusik. Auch kommerziell muss man das Album als einen Riesenerfolg bezeichnen. Im UK erreichte Wakeman Rang 7 der Charts, in den USA Rang 30. Man geht davon aus, dass sich das Album mittlerweile über 15 Mio. mal weltweit verkauft hat.

Die Songs

Catherine of Aragon baut auf dem für ein Yes Album konzipierten Handle With Care auf. Ein vergleichsweise kurzer Song zu Beginn, der in unterhaltsamer Form alles enthielt, was das Progherz damals begehrte.

Anne Of Cleves würde ich als hochklassigen Prog mit einer gewissen jazzrockigen Ausrichtung beschreiben. Manchmal klingt es etwas nach Camel, Wakeman lässt sich den Spaß nicht nehmen, musikalische Themen z. B. von den Hollies und Rafael Hernandez zu zitieren.

Catherine Howard ist, alles in allem, Pianolastiger. Hier kommt durchaus eine Folknote auf, ebenso hat es immer eine starke klassische Ausrichtung - Wakeman zitiert u. a. Bizet. Daneben zögert Wakeman aber nicht, auch einmal kurze Passagen aus Country, Honky Tonk und Rock'n'Roll einzuwerfen.

Jane Seymor wirkt im Gegensatz zu den Vorgängern 'sakraler', grundsätzlich nähert er sich immer wieder J. S. Bach. Die Orgel wurde übrigens in der St. Giles-without-Cripplegate (City Of London) eingespielt.

Für Anne Boleyn ließ Wakeman, angeblich inspiriert durch einen Traum, das Stück St. Clement (mutmaßlich von Rev. Clement Scholefield) einfließen. Ein weiterer komplexer Song mit vielen klassischen Themen sowie einem Mix aus fröhlichen bis hin zu leicht dramatische wirkenden Motiven.

Zum Abschluss packt Meister Wakeman mit seiner Mannschaft alles aus, was man sich damals so unter klassischem Prog vorstellen durfte. Catherine Parr schließt das Album wie eine Art Zusammenfassung des zuvor musikalisch dargebotenen ab. Nicht mehr überraschend, aber auf extrem hohem Niveau.

Fazit Ehrlich gesagt habe ich wenig Ahnung, wie man das Konzept im musikalischen Kontext einordnen muss. Ich kenne die Stories der Damen allenfalls lückenhaft und wüsste nicht, wie sie musikalisch optimal beschrieben werden könnten. Klar ist: hinter Wakemans Musik steht ein Konzept und über dessen Umsetzung kann man immer trefflich diskutieren. Musikalisch ist das Ganze, auch losgelöst vom konzeptuellen Background, auf einem extrem hohen Niveau angesiedelt. Wie man dieses Album im mittlerweile nicht gerade kleinen Katalog des Meisters einstuft, muss jeder für sich entscheiden. Ich würde dieses Album als eines seiner besten Werke bewerten, Wakeman hat mit The Six Wives Of Henry VIII in jedem Fall einen Meilenstein des Progressive Rock geschaffen.

Trackliste

  1. Catherine Of Aragon 3:44
  2. Anne Of Cleves 7:53
  3. Catherine Howard 6:35
  4. Jane Seymour 4:46
  5. Anne Boleyn (Wakeman, Hopkins) 6:32
  6. Catherine Parr 7:06

Alle Tracks Rick Wakeman, sofern nicht anders vermerkt

Rezensent: MP