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Albumbesprechung Reuter Motzer Grohowski - Bleed

Interpret: Reuter Motzer Grohowski

Titel: Bleed

Erscheinungsjahr: 2022

Genre: Instrumental, Experimental

Bewertung: 8 von 10  (8/10)

 

Rezension/Review

Bleed ist der Titel eines Albums des Trios Reuter Motzer Grohowski, welches Ende 2022 bei Moonjune Records veröffentlicht wurde.

Es handelt sich um ein Trio mit Markus Reuter (Touch Guitars, Looping), Tim Motzer (Gitarren, Bow, Electronics, Looping) und Kenny Grohowski (Drums, Percussion). Alle drei Musiker sind relativ bekannt, vor allem Reuter war in den letzten Jahre sowohl Solo als auch in anderen Projekten äußerst produktiv. Motzer ist ein Gitarrist, der über die Jahre in unzähligen Projekten mitwirkte ebenso wie Drummer Grohowski. Die beiden sind auch Teil des Superstar Projekts PAKT mit Percy Jones und Alex Skolnick.

Bleed ist nicht das erste Album dieses Trios, zuvor gab es 2020 das Album Shapeshifters. Ziel der Musiker ist, über Improvisation zur Komposition zu finden. Man will sozusagen das Medium für die Musik sein. Früher ein ungewöhnlicher Ansatz, heute durchaus üblich vor allem bei Projekten, welche Leonardo Pavkovic auf Moonjune präsentiert.

Die Songs

Bleed ist der erste instrumentale Trip. Lange Zeit ruhig, getragen von einer subtilen Begleitung und sustainreichen Leadlinien wird der Song auch vom brillanten Drumming Grohowskis bestimmt. Das steigert sich permanent in eine fast schon wahnsinnige Atmosphäre.

Causatum erstaunt zunächst als relativ eingängige Gitarrenballade mit cleanen Leads. Grohowski schließt sich behutsam an, die bekannte sustainreiche Leadgitarre kennzeichnet einen Wandel. Interessant das Ende, welches man als fast einängig rockig bezeichnen könnte.

Sybilline wabert in klassischer Elektronikform knapp drei Minuten, bis sich der sägende Bass in die meditative Stimmung drängt. Irgendwie surreal, gut, dass Grohowski das musikalische Treiben rhythmisch 'einfängt'.

Monolith ist der längste Track des Albums und alleine deshalb mutmaßlich der Kernsong. Mir persönlich ist es etwas zu lang. Aber für Freunde des Modern-Prog zweifellos ein Genuss.

Oracle Chamber zeigt im Anschluss, dass man in der Hälfte der Zeit genauso viel zeigen kann, ein wunderbarer Song der sich langsam und eindringlich in dein Gehirn windet.

Impenetrable ist eines der Paradebeispiele dafür, was es mit dieser frei improvisierten Musik auf sich hat. Zunächst spielt jeder frei 'vor sich hin'. Erinnert zunächst an ein Warm-Up, welches zu einem Jam ausartet.

Free In The Now beginnt mit Ambient-Soundscapes. Diese Stimmung wird erneut subtil vorangetrieben und wieder mit dem Gefühl der freien Impro - vergleichbar mit Impenetrable, aber im direkten Vergleich m. E. besser konsumierbar.

Externalities of the Truest Universality schwebt auf einer Ambientwolke mit minimaler Beteiligung Grohowskis. Schöner Abschluss, der Electronic-Fans ansprechen könnte.

Fazit Bleed ist ein Album, welches zu keinem Zeitpunkt überrascht. Das ist nicht negativ gemeint, es ist einfach ein relativ typisches modernes Instrumentalalbum im weiten Feld des Prog. Und damit sollte auch klar sein, dass so ein Album so ganz 'typisch' nie sein kann und auch nicht will. Da arbeiten drei Musiker zusammen und entwerfen spontane improvisierte Sketches (die im Nachhinein minimal nachbearbeitet wurden). Diese Form moderner Musik nötigt mir immer allergrößten Respekt ab, allerdings muss ich auch zugeben, dass ich nicht immer mit den Ergebnissen zurechtkomme. Das ist bei Bleed anders. In diesem Fall fühle ich mich als Hörer von den Musikern in ihre Welt mitgenommen. Das Trio beschert zumindest mir echtes Hörvergnügen übrigens möchte ich abschließend noch einmal explizit die hervorragende Groovearbeit Grohowskis würdigen. Für meinen Geschmack ist es ihm zu verdanken, dass diese musikalischen Skizzen die nötige Form erhalten und sich nicht im musikalischen Nirgendwo verlieren.


Trackliste
  1. Bleed 11.21
  2. Causatum 8.14
  3. Sibylline 11.31
  4. Monolith 14.30
  5. Oracle Chamber 7.03
  6. Impenetrable 6.01
  7. Free in the Now 6.20
  8. Externalities of the Truest Universality 8.39

Rezensent: MP