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Albumbesprechung Markus Reuter - Truce

Interpret: Markus Reuter

Titel: Truce

Erscheinungsjahr: 2020

Genre: Instrumental, Prog/Avantgarde

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Truce ist der Titel eines Albums von Markus Reuter. Das Album erschien bei Moonjune Records, dort mit der Nr. MJR 100 als Jubiläumsalbum. Glückwunsch an Leonardo Pavkovic und danke dafür, dass er uns mit seinem Label so viele vorzügliche Alben abseits des Mainstream bescherte.

Auf der Bandcamp Seite Reuters steht als Releasejahr 2020, ebenda auch etwas vom 19.07.2020. Aufgenommen wurde das Material im Mai 2019 im Studio La Casa Murada, Banyeres del Penedes in Spanien. Mit dabei waren neben Markus Reuter der italienische Bassist Fabio Trentini und der israelische Schlagzeuger Asaf Sirkis.

Die drei Musiker spielten das Material Live im Studio ein. Für Reuter und Sirkis mutmaßlich normal, für Trentini nach eigenen Aussagen Neuland. Funktioniert hat es in jedem Fall, alle drei Musiker agieren auf einem hohen Nivau, die Chemie stimmt und der Hörer erhält ein weiteres vorzügliches Produkt aus dem Hause Moonjune.

Eröffnet wird der Reigen mit dem Titeltrack The Truce, getragen von groovigen Stick und Fretless-Sounds plus einem subtil polyrhythmischen Feel und Lead-Legatolines über psychedelische Klangteppiche. Eindrucksvoll. Swoonage beginnt verhaltener mit den Soundscapes Reuters, Sirkis und Trentini gesellen sich danach in ebenfalls zurückhaltender Form dazu. Ein schöner Song mit einem vergleichsweise lyrischen, verträumten Unterton.

Der Bogeyman wird, über verzerrte Fretlesslines Trentinis, erneut mit Reuter typischen Atmo-Sounds eröffnet. Die Leadparts Reuters klingen "kaputt" und manchmal "Bellew-Elefantös", bemerkenswert und irgendwie witzig die stellenweise hörbaren Reggaegrooves. Be Still My Brazen Heart baut auf Soundscapes ein loses Gerüst, in dem sich das Trio von leicht jazzigen bis krautigen und Elektronischen Vorbildern inspirieren lässt. Power Series baut im Grund auf ähnlichen Elementen auf, klingt aber anders. Auch hier legt Reuter mit breiten Atmosounds einen Teppich, Sirkis groovt dazu relaxed und Trentini grummelt auf dem Fretless in angenehmer und gut vernehmbarer Weise. Ein dichtes Gewebe, manchmal leicht bedrohlich und stellenweise irgendwie "retro-proggig" angelegt.

Let Me Touch Your Batman groovt zunächst lässig und bietet Sounds, die mich an den Steve Hillage aus der Phase um 1977/1978 erinnern. Dazu kommen Reuters Leadbeiträge, die bohrend bis bedrohlich wirken und am Ende tatsächlich etwas cartooneskes aufweisen. Ein Alternative Batman Theme. Gossamer Things bildet den Abschluss. Die Basis bildet ein Jazz-Fusion Drum-Bass Fundament plus Reuters Collagen. Der selbst spielt über diesen "Vamp" erneut relativ abgefahrene Leadlinien, die ungemein komprimiert fett klingen.

Fazit Markus Reuter ist ein Household Name der modernen Prog-Szene, der scheinbar ein echtes Arbeitstier ist. Sein Output ist jedenfalls beachtlich. Auf diesem Solo-Album zeigt er seine weithin bekannten Fähigkeiten als "Landschaftsmaler", daneben auch seine Fähigkeiten als "klassischer" Leadgitarrist. Das hat natürlich wenig von bekannten Mainstream-Gitarristen, es ist eine besondere Kost: abgefahrenes Material, stellenweise atonal wirkend mit einem sustainreichen komprimiert-fetten und ordentlich verzerrten Ton. Vergleiche sind nicht einfach, es hat etwas von Fripp und Belew ebenso wie Hillage oder Torn. Mit Trentini und Sirkis besitzt Reuter zwei schlagkräftige Partner, Sirkis Spiel ist so druckvoll wie variabel, Trentinis schmatzende Fretlesslinien sind prächtig. Bemerkenswert ist bei aller Improvisation die Dichte und Homogenität, sodass man sich an Reuters Beiträgen ebenso erfreuen kann wie an Trentinis und Sirkis Spiel und am Ende doch das Gefühl hat, dass hier ein Team und nicht drei Solisten am Werk sind. Gut abgefahren, abgefahren gut.

Trackliste

  1. The Truce 11:58
  2. Swoonage 3:27
  3. Bogeyman 7:30
  4. Be Still My Brazen Heart 8:49
  5. Power Series 9:05
  6. Let Me Touch Your Batman 9:54
  7. Gossamer Things 11:50

Rezensent: MP