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Albumbesprechung Dennis Rea - Giant Steppes

Interpret: Dennis Rea

Titel: Giant Steppes

Erscheinungsjahr: 2021

Genre: Ethno, East-West-Fusion, Kraut

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Giant Steppes ist der Titel eines Albums von Dennis Rea, welches er 2021 via Moonjune veröffentlichte.

Das letzte Soloalbum von Dennis Rea liegt schon eine Weile zurück, es war Views From Chicheng Precipice von 2010. Damals wie heute veröffentlichte er ein Soloalbum mit älteren Aufnahmen, welche über die Jahre entstanden. Und er lieferte sozusagen musikalische Reisetagebücher aus Asien. Auf diesem Album geht es um Xinjang und die Uiguren, Musik aus der Altai-Region und Tuwa sowie Tibet. Auf Chicheng Precipice gab er seinen Mitstreitern Grundkonzepte der Musik mit einem bestimmten tonumfang mit. Ansonsten durfte frei improvisiert werden.

Auf Giant Steppes verhält es sich ähnlich, aber das Ergebnis ist hörbar anders - die folkloristischen Elemente auf diesem Album wirken im Vergleich wie eine Art 'Beiwerk' und musikalisch geht es Rea anders an - auch mal rockiger und durchaus krautig.

Ein erstes Beispiel liefert der mit über 16 Minuten recht lange Livetrack der Uyghur Suite (ein uigurisches Traditional in einer Bearbeitung von Rea). Die Grundmelodie verströmt zunächst ein fernöstliches Ethnofeel. Davon und von weiteren Elementen abgesehen liefert Rea aber auch einen Track, der von westlichen Instrumenten geprägt wird - konkret von Reas Gitarrenbeiträgen und Dick Valentines Saxofonspiel. Über die gesamte Länge bietet Rea von allem etwas, etwas Ethno-Folk, Prog, Fusion, Rock. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes progressiv und ein grandioser Auftakt.

Noch tiefer in fernöstliche Motive geht es mit Altai By And By (basierend auf dem Russischen Traditional) mit einem wundersamen Mix aus traditionellen Instrumenten und Gesangslininen von Juliana Svetlichnaja and PAVA. Davon abgesehen gibt es aber auch hier den, sagen wir mal, 'westlichen'. Rea erinnert mich hier immer wieder mit seinem Ton und Feel an David Gilmour. Diese harmonischen und spacigen Leads in Zusammenhang mit dem abgedrehten Gesangstheater - das ist großes Kino.

The Wind Of The World's Nest (basierend auf einem Traditional aus Tuwa) setzt dem bislang ohnehin hochwertigen musikalischen Treiben die vorzeitige Krone auf. Rea liefert eine Art Heavy Ethno mit Kehlkopfgesang und krautigen Elementen a la Kraan bis Eloy. Das ist der Hammer.

The Fellowship of Tsering (basierend auf dem Jampa Tsering) wird orchestral eröffnet und tendiert danach, so empfinde ich es zumindest, erneut in eine leicht krautige Richtung. Der Song klingt mittig dumpf in der Art eines Art Amateur-Livemitschnitt. Das hat aber seinen Charme und passt gut zum treibenden monotonen Dinger-Liebzeit Beat, dazu gibt es Ethno-Elemente mit Dungchen Horn und Didgeridoo. Erneut ein bemerkenswerter Song mit seinem Mix aus leicht abgefahrenen Ethnosounds und eingängigem Tibet Pop bis hin zu krautiger 1970er Retromusik.

Fazit Moonjune schafft es nach wie vor, in regelmäßigen Abständen vorzügliche Alben abseits des Mainstream vorzulegen. Giant Steppes von Dennis Rea ist so ein Album - Rea frönt auch hier seiner Vorliebe für asiatische Musik, aber das Ergebnis ist anders als jenes von Views From Chicheng. Für meinen Geschmack ist die Musik bei allem Ethnofeel und manchem schrägen Element irgendwie griffiger und durchaus rockiger. Ich bin begeistert, alleine schon wegen der überragenden Tracks The Wind Of The World's Nest und The Fellowship Of Tsering.

Trackliste

  1. Live at Gaochang (Uyghur Suite) (16:39)
  2. Altai By and By (8:43)
  3. Wind of the World's Nest (9:56)
  4. The Fellowship of Tsering (14:07)

Rezensent: MP