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Albumbesprechung Liquid Tension Experiment - Liquid Tension Experiment

Interpret: Liquid Tension Experiment

Titel: Liquid Tension Experiment

Erscheinungsjahr: 1998

Genre: Instrumental, Progressive-Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Liquid Tension Experiment ist das selbstbetitelte Debüalbum des Superstarprojekts Liquid Tension Experiment. Das Album wurde 1998 veöffentlicht.

Liquid Tension Experiment war sozusagen ein 'Nebenprojekt' des Dream Theater Drummers Mike Portnoy. Er holte dazu Keyboarder Jordan Rudess (zu der Zeit noch nicht bei Dream Theater) und den Bassisten Tony Levin. Das Experiment sollte sich deutlich von Dream Theater unterscheiden, weshalb zunächst Gitarrist Dimebag Darrell eingeplant war. Der konnte aus terminlichen Gründen ebensowenig wie Steve Morse oder Jim Matheos. Am Ende griff Portnoy auf seinen Dream Theater Kollegen John Petrucci zurück. Damit war das ganze doch näher an Dream Theater, als von Portnoy gewollt. Dies umso mehr, da sich Rudess über seine Arbeit an LTE für Dream Theater empfahl und schon 1999 für Derek Sherinian zu Dream Theater stieß.

Die Ausrichtung war ohnehin nicht so weit entfernt von Dream Theater, man konnte von einer komplexeren und durchaus härteren Rockmusik ausgehen. Funktioniert hat das alles sehr gut, die Musiker schienen sich sehr gut zu verstehen. Das Material wurde in einer Studio-Session vom 20. September bis 25. September 1997 eingespielt. Release war im März 1998. Von einem großartigen kommerziellen Erfolg kann man nicht sprechen, zumindest gab es keine erwähnenswerten Chart-Entries, die Verkäufe sollen z. B. in den USA bei ca. 31.000 Exemplaren gelegen haben. Im direkten Vergleich zu Dream Theater nicht überragend.

Die Songs

Paradigm Shift drückt zunächst ordentlich, für mich ein relativ typischer Prog-Metal mit viel Gefrickel bei erwartungsgemäß hohem Standard. Osmosis ist im Anschluss durchaus als Ausrufezeichen zu verstehen, hier kommt etwas vom ursprünglichen Geist durch, sich von Dream Theater abzusetzen. Dementsprechend groß wirkt der Einfluss von Rudess und Levin.

Kindred Spirits erinnert mich persönlich wieder stärker an Dream Theater, LTE liefern hier einen härteren Track mit einem gut nachvollziehbaren 'roten Faden'. The Stretch könnte man als Intro zu Freedom Of Speech sehen, auf dem die Band ein Feuerwerk abfackelt - in beiden Fällen mit starken Beiträgen Levins.

Chris and Kevin's Excellent Adventure ist ein weitere kurzer Jam, der nach Angaben der Band spontan entstand und inspiriert wurde einerseits durch zwei Fotographen sowie den Film Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit. Interessanter und witziger Track, der das Geschehen auflockert. State Of Grace zeugt vor allem vom überragend guten Verständnis zwischen Petrucci und Rudess, die eine schöne Ballade präsentieren. Sozusagen eine Oase der Ruhe im Hochtechnikspektrum. Ich denke, dass nicht zuletzt mit dem Song die ernsthafte Überlegung entstand, Rudess ins Dream Theater Boot zu holen. Beide performten den Song auch im Rahmen des 'Evening with John Petrucci and Jordan Rudess'.

Universal Mind orientiert sich zwar thematisch an State Of Grace, allerdings bei rasant ansteigendem Tempo. Rudess übernahm später einige Instrumentalparts für die Live Scenes From New York. Den Abschluss bildet die Suite bzw. der Megajam Three Minute Warning. Der wird zwar in einzelne Parts gesplittet, für den 'normalen' Hörer dürfte sich aber nur ein durchgängiger langer Jam heraushören lassen. Wahrscheinlich ein, mehr oder weniger, komplett improvisierter Jam über ein bestimmtes Thema. Für Musiker zweifellos eine interessante Sache, für den Hörer nicht in jedem Fall. Übrigens ist die Frage nach freiem Jam auch Namensgeber - Levin wollte freier jammen, Petrucci und Portnoy wollten die Songs stärker konstruieren. Levin hatte irgendwann die Nase voll und sprach die Warnung aus: wenn wir nicht in drei Minuten anfangen zu jammen, dann gehe ich. So begann begann man mit diesem Jam und Levin blieb. Die Band brachte folgenden Warnhinweis auf der CD an:

CAUTION: Three Minute Warning is not for the musically faint-hearted, impatient, or critics of extreme self-indulgence. If you fall into any of the above categories, please hit the stop button on your CD player after track # 8.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Fazit Bezüglich der Vorgeschichte wird schon klar, wo man sich musikalisch bewegt. Auch wenn Portnoy etwas anderes vorschwebte, so bekam der Hörer doch eine gute Portion Dream Theater - genauer: Dream Theater abzüglich Gesang und Myung. Levin macht einen Unterschied zu Myung, auch Rudess hatte einen anderen Ansatz als der damals noch amtierende Dream Theater Keyboarder Sherinian. Aber insgesamt bewegt man sich doch im Dream Theater Fahrwasser. Ebenso makellos und hochklassig ist auch hier der Vortrag, wobei diese rein instrumentale Darbietung am Ende schon etwas anderes ist. Nicht jeder wird hier den schnellen Zugang finden. Insbesondere der mächtige Jam Three Minute Warning kann da wie ein Hemmschuh wirken, während er für andere vielleicht die Übernummer des Albums ist. Wer hochklassigen härteren Prog im Stil von Dream Theater mag, sollte aber in jedem Fall gut mit dem Album zurechtkommen.

Trackliste

  1. Paradigm Shift 8:54
  2. Osmosis 3:26
  3. Kindred Spirits 6:29
  4. The Stretch 2:00
  5. Freedom of Speech 9:19
  6. Chris and Kevin's Excellent Adventure 2:21
  7. State of Grace 5:01
  8. Universal Mind 7:53
  9. Three Minute Warning (Part 1) 8:20
  10. Three Minute Warning (Part 2) 4:02
  11. Three Minute Warning (Part 3) 5:18
  12. Three Minute Warning (Part 4) 4:20
  13. Three Minute Warning (Part 5) 6:31

Rezensent: MP