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Albumbesprechung Nicholas Greenwood - Cold Cuts

Interpret: Nicholas Greenwood

Titel: Cold Cuts

Erscheinungsjahr: 1971

Genre: Prog

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Cold Cuts ist ein Album von Nicholas Greenwood, welches 1971 veröffentlicht wurde.

Nicholas Greenwood war zuvor Bassist bei der legendären Crazy World Of Arthur Brown. Dort war er u. a. mit Carl Palmer und Vincent Crane tätig. Nach seiner Arbeit bei der Crazy World arbeitete Greenwood ab 1969 mit Dick Heninghem an diesem Projekt Cold Cuts. Zusammen mit Drummer Eric Peachey gingen sie in die USA und nahmen das Album 1970 mit dem Saxofonisten Bunk Gardner (Mothers Of Invention), den Gitarristen Bryn Haworth (u. a. Les Fleur De Lys) und Chris Pritchard (von Silly Wizard) auf. Zunächst kam es nicht zu einem Release des Albums.

Greenwood, Heninghem und Peachey gingen nach den Aufnahmen zurück nach Großbritannien und arbeiteten mit der Band Khan. Greenwood blieb bis zu den Aufnahmen von Space Shanty bei Khan. In der Phase baute Terry King das Label Kingdom Records auf, auf welchem Greenwoods Soloalbum Cold Cuts schließlich veröffentlicht wurde. Das Album ging, mehr oder weniger, komplett unter. Fachleute machten dafür u. a. das Coverkonzept verantwortlich. Abgebildet war eine Figur aus dem Werk Pork Chop Ballad von Philippe Mora, welche möglicherweise Grund genug war, um viele Leute vom Kauf des Albums abzuhalten. Beweisbar ist das nicht, zumal man keine verlässliche Verkaufszahlen hat.

Fakt ist aber, dass Greenwoods Karriere nach Khan und diesem Release stagnierte und er sich mutmaßlich aus der Musikwelt zurückzog. Gerade deshalb erscheinen mir die Texte auf dem Album wichtig zu sein. Alles dreht sich um einen bestimmten Lebenszyklus eines Menschen/Musikers, der insgesamt auch so seine Probleme mit der gefräßigen Musikindustrie hat. Die Texte dürften autobiographisch geprägt sein und ich würde Cold Cuts aus dem Grund als Konzeptalbum bezeichnen.

Was Greenwood (und der ebenfalls in der Versenkung verschwundene Heninghem) draufhatten, deuten sie mit dem Opener A Sea Of Holy Pleasure Pt. 1-3 an. Ein prächtiger Progsong, welcher vor allem von Heninghams Keyboards lebt.

Hope/Ambitions dreht sich um einen jungen Mann, der von einer erfolgreichen Musikkarriere träumt. Untermalt wird dieser Song zunächst wie eine Art Kammermusik, danach wird es zeittypisch psychedelisch-bluesig.

Corruption wirkt getragen bis melancholisch, gewisse Vergleiche könnte man zu altem Arthur Brown Material ziehen. Der Song überzeugt mich persönlich nicht so sehr, ebenso würde ich Lead Me On bewerten - ein recht wilder Mix aus Beat, Psychedelic und Beatles.

Die Big Machine ist die Musikindustrie, welche die Musiker (Singing Sausages) sozusagen verspeist. Interessantes Bild, musikalisch untermalt mit einer Art relaxtem 60sBeat und einem leichten Steppenwolf Pusher Feel.

Close The Doors ist ein prächtiger Song im Stil des späten 60s Psychedelic Beat. Melancholy erinnert mich danach etwas an Savoy Brown.

Images baut auf einem statischen Thema auf, welches etwas von Creams I Feel Free hat. Greenwood und Heninghem verleihen dem Song aber eine jazzige Prognote.

Promised Land wirkt wie eine Elegie und Erlösung zugleich, als führten die beiden vorangegangenen Songs ins gelobte Land. Gut umgesetzt, der Song verströmt etwas 'Erhabenes'. Realisation and Death schließt elegisch an. Es wirkt zumindest wie ein Klagelied und soll wohl einfach das Ende des Zyklus beschreiben. Die bittere Erkenntnis: alles ist realisiert, es folgt der Tod. Wie im Vorgänger schreit Greenwood gegen Ende seine Verbitterung in die Welt.

Fazit Wie eingangs erwähnt, ging diese Album damals praktisch komplett unter. Mag sein, dass das Cover daran Anteil hatte. Man muss auch sagen, dass beim flüchtigen Durchhören der Platte zunächst wenig hängen bleibt. Wenn man jedoch stärker in Greenwoods Gedankenwelt einsteigt, dann gewinnt das Album stetig. Mir persönlich ging es zumindest so. Ich würde, wie gesagt, von einem Konzeptalbum sprechen und ich gehe auch davon aus, dass Greenwood hier stark autobiographisch erzählt. Mag sein, dass ich da falsch liege. Ungeachtet dessen überwiegen die musikalischen Stärken auf diesem Album eindeutig, sodass Cold Cuts in jedem Fall ein Hidden Gem ist.

Trackliste

  1. A Sea Of Holy Pleasure Parts I, II, III 7:17
  2. Hope / Ambitions 2:51
  3. Corruption 3:10
  4. Lead On Me 3:49
  5. Big Machine 2:18
  6. Close The Doors 4:29
  7. Melancholy 3:20
  8. Images 3:25
  9. Promised Land 3:25
  10. Realisation And Death 5:14

Rezensent: MP