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Albumbesprechung Gordon Giltrap - Visionary

Interpret: Gordon Giltrap

Titel: Visionary

Erscheinungsjahr: 1976

Genre: Prog, Instrumental

Bewertung: 9 von 10  (9/10)

 

Rezension/Review

Visionary ist der Titel eines Albums des englischen Gitarristen Gordon Giltrap. Das Album erschien im Jahr 1976.

Gordon Giltrap war zu dem Zeitpunkt ein allgemein anerkannter Gitarrist vor allem im Bereich Akustik/Folk. Ritchie Blackmore bezeichnete Giltrap später einmal als einen der größten Akustikgitarristen überhaupt und einen großen Einfluss auf sein Akustikspiel. Der Autodidakt hatte zuvor vier Alben u. a. bei Transatlantic aufgenommen und legte nach dem 1973er Album Giltrap eine Pause ein, um sich musikalisch anders aufzustellen.

Das Ergebnis war dieses Album Visionary, mehr oder weniger basierend auf Werken des Poeten William Blake. Visionary bildete dabei auch nach späterer Aussage Giltraps den Auftakt zu einer Trilogie progressiver Alben. Dabei blieb auf diesem Album die Akustikgitarre weitestgehend eine Art Fixpunkt. Aber die stellenweise symphonischen Arrangements waren dazu angetan, in Progkreisen Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es war und ist so, dass Visionary bei Progfans in der Regel gut ankam und zu den besten Giltrap-Arbeiten gezählt wird.

Eingespielt wurde das Album von Gordon Giltrap (Gitarren), Rod Edwards (Keyboards), John G. Perry (Bass) und Simon Phillips (Schlagzeug). Musikalisch Gäste waren u. a. R.W. Butch Hudson und Henry Lowther (Trompete), Chris Pyne (Posaune), Chris Mercer (Saxofon), Jeff Daly (Saxofon), Tony Carr (Percussion), Roger Hand (Percussion) und Shirlie Roden (Gesang).

Grundsätzlich legte Giltrap ein instrumentales Album vor, die in den Credits genannten Vocalparts Rodens finden zumindest auf meiner damaligen LP nicht statt (möglicherweise gab es sie auf späteren Bonustracks). Musikalisch bewegte sich Giltrap wie erwähnt Richtung Progressive, wobei man in dem Fall von einer Art Folk-Prog sprechen könnte. Im Gegensatz zu anderen progressiven Werken der Zeit legte Giltrap jedoch keine ganz langen Tracks vor, sondern vielmehr 11 relativ kurze Sketches. Die sind aber so konzipiert, dass man den Eindruck eines zusammenhängenden Werkes erhalten kann.

Die Songs

  • Awakening eröffnet das Album im vorgenannten Sinn mit teilweise opulent angelegten symphonischen Motiven. Die Melodien ähneln manchmal Oldfield, die Orchestrierung hätte auch von Mike Batt stammen können. Giltrap legt dazu immer wieder kurze Runs auf der Akustik vor. Der Faden wird weitergesponnen auf dem kurzen Robes And Crowns und dem folgenden From The Four Winds, hier aber mit einer Celtic bzw. Medieval-Note. Fast nahtlos geht es über in Luciferís Cage, ein weiterer perfekter Song. Nicht zu komplex, nicht zu leichtgewichtig. Hat manchmal etwas von Anthony Phillips. Den Abschluss der damaligen A-Seite bildete Revelation, etwas verträumt und bisweilen mit einer nachdenklichen Stimmung.
  • Giltrap ließ den Faden auch nach dem Umdrehen der damaligen LP für den Zuhörer nicht abreißen, mit Price Of Experience legte er einen vorzüglich groovenden Akustik-Prog vor. Die zu vernehmende Medieval-Note bleibt erhalten und wird auf Dance Of Albion noch verstärkt. The Tyger steht stark in Giltraps Tradition als Folk-Gitarrist. Ein schönes Fingerstyle Arrangement, hie und da leicht symphonisch angedickt. Auch hier geht es passend über in The Echoing Green, einmal mehr mit einer perfekten Interaktion zwischen Giltrap und Keyboarder Edwards. Und so lässt es Giltrap auslaufen, er zitiert abschließend zuvor vorgestellte Themen und beendet das Album in einem gefühlten Formschluss zwischen Awakening und Night.

Fazit Gordon Giltrap kannte ich zunächst als einen Vertreter der britischen Akustik-Folkszene, der aber mit seinem Stil immer recht individuell agierte. Dieses Album war 1976 in der Form nicht unbedingt zu erwarten. Giltrap blieb der Gitarre treu, sie diente hier aber trotz kurzer Solosequenzen vor allem als eine Art Bandinstrument, die individuelle Kunst wurde sozusagen dem Song untergeordnet. Die Zeit, welche sich Giltrap zu seinem Vorgängeralbum ließ, hatte er nach meiner Ansicht perfekt genutzt. Das Album ist ungemein gut gelungen, irgendwie passt alles perfekt zusammen. Die Arrangements sind gut, auch wenn es manchmal etwas opulent wirkt. Giltrap gelang ein Album, welches Fans von Anthony Phillips oder des frühen Oldfield, durchaus ansprechen sollte. Für mich eine der Perlen jenes Jahres und aufgrund der vergleichsweise geringen Verbreitung ein Hidden Gem.

Rezensent: MP

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Trackliste
  1. Awakening 3:01
  2. Robes and Crowns 1:23
  3. From The Four Winds 3:30
  4. Lucifer's Cage 4:07
  5. Revelation 3:45
  6. The Price of Experience 2:22
  7. The Dance of Albion 1:57
  8. The Tyger 2:00
  9. The Echoing Green 2:02
  10. London 3:01
  11. Night 3:52

Bonus Track 1999

  • On Wings of Hope 3:10
  • Jerusalem 3:28
  • Visionary (original version) 15:19

Bonus Track 2013 Remaster

  • Movement One (4:31)
  • Movement Two (4:41)
  • Movement Three (3:58)
  • On Wings Of Hope (3:10)
  • Visionary (Original Version) (15:18)