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Albumbesprechung Gentle Giant - Gentle Giant

Interpret: Gentle Giant

Titel: Gentle Giant

Erscheinungsjahr: 1970

Genre: Rock, Prog-Rock

Bewertung: 7 von 10  (7/10)

 

Rezension/Review

Gentle Giant ist der Titel des Debütalbums gleichnamiger Band Gentle Giant. Das Album erschien im November 1970.

Aufgenommen wurde das Album in der Besetzung Gary Green (lead guitar, 12 string guitar), Kerry Minnear (keyboard, bass, cello, lead vocals, backing vocals, some tuned percussion), Derek Shulman (lead vocals, backing vocals, bass), Phil Shulman (sax, trumpet, recorder, lead vocals, backing vocals), Ray Shulman (bass, violin, some guitar, percussion, backing vocals, † 2023 ) und Martin Smith (drums, percussion, † 1997 )

Musikalische Gäste waren Paul Cosh (Tenorhorn auf Giant), Claire Deniz (Cello auf Isn't It Quiet And Cold). Aufnahmetechniker war Roy Baker, Produzent war Tony Visconti und für das Cover war George Underwood verantwortlich.

Gentle Giant kann man zu den wichtigen Vertretern des klassischen Progressive-Rock aus dem UK zählen. Die Entwicklung verlief ähnlich der anderer Bands des Genres - d. h. das Debütalbum wurde in der Regel eher als eine Art 'Einstieg' gesehen. Die Band kam aus der Zeit des Psychedelic/Blues/Rock und davon hört man hier auch noch einiges. Hauptinitiatoren waren dabei die Brüder Shulman (Ray, Phil und Derek). Die kamen von der aufgelösten Band Simon Dupree And The Big Sound, brachten von da einiges mit und versuchten das Spektrum zu erweitern. Das gelang auf dem Debütalbum in Ansätzen, fand seine Perfektion aber eben erst auf folgenden Alben.

Die Songs

Giant eröffnet in einer feierlichen pastoralen Stimmung, welche kurzzeitig durch rockige Gesangsparts unterbrochen wird. Die Band lässt einiges von dem erahnen, was auf den nächsten Alben perfektioniert werden sollte. Für meinen Geschmack ein starker Einstieg. 8

Funny Ways war damals einer der bekannteren Songs des Albums. Zunächst geht es balladesk los in einer schwelgerisch-melancholischen Stimmung. Nach knapp zwei Minuten gibt die Band Gas, durchaus mit komplexeren Motive angereichert und später wieder zur balladesken Anfangsstimmung zu wechseln. Auch ein gelungener Song.

Alucard (von hinten gelesen Dracula) könnte man im weiteren Sinn als Progsong bezeichnen. Zumindest ist der Aufbau relativ komplex und die Band experimentierte kräftig u. a. mit Halleffekten. Über den teilweise kräftigen Drumgroove erinnert die Band - entfernt - an King Crimson.

Isn't It Quiet And Cold? ist eine andere Hausnummer. Etwas jazzig angelegt, erinnert der Song andererseits in vielen Teilen (vor allem mit den Streichern) enorm an die Beatles/Macca. Hat zweifellos weniger mit dem klassischen Prog zu tun. Aber schlecht ist auch anders.

Nothing At All gehört zu den bekannteren Songs des Gentle Giant Katalogs. Auf dem Debütalbum nimmt er wegen seiner Lauflänge über 9 Minuten eine Sonderstellung ein. Musikalisch ist der Song dagegen (vom Aufbau) ähnlich angelegt wie Funny Ways - sozusagen ein Sandwich aus zwei balladesken Teilen und dazwischen ein rockiger Part. Bemerkenswert in der Hinsicht ist ein Drumsolo. Der Progfaktor hält sich m. E. erneut in Grenzen, aber der Song ist/war zeitgemäß gut.

Why Not ist ein prächtiges Beispiel für einen gut gemachten Blues-Rock. Eine gewisse Härte mit schönem Riff-Rock trifft auf kurz eingestreute klassische bis romantische Elemente. Auch hier hat man eher weniger vom klassischen Gentle Giant Sound, aber am Ende doch einen gut gemachten Classic Rock Song incl. einem fulminanten Blues-Rock / Boogie. Mir gefällt's, ich denke jedoch dass es für Progfans wenig prickelnd ist.

The Queen beendet das Album in einer Form, welche man immer kontrovers diskutieren kann. Es ist schlicht eine instrumentale Version der englischen Nationalhymne mit rockigen und leicht experimentellen Anklängen. Kann man machen, zumal der Song recht kurz ist.

Fazit Das Debütalbum von Gentle Giant würde ich, thematisch, vergleichen mit Debütalben vieler anderer klassischer Progbands. Warum? Weil auch Gentle Giant sozusagen in der Findungsphase waren. Die Roots kamen noch stärker durch als die anvisierten Experimente. Das schlägt sich nieder in einem Album, welches viele Stilistiken in sich trägt - Blues-Rock trifft auf Klassik, erste Progelemente und etwas Psychedelic. Nichts ungewöhnliches für damalige Zeiten, und doch konnten sich Gentle Giant m. E. aus der Masse hervorheben. Kein klassisches Progalbum. Aber ein gut gelungenes Album des 'Classic Rock' und zugleich ein guter Einstieg in Materie 'Gentle Giant'.

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Trackliste
  1. Giant (6:22)
  2. Funny Ways (4:21)
  3. Alucard (6:00)
  4. Isn't It Quiet And Cold? (3:51)
  5. Nothing At All (9:08)
  6. Why Not (5:31)
  7. The Queen (1:40)

Rezensent: MP