Albumbesprechung Gentle Giant - Acquiring the Taste
Interpret: Gentle Giant
Titel: Acquiring the Taste
Erscheinungsjahr: 1971
Genre: Prog-Rock
Bewertung:
Acquiring the Taste ist der Titel des zweiten Albums der Band Gentle Giant. Das Album erschien im Juli 1971 in der Besetzung Gary Green (Gitarren, Mandoline, Bass, Quijada, Voice auf 8), Kerry Minnear (Keyboards, Xylophon, Vibraphon, Pauke, Cello, Percussion, Leadgesang und Gesang), Derek Shulman (Sax, Clavichord, Percussion, Leadgesang, Gesang), Phil Shulman (Klarinette, Trompete, Saxes, Klavier, Percussion, Leadgesang, Gesang), Ray Shulman (Bass, Violine, Viola, Gitarre, Percussion, Orgel-Basspedal, Gesang, † 2023 ) und letztmals Martin Smith (Drums, Percussion, †&xnbsp;1997).
Gäste waren Paul Cosh (Trompete, Orgel), Tony Visconti (Flöten, Percussion) und Chris Thomas (Moog-Programming).
Die Band versuchte ihren Stil zu verfeinern bzw. in ihrem Verständnis weiter zu entwickeln. Das hatten sie auf dem Cover in Textform so dargestellt
It is our goal to expand the frontiers of contemporary popular music at the risk of being very unpopular. We have recorded each composition with the one thought – that it should be unique, adventurous and fascinating. It has taken every shred of our combined musical and technical knowledge to achieve this. From the outset we have abandoned all preconceived thoughts of blatant commercialism. Instead we hope to give you something far more substantial and fulfilling. All you need to do is sit back, and acquire the taste.
Eine klare Ansage, mal reinhören…
Die Songs
Die Band verspricht nicht wirklich zu viel, was sie sogleich mit dem Opener Pantagruel's Nativity beweist. Bezugnehmend auf die Story von Gargantua und Pantagruel (von Francois Rabelais) geht es kunstvoll los. Die ersten Noten bilden eine Art Hook, welche im Song in verschiedenen Formen immer wieder aufgegriffen wird und die Band präsentiert genau das, was sie dem Hörer versprochen hat.
Edge Of Twilight bringt ähnliches in aller Kürze zusammen - hier gefühlt schrullig und etwas abenteuerlich und in der Form faszinierend.
Auch The House The Street The Room würde ich als außerordentliche Tonkunst bezeichnen. Die Band schüttet ihr Füllhorn aus, klingt mal schräg, mal eingängig und tatsächlich eine prächtige Weiterentwicklung des musikalischen Stils
Der Titelsong Aquiring the Taste ist in seiner Kürze für mich ein echtes Highlight, so etwas wie Mittelalter trifft zeitgemäßen Prog.
Wreck wirkt mit dem Basisriff und den Frage und Antwortspielen (heyheyhey hold on) insgesamt eingängiger. Zweifellos gewollt und mit diesem Antwortgesang zitiert die Band mutmaßlich eine Schiffsmannschaft. Eine gewagte Kombi - Shanty und Prog - aber auch das funktioniert gut.
Auch auf The Moon is Down scheint nichts unüberlegt. Der Titel soll sich auf Macbeth beziehen, das Saxofon Hauptmotiv nimmt Bezug auf Medea von Samuel Barber. Und die Musik? Faszinierend, im Spannungsbogen zwischen Schwermut und plötzlich aufkommender extremer Leichtigkeit. Ein echtes Pfund.
Black Cat kümmert sich um die Katzenfreude. Die Story einer Katze wird stilgerecht unterlegt mit einem lasziven Groove, die Violinen erinnern an Katzen ebenso wie das immer w ieder zu hörende Klagen. Köstlich.
Plain Truth oder Ray Shulman meets Hendrix? In jedem Fall ein vergleichsweise 'schwerer' Riff-Rocker und doch nichts von der Stange. Auch auf diese Art hält die Band ihr Versprechen und überrascht.
Ziel erreicht, würde ich sagen. Gentle Giant versprachen, die Grenzen zeitgenössischer
Populärmusik zu erweitern. Das haben sie nach meiner Ansicht auf dem zweiten Album erreicht.
Über das Cover Art Work kann man streiten, über die musikalische Potenz nicht. Aquiring The
Taste zeigt Gentle Giant at it's Best. Für mich ein Highlight des klassischen Progressive-Rock
und schon in der frühen Phase ein Bandklassiker.
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Trackliste
- Pantagruel's Nativity (6:50)
- Edge Of Twilight (3:47)
- The House, The Street, The Room (6:01)
- Acquiring The Taste (1:36)
- Wreck (4:36)
- The Moon Is Down (4:45)
- Black Cat (3:51)
- Plain Truth (7:36)
Rezensent: MP