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Albumbesprechung Genesis - Trespass

Interpret: Genesis

Titel: Trespass

Erscheinungsjahr: 1970

Genre: Prog Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Trespass war das zweite Studioalbum der Band Genesis. Das Album erschien im Jahr 1970 und war damals nicht sehr erfolgreich (erst 1998 erreichte das Album die Top 100 im UK). Dafür konnte Genesis erste Erfolge in anderen europäischen Ländern verbuchen, in Belgien erreichte Trespass Rang 1 der Charts und meines Wissens konnte sich die Band auch in Italien Gehör verschaffen.

Musikalisch, so die allgemeine Lesart, war die Band mit dem Album noch nicht im für sie typischen Prog angekommen. Andererseits konnte man gegenüber des Debütalbums eine klare Weiterentwicklung vernehmen, sozusagen war die Band auf dem 'Weg'. Wenn man so will, stellt Trespass ein Bindeglied zwischen dem rohen Sound des Vorgängers und den folgenden klassischen Genesis Progalben dar.

Ohnehin war auf diesem Album noch einiges anders - es war beispielsweise das einzige Album mit John Mayhew an den Drums. Außerdem war es das letzte Album mit dem Gitarristen Anthony Philipps.

Soweit dazu. Ob man nun von klassischem Prog sprechen kann oder nicht - ich würde diese Frage nicht unbedingt stellen. Es ist eindeutig eine Musik, welche vom damaligen Progidiom erfasst war. Auch wenn das Album sehr stark mit Folkidiomen Englands spielt und damit durchaus im Trend lag, monierten viele Kritiker eine Unausgegorenheit bzw. Unreife. Das muss man dann auch zugeben, Trespass hatte eben noch nicht den letzten Schliff, alles klang noch etwas holprig, manchmal patchworkartig und etwas unbeholfen. Dazu kam die Sache mit dem Drumming, die Band selbst war mit Mayhew unzufrieden, weshalb der auch nach dem Album durch Phil Collins ersetzt wurde. Möglicherweise eine der Schwächen des Albums, das Schlagzeugspiel war nicht immer überzeugend und zudem war der Schlagzeugsound manchmal etwas dünn. Aber schlecht war das am Ende auch wieder nicht. Nun gut.

Genesis klangen auf dem Album dazu auch etwas rauer und vielleicht rockiger, aber auch das ist an sich nichts schlechtes. Die orchestralen Teile sind noch zurückhaltend und nicht immer optimal gelungen. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob man Phillips' Gitarrenarbeit als schlecht bezeichnen kann und darf. Es untermalt die Szenerie letzten Endes gut und passend, vielleicht könnte man seine Leadparts als verbesserungswürdig bezeichnen. Da konnte Steve Hackett später zulegen. Am Ende liegt oder lag es aber nicht nur an Phillips und Mayhew, die Band spielte noch nicht in dem Fluss späterer Jahre. Das Songwriting war nicht ganz ausgefeilt, auf der anderen Seite aber doch mit mehr Höhen als Tiefen. Die damalige A-Seite bietet, für meinen Geschmack, recht interessante klassische Progsongs. Seite 2 wird mit Stagnation eröffnet. Ein schöner Song, vielleicht hatte hier Phillips stärkeren Einfluss auf die Musik. Zumindest wirkt es stark von folkigen Motiven inspiriert. Geschmackssache - meines Wissens gibt es viele Fans, die diesen Song als eine Schwachstelle ausmachen. Das wiederum würde ich überhaupt nicht so sehen. Ähnliches gilt für Dusk, wobei der Song 1. kürzer ist und 2. ihm deshalb des typischen Progfeels abgeht. Und abschließend gibt es mit The Knife einen der frühen Klassiker der Band. Die packt hier tatsächlich so ziemlich alles in einen Song, was sie damals so im Kopf hatte. Eine interessante Reise, aber komischerweise für mich nicht zwangsläufig der stärkste Song.

Fazit Trespass stellt ein zeitgeschichtlich interessantes Album dar. Es ist kein schlechtes Album, aber nicht das Beste der klassischen Progphase von Genesis. Da würden sich m. E. eher die folgenden Alben empfehlen. Aber wie schon tausendmal erwähnt: das ist Geschmackssache. Am Ende ist Trespass für Genesis Fans sowieso ein Muss, einfach weil es ihre Entwicklung perfekt illustriert. Ich würde es darüber hinaus jedem Fan des klassischen Prog-Rock empfehlen.

Trackliste

  1. Looking For Someone 7:06
  2. White Mountain 6:45
  3. Visions Of Angels 6:51
  4. Stagnation 8:50
  5. Dusk 4:13
  6. The Knife 8:56

Rezensent: MP