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Albumbesprechung Genesis - From Genesis To Revelation

Interpret: Genesis

Titel: From Genesis To Revelation

Erscheinungsjahr: 1969

Genre: Prog Rock

Bewertung: Wertung: 4 von 10 Sternen

(4/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

From Genesis to Revelation ist der Titel des Debütalbums von Genesis. Veröffentlicht wurde das Album im März 1969.

Das Debütalbum von Genesis war kein Erfolg, es wurde lange Zeit mehr oder weniger 'unterschlagen' - selbst Genesis Fans wussten lange nichts von diesem Album oder sie wollten einfach nichts davon wissen. Die Verkaufszahlen lagen damals bei knapp 650 Einheiten, was natürlich enttäuschend war. Weder die zuvor veröffentlichten Singles noch das Album konnten charten. In den USA wurde das Album erstmals 1974 veröffentlicht, als Genesis schon bekannter waren. Damals erreichte das Album die Billboard 200 US Charts.

Etwas zur Entstehung des Albums

Zum Zeitpunkt der Einspielung bestand die Band aus Peter Gabriel (Gesang, Flöte), Tony Banks (Tasteninstrumente, Gesang), Anthony Phillips (Gitarren, Gesang), Mike Rutherford (Bass, Gitarre, Gesang) und John Silver (Schlagzeug, außer Silent Sun). Die Band ging aber hervor aus zwei Schülerbands der Privatschule Charterhouse: Anon und Garden Wall. Nach Auflösung der beiden Bands formierte sich die Band The New Anon mit Phillips, Rutherford, Gabriel, Banks und dem ersten Drummer Chris Stewart. Sie nahmen ein Demo auf, welches u. a. an den ehemaligen Charterhouse-Schüler Jonathan King ging. Der war durchaus angetan und nahm die Band unter seine Fittiche. Zunächst ging es daran, die Songs "She's Beautiful", "Try a Little Sadness" sowie "Where the Sour Turns to Sweet"und "The Image Blown Out" als Singles zu veröffentlichen - die Aufnahmen erfolgten in den Regent Sound Studios in London. Auch wenn es kommerziell schlecht lief, blieb King bei der Überzeugung, dass es die Musiker schaffen können. Er bot ihnen einen Vertrag bei seiner JonJo Music incl. Plattendeal bei Decca. Das damals relativ langfristig angelegte Angebot wurde auf Drängen der Eltern verkürzt, da die Musiker zwischen 15 und 17 Jahren alt waren und nach Ansicht der Eltern zuerst die Schule beenden und ggf. richtige Ausbildungen anstreben sollten. Drummer Stewart übrigens war schon nach der Aufnahme der zweiten Single ausgestiegen um sich auf das Studium zu konzentrieren - für ihn kam im Verlauf der Aufnahmen zum Album John Silver.

Auch wenn King das Potential der Musiker anerkannte, so war war doch weniger begeistert von deren Streben nach eher längeren und komplexeren Songs und Idee. Er wollte kurzes und eingängiges Material, umso erstaunlich war es in der Hinsicht, dass gerade er den Musikern ein Konzeptalbum vorschlug. Die Band sollte die Schöpfungsgeschichte von der Genesis (Book Of Genesis) bis zur Offenbarung des Johannes (Book Of Revelation) musikalisch umsetzen und die einzelnen Tracks mit kurzen Instrumentalpassagen verbinden. Für die Band passte das, auch Kings Vorschlag, die Band einfach Genesis zu nennen. Alles gut gedacht, am Ende aber doch mit einigen Problemen behaftet. Da es zeitgleich in den USA eine Band namens Genesis gab, musste man beim Release auf den Aufdruck des Bandnamens verzichten. Somit stand nur in Gold auf Schwarz auf dem Album From Genesis To Revelation, was wiederum Plattenhändler dazu veranlasste, das Album in die Ecke religiöser Musik zu stellen. Alles was man in den USA machte, war zunächst unter dem Bandname Revelation möglich, im UK blieb man beim Bandnamen Genesis. Vielleicht alles keine optimale Bandförderung, andererseits war King später der Meinung, dass die Decca ihn und die Band einfach zu wenig bezüglich der Promotion unterstützte. Vielleicht ging alles auch etwas schnell. Die Aufnahmen waren aber angeblich zwei Tagen im Kasten und nach 10 Tagen fertiggestellt. Produzent war King, die Aufnahmetechnik erledigten Brian Roberts und Tom Allom. Greenslade and Lou Warburton fügten Streicher und Bläser zu. Letzteres geschab aber ohne Wissen der Band, die sozusagen auf den zweiten Stereokanal 'verbannt' wurde. Dadurch litt die Qualität der Songs nach Ansicht der Musiker. Anthony Phillips war so verärgert, dass er das Studio angeblich wutenbrannt verließ.

Am Ende war das Album einfach nicht erfolgreich genug. Banks, der dem Album später viele gute Seiten abgewinnen konnte, warf zunächst hin um sich um ein Studium zu kümmern. Im Grund galt die Band als aufgelöst Vielleicht nur eine Finte, um aus dem Vertrag mit King und Decca zu kommen. Man weiß es nicht.

Schon im September 1969 beschlossen Gabriel, Banks, Rutherford und Phillips, es professionell als Genesis zu versuchen. Dabei ersetzten sie Drummer Silver durch John Mayhew, sie tourten intensiv und konnten sich mit ihrer 'Sitz' im Ronnie Scott's in London eine treue Fanbase aufbauen. Tony Stratton-Smith begann sich für die Band zu interessieren, bot ihnen einen Vertrag bei seinem Charisma Label und der Rest ist musikalische Geschichte.

Die Songs

Das erfolglos auf Single veröffentlichte Where The Sour Turns To Sweet eröffnet das Album und weist ein Stück weit den Weg - bestimmendes Piano plus Akustikgitarre, wenig vernehmbare Rhythmussektion, dafür aber eine etwas erdrückende Streicher- und Bläserpräsenz. Vor allem Gabriel kann ansatzweise zeigen, wohin es später gehen soll. Ansonsten würde ich diesen Song als solide Beatmusik einstufen. Ähnliches gilt für In The Beginning, auf dem Gabriel über den Anbeginn der Zeit philosophiert. Hier wirkt die Musik etwas psychedelisch mit einem leicht elegischen Ende.

Der Fireside Song macht da weiter, hat einen gewaltigen Beat-Hau und erneut die bräsigen Strings. Es hilft wenig, dass Gabriel über schöne Akustikgitarrenmotive die Welt in Confusion und den Wunsch nach Frieden besingt. The Serpent ist einerseits interessanter aufgebaut, erinnert an klassischen Psychedelic und etwas an Beatmusik. Nicht schlecht, aber irgendwie auch etwas zerfahren.

Am I Very Wrong ist eine akustische Ballade mit Bezug zum psychedelischen Beat. Die rein balladesken Motive finde ich überzeugend, weniger gut wird es in den stärker instrumentieren Phasen. In the wilderness steigert das Niveau m. E. nicht, es klingt mir zu sehr nach Bee Gees. The Conqueror entfernt sich einmal mehr kaum vom klassischen Beat, ist aber in der Form einer der stärkeren Tracks.

In Hiding klingt erneut eher nach etwas anderem, hier nach Beatles und Bee Gees. Damit weit entfernt vom klassischen Prog, aber immerhin ordentlich gemacht. One Day hält diesen Kurs, aber hier stören einmal mehr die Bläser, Streicher und Chören. Immerhin gibt es Motive, welche an die späteren Genesis erinnern - manches durchaus in Harmonik und Melodik auch an die frühen Marillion.

Window ist eine weitere Nummer, die man einfach nicht so recht beschreiben kann oder will. Banks deutet an, was später kommt - aber Gabriel erinnert mich mit dem extrem räumlichen Sound eher an Simon And Garfunkel denn an Genesis. In Limbo würde ich als Totalausfall bezeichnen, ebenso das stark an die Bee Gees angelehnte The Silent Sun. Angeblich war der Song eine Persiflage auf die Bee Gees - da diese eine Lieblingsband von Jonathan King war. King widersprach dem später. Nun gut, der Bee Gees Nähe kann man kaum widersprechen. A Place To Call My Own schließt das Album durchaus gelungen ab - bliebe es nur eine Pianoballade. Aber leider gibt es schlussendlich erneut eine übermächtige Prise Bläser. Schade.

Fazit Zum Album habe ich schon viel gesagt, vielleicht halte ich mich beim Fazit kürzer. From Genesis To Revelation ist ein Album, welches für a) Progfans gänzlich inakzeptabel sein dürfte, für b) Genesis Fans zur Komplettierung der Sammlung zwar essentiell aber keinesfalls das beste im Bandkatalog sein dürfte und für c) alle anderen ein, sagen wir mal, durchschnittliches Beatalbum ist. Keine Frage - die Konzeptgestaltung mit den instrumentierten Übergängen ist interessant, aber die Umsetzung ist weder musikalisch noch textlich überragend. Dafür ist das Album in der Hinsicht interessant, weil es sozusagen den Weg jugendlicher Musiker zur Proginstitution vervollständigt.

Trackliste

  1. Where the Sour Turns to Sweet 3:14
  2. In the Beginning 3:42
  3. Fireside Song 4:16
  4. The Serpent 4:36
  5. Am I Very Wrong? 3:28
  6. In the Wilderness 3:21
  7. The Conqueror 3:44
  8. In Hiding 2:56
  9. One Day 3:16
  10. Window 3:53
  11. In Limbo 3:06
  12. The Silent Sun 2:08
  13. A Place to Call My Own 1:57

Rezensent: MP