Beachten Sie bitte vor Nutzung der Webseite die Datenschutzerklärung. Mit Nutzung der Webseite akzeptieren Sie diese.

Albumbesprechung Chopyn - Grand Slam

Interpret: Chopyn

Titel: Grand Slam

Erscheinungsjahr: 1975

Genre: Rock, Art-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Grand Slam ist der Titel eines Albums der britischen Band Chopyn. Veröffentlicht wurde das Album im Jahr 1975 bei Jet Records, eingespielt in der Besetzung Ray Russell (Gitarre, Sitar, Gesang), Ann Odell (Gesang, Percussion, Keyboards), Denny McCaffrey (Gesang), Simon Colclough (Gesang), Clyde McMullen (Bass, Gesang) und Simon Phillips (Schlagzeug).

Es war das einzige Album dieser Band, die von Russell und Odell ins Leben gerufen wurde. Nach dem Album Release und der Veröffentlichung des Tracks In The Midnight Hour als Single tourten Chopyn zwar intensiv u. a. mit ELO, aber nach Management Problemen kam das Aus.

Erstaunlich, denn die Band war sehr gut besetzt und konnte musikalisch überzeugen. Sängerin, Keyboarderin und Songwriterin Odell z. B. war bei Blue Mink und hatte 1973 mit A Little Taste ein von der Kritik hochgelobtes Soloalbum vorgelegt. Russell war seit den 60ern ein gefragter Musiker und spielte u. a. mit Georgie Fame, Mike Gibbs oder z. B. mit Alex Harvey im Rock Workshop. Denny McCaffrey war seit den 60ern Sänger in diversen Projekten wie den Stonemakers, Baby Ruth und McCaffrey.

Simon Phillips war damals gerade mal 18 Jahre alt und trotz seiner Jugend ein aufstrebender Drummer. Man könnte Chopyn als seine erste große Station bezeichnen, was danach kam ist sozusagen Geschichte. Das waren die bekannten Namen der Band, alleine Colclough und McMullen waren bzw. sind vergleichsweise unbekannte Namen,

Soweit in aller Kürze zur Band, nun zur Musik. Chopyn wird bzw. wurde in der Regel als eine Band aus dem Bereich Art-Rock bis Prog-Rock bezeichnet. Bei dem Bandnamen und der Besetzung wundert es nicht, allerdings kommen beim ersten Reinhören ins Album gewisse Zweifel auf.

Die Band interpretiert den Pickett Klassiker Midnight Hour kraftvoll, extrem groovy und auf den Punkt. Weniger Art-Rock als vielmehr ein Song, der wie geschaffen für den Tanzboden scheint.

Auch der Non-Commerical Blues überrascht zunächst vor allem mit Funk und Soul, allerdings nähert sich die Band hier auch dem Fusion. Ähnlich geht es weiter mit Backstage, hier klingt die Band nach Westcoast Fusion. Space Nativity wird von Odell in der klassischen Piano Singer Songwriter Tradition vorgetragen. Das musikalische Thema ist interessant aufgebaut, es erinnert an die Klassik eines Debussy, andererseits wird es zum Text passend mit spacy Interludes aufgelockert.

Wasting Time hat mehr Dampf, erneut ein 'souliger' Song mit gutem Groove. Sehr zeitgemäß und recht stark auf den nordamerikanischen Markt ausgerichtet. Girl At The Top Of the Stairs wird von Sitar und Clavinet zurückhaltend eröffnet und lässt irgendwie mehr erhoffen, als danach kommt. Der soulige Discosound wirkt in diesem Fall banal, einzig der Refrain sorgt für Höhen.

Insomniac Arrest von Odell ist ein Song mit schöner kleiner Story, erzählt vor allem über E-Piano und Gitarrenbegleitung. Das hat durchaus etwas vom britischen Art-Rock jener Tage. Es folgt mein persönliches Highlight, die Bearbeitung des Quantum Jump Songs Laughing Tackle. Das ist extrem grooviger Jazz-Fusion, manchmal mit einem leichten Santana-Hau. Mit einem kleinen Phillips Drumsolo geht es über in den prächtigen Song Somebody Gotto Go, der das Latinflair übernimmt und mit europäisch geprägten Gesangslinien kombiniert.

Das Originalalbum wurde mit dem melancholischen Lovesong You Never told Me Your Last Name beendet. Odell kann unnötigen Schwulst vermeiden und legte einen gelungenen Song vor. Auf der späteren CD-Ausgabe gab es den Track Funky Lady obendrein, welcher, Nomen est Omen, eine gute Prise Funk versprüht.

Fazit Grand Slam von Chopyn ist, vorab gesagt, ein Fall für meine Hidden-Gem Kategorie. Was die Band ablieferte, war überdurchschnittlich gut. Ann Odell brillierte als Songwriterin, Sängerin und nicht zuletzt mit ihrer Keyboard-Arbeit. Russell ergänzte an der Gitarre hochklassig, weil sehr zurückhaltend und songdienlich. Die Rhythmussektion mit McMullen und Phillips agierte überragend. Phillips bot schon damals ein unglaublich variables und druckvolles Spiel an und konnte sich in der Folge zu einem der Superdrummer weltweit entwickeln. McMullen ergänzte ihn perfekt, schade nur, dass man später nichts mehr von ihm hörte. Zusammengefasst ist Grand Slam von Chopyn ein bärenstarkes Album, damals sträflich übersehen von der Fachpresse, heute eine Zierde in der Sammlung des Classic-Rock Fans.

Trackliste

  1. Midnight Hour (Cropper, Pickett)
  2. Non-Commercial Blues (Odell)
  3. Backstage (Odell)
  4. Space Nativity (Odell)
  5. Wasting time (McMullen, Russell)
  6. Girl At The top Of The Stairs (Dave Pierce, Steve Hammond)
  7. Insomniac Arrest (Odell)
  8. Laughing Tackle (Peter Robinson)
  9. somebody Gotto Go (Odell)
  10. You Never Told Me Your Last Name (Odell)
  11. Bonustrack: Funky Lady (Odell)

Rezensent: MP