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Albumbesprechung Kate Bush - Never For Ever

Interpret: Kate Bush

Titel: Never For Ever

Erscheinungsjahr: 1980

Genre: Pop-Rock, Art-Pop

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Never for Ever ist der Titel des dritten Studioalbums von Kate Bush. Das Album erschien im September 1980. Es war das erste Kate Bush Album, welches Nr. 1 der UK-Album Charts erreichte. Gleichzeitig war es das erste Album einer weiblichen britischen Solokünstlerin, welches die Nr. 1 erreichen konnte (zuvor waren zumindest nur Compilation Alben z. B. von Barbra Streisand, Connie Francis oder Diana Ross auf die Topposition gelangt). Mit Babooshka ist einer der größten Kate Bush Hits auf dem Album enthalten, weitere Singleauskopplungen waren Breathing und Army Dreamers.

Zur Entstehung

Kate Bush ging ab Herbst 1979 an das Album, die Aufnahmen an sich zogen sich etwa von Januar 1980 bis Mai 1980. Aufgenommen wurde in den Abbey Road Studios. Kate Bush wollte sich weiter entwickeln und Neues ausprobieren, viele Ideen brachte sie von ihrer Zusammenarbeit mit Peter Gabriel auf dessen dritten Album mit. Relativ neu war z. B. ihre Arbeit mit dem Fairlight CMI Synthie ebenso wie die Nutzung von Drumcomputern. Alleine dadurch setzte sie sich vom klassischen Stil der vorherigen Alben ab.

Auch besetzungsmäßig änderte sich Einiges. Die alte Stammbesetzung spielte keine große Rolle mehr. Ian Bairnson war nur noch auf einem Track aktiv, Duncan Mackay auf zwei und Stuart Elliott auf drei Tracks. Dafür spielte ihre KTB mit Brian Bath und Del Palmer eine wichtige Rolle, zudem Gitarrist Alan Murphy, Keyboarder Max Middleton und Drummer Preston Heymann. Mit dabei waren auch bekannte Session Musiker wie John Giblin und Morris Pert (bekannt z. B. durch ihre Arbeit bei Brand X).

Als erste Singleauskopplung kam Breathing (UK Charts Rang 16) auf den Markt, danach Babooskha (UK-Charts Rang 5) und als finale Single Army Dreamers (UK-Charts Rang 14). Das Album wurde offiziell am 07. September 1980 vorgestellt, in den USA wurde es wegen des schlechten Abschneidens des Debütalbums zunächst nicht veröffentlicht. Dort kam es erst 1984 auf den Markt, nachdem ihr Album The Dreaming gut charten konnte.

Die Songs

  • Babooshka wurde im Juni 1980 als Single ausgekoppelt. Der Song hielt sich in Großbritannien 10 Wochen in den Charts und erreichte als beste Platzierung Rang 5 der Charts. In Australien gehörte der Song zu den 20 bestverkauften Singles des Jahres. Kate Bush schrieb den Song über eine Frau, welche die Treue ihres Mannes testen wollte. Dazu legt sie sich den Namen Babooshka zu, um ihrem Mann eindeutige Briefe einer vermeintlich jüngeren attraktiven Frau zu senden. Ihre Befürchtung war, dass sie selbst diesem Typus überhaupt nicht mehr entspricht bzw. ihr Mann sie nicht mehr so sieht. Tatsächlich ist ihr Mann sehr angesprochen von Babooshka. Im Grund mag er an Babooshka das, was er früher an seiner Frau liebte. Die ist jedoch mittlerweile verbittert und benimmt sich zuweilen paranoid. Das Ganze spitzt sich zu, als sie tatsächlich als Babooskha ein Treffen mit ihrem Mann vereinbart. Es endet mit der Trennung und der Erkenntnis, dass am Ende die Paranoia der Frau die Ehe zerstörte. Im Musikvideo stellt Bush sowohl die Frau als auch die Babooshka dar, ein Kontrabass im Bild steht sozusagen als Sinnbild für den Ehemann. Der Bass an sich schien für Kate ohnehin etwas Männliches darzustellen. Sie mochte den Sound, vor allem Fretless-Sounds gefielen ihr sehr. Hier spielte John Giblin spielt die Bassparts, welche Bush ausdrücklich hervorhob. Im Song hört man das Sample von brechendem Glas, erzeugt durch den Fairlight.
  • Delius schrieb Kate Bush als Tribut für den englischen Komponisten Frederick Delius, die Inspiration kam von Ken Russell's Film Song Of Summer. Der Film skizziert die letzten Jahre des Frederick Delius. Der Song wird geprägt von den Drumcomputer-Sounds, dazu gibt es viele Experimente was den Song zu einer Art Ambient macht.
  • Blow Away (For Bill) war Bill Duffield gewidmet. Duffield war ehemaliger Beleuchtungsdirektor, er kam während ihrer 1979er Tour bei einem Unfall im Poole Arts Centre ums Leben. Kate Bush macht sich allgemein Gedanken zum Thema Tod, um die Angst vor dem Tod und Nahtoderlebnisse. Es geht auch darum, ob und wie die Seelen verstorbener Musiker oder Dichter im Jenseits womöglich in einer Art kollektivem Bewusstsein zusammenkommen. Im Song erwähnt Kate Bush auch die Namen einiger verstorbener MusikerInnen wie Minnie Riperton, Keith Moon, Sid Vicious, Buddy Holly und Sandy Denny. Musikalisch nähert sie sich Motiven der ersten beiden Alben.
  • All We Ever Look For ist ein Song mit einem stark folkigen Einschlag, zumindest klingt es für mich so. Inhaltlich ging es lt. Kate Bush um Familienbeziehungen im Allgemeinen.
  • Egypt steht inhaltlich für unterschiedliche Wahrnehmung, hier am konkreten Beispiel Ägypten. Menschen sehen zunächst nur das Schöne des Landes, die negativen Seiten (politische Lage, Menschenrechtsverletzungen) weniger. Sie will aufzeigen, wie offen wir einerseits für die schönen Dinge sind, wie gerne wir dafür aber unangenehme Realitäten ausblenden. Der Song ist musikalisch zunächst sehr sparsam aufgebaut, Kate steigert das aber bis sie gegen Ende in fast schon progressiven Gefilden landet.
  • The Wedding List nutzt als Inspiration den Francois Truffaut Klassiker 'Die Braut trug Schwarz'. Während einer Hochzeit wird der Bräutigam von einer Gruppe von fünf Personen (eher zufällig) ermordet. Die Braut macht es sich zur Aufgabe, jeden der fünf aufzuspüren und die Personen umzubringen. Für Kate geht es in erster Linie um die Darstellung der manchmal unglaublichen und schrecklichen Kraft der Rache. Es entstehen am Ende aus einem Getöteten drei Opfer: der Bräutigam, der auf der Liste oben stehende Mörder und die Braut selbst, die nach Erledigung ihrer Aufgabe ohne Lebensinhalt stirbt. Musikalisch eine Art Medium Rocker mit einer interessanten wavigen Note, könnte auch Künstlerinnen wie Toyah beeindruckt haben.
  • Violin ist ein kryptischer Song. Möglicherweise geht es um das Instrument an sich (zumal z. B. Paganini gewürdigt wird). Möglicherweise ist die Violine aber auch Symbol z. B. für die Weiblichkeit. Angeblich soll Kate Bush in jungen Jahren Geigenunterricht gehabt haben und sie empfand das Instrument manchmal als bedrohlich, den Unterricht an sich als verwirrend. Sie spürte aber auch die Kraft des Instruments, wenn es in richtigen Händen ist. Musikalisch rockt Kate bemerkenswert, fast schon mit einer leicht punkigen Note.
  • Infant Kiss wurde inspiriert vom Film The Innocents bzw. dessen Vorlage der Novelle The Turn Of The Screw. Es geht um ein Kindermädchen, welches mit ihren Gefühlen für einen Schützling hadert, der wiederum vom Geist ihres ehemaligen Geliebten in Besitz genommen wurde. Musikalisch knüpft sie in opulenter Weise an Motive der Vorgängeralben an.
  • Night Scented Stock besteht aus mehrspurigen Vocals, der Song dient sozusagen als Übergang zu Army Dreamers.
  • Army Dreamers war die dritte und letzte Singleauskopplung. Der Song schaffte es bis auf Rang 16 der UKCharts. Es geht um den Krieg an sich und die Folgen, hier konkret um den Kummer einer Mutter um ihren Sohn, der bei Militäreinsätzen ums Leben kam. Sie macht sich Vorwürfe und fragt sich, was sie selbst hätte tun können und seinen Tod zu verhindern. Der Song wurde im ¾ Takt eingespielt, relativ ungewöhnlich für Bushs bisherige Arbeiten. Ebenfalls bemerkenswert ist ein bewusst eingestreuter irischer Akzent, Kate Bush wollte damit nach eigenen Aussagen nicht auf die Spannungen in Nordirland/Irland anspielen. Interessanterweise wurde Army Dreamers während des Golfkriegs von der BBC auf eine Liste von Songs gesetzt, welche nicht im Radio gespielt werden dürfen.
  • Breathing schließt das Album ab, der Song wurde als Single ausgekoppelt. Für viele Betrachter war es das Meisterstück, auch in Progkreisen kam der Song mit der subtilen Pink Floyd Note gut an. Auch für Kate Bush war es, nach eigenen Aussagen, das Beste, was sie je geschrieben und produziert hat. Es war ihre eigene Symphonie und sie schrieb das Album unter dem Eindruck, den The Wall bei ihr hinterließ. Inhaltlich ist es, einmal mehr, ein Schwergewicht. Es geht um die Warnung und Bitte eines Geistes der Zukunft, die Menschheit und den Planeten vor der unwiderruflichen Zerstörung zu bewahren. Die Story ist aber komplexer: es handelt vom ungeborenen Baby im Mutterbauch zur Zeit einer Atomkatastrophe. Das Baby ist sozusagen schon komplett entwickelt und nimmt bewusst wahr, was im Außen passiert. Es ist eine Anklage gegen Atomwaffen: es kann jeden treffen und im Grund sind wir alle unschuldig oder genauer: zumindest verdient es niemand, so zu sterben.

Fazit Never For Ever ist ein weiteres durchaus kontrovers diskutiertes Album von Kate Bush. Wer nur genau genug sucht, findet am Ende überall irgendwas zu mäkeln. Im Fall Kate Bush ist das nun wirklich ein dauerhaftes Mäkeln einiger Kritiker auf enorm hohen Niveau. Sie liefert immer gut ab, ihre Werke sind immer beachtlich und bieten einigen Tiefgang. Auf diesem Album ging sie im Grund auch den Schritt weiter, den viele Kritiker auf Lionheart noch vermissten. Damals nannte man Lionheart einen mittelmäßigen Aufguss des Debüts - hier ging Kate Bush dann viel zu weit. Da meckerte man über zuviele synthetische Sounds, zuviel Sampling, zuviel Pop und so weiter. Egal - schon das eingängige Babooshka steht qualitativ weit über der Standard-Popwaren. Beachtlich ist auch die Art und Weise, wie sich Kate Bush veränderte. Sie experimentierte mit dem Fairlight und Drumcomputern, machte das aber zum Teil ihres Konzepts. D. h. sie nahm den Input auf und verfeinerte damit ihr Konzept. Am Ende ist Never For Ever etwas anders als The Kick Inside und Lionheart, gleichzeitig aber um keinen Deut schlechter.

Trackliste

  1. Babooshka 3:20
  2. Delius (Song of Summer) 2:51
  3. Blow away (For Bill) 3:34
  4. All we ever look for 3:48
  5. Egypt 4:12
  6. The Wedding List 4:15
  7. Violin 3:15
  8. The infant Kiss 2:50
  9. Night scented Stock 0:51
  10. Army Dreamers 2:58
  11. Breathing 5:29

Rezensent: MP