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Albumbesprechung Blue Öyster Cult - Blue Öyster Cult

Interpret: Blue Öyster Cult

Titel: Blue Öyster Cult

Erscheinungsjahr: 1972

Genre: Rock, Psychedelic, Hard-Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Blue Öyster Cult ist der Titel des Debütalbums der gleichnamigen Band Blue Öyster Cult. Veröffentlicht wurde das Album im Jahr 1972, eingespielt in der Stammformation Eric Bloom (Gesang, Gitarre, Keyboards), Donald 'Buck Dharma' Roeser (Leadgitarre), Allen Lanier (Keyboards, Gitarre), Joe Bouchard (Bass, Gesang) und Albert Bouchard (Schlagzeug, Gesang).

Das Album war kommerziell nicht besonders erfolgreich, es schaffte erst nach längerer Zeit den Einzug in die Billboard 200 und erreichte dort als beste Platzierung Rang 172. Da wir vom Debütalbum sprechen, sollte man kurz etwas zur Entstehung der Band sagen: Blue Öyster Cult waren so etwas wie ein Vehikel für den in den USA recht bekannten Musikkritiker Sandy Pearlman. Der schrieb eigene Texte und suchte Ende der 1960er eine Band, welche seine Texte vertonen sollte. Daraus entwickelte sich nach einigen erfolglosen Auftritten und Namensgebungen (Underbelly bzw. Soft White Underbelly, Oaxaca, Stalk-Forrest Group) Anfang der 1970er Blue Öyster Cult. Pearlman wollte, nach eigenen Angaben, mit dieser Band eine US-Version von Black Sabbath kreieren.

1972 wurde dieses Debütalbum veröffentlicht, auf dem die Band einen ersten Eindruck vermittelte, wohin die Reise gehen sollte. Mit den Titeln Cities On Flame With Rock And Roll, Stairway To The Stars und Then Came The Last Days Of May legten BÖC drei Bandklassiker vor, der kommerzielle Durchbruch gelang jedoch nicht. Ganz konkret: die Band erreichte die Musikfans nicht, die vielleicht tatsächlich etwas wie Black Sabbath erwarteten und etwas anderes bekamen. Dafür ging Pearlmans Plan insofern auf, dass er ein Projekt anschob, welches vor allem seine Kritikerkollegen ansprach. Kollege Christgau, sonst gerne einmal ein Freund von Verrissen, sprach von einem elementaren Album des Hard Rock und dem wichtigsten seit Who's Next. Für Christgau so ziemlich das höchste an Lob, was es auszuschütten gab.

Die Songs

  • Musikalisch geht es zunächst mit einem relativ unkomplizierten Riffrock mit gutem Drive Los. Transmaniacon MC verarbeitet die Ereignisse des Altamont Free Concert. Zur Erinnerung: auf dem Konzert spielten die Stones, die wiederum die Hell's Angels als Ordner einstellten. Am Ende war ein Todesopfer zu beklagen und mit diesem starb auch endgültig der unbedarfte Geist von Woodstock. Die Band vearbeitete das Ereignis mehr oder weniger kritisch, interessant die möglicherweise gewollte Annäherung im Gesang an die Stones.
  • I'm on the Lamb but I Ain't No Sheep entstammt einer alten Songidee, welche hier neu aufbereitet wurde. Scheinbar ein wichtiger Song für die Band, die das Thema auf dem nächsten Album mit deutlich mehr Speed noch einmal verarbeitete. Das genannte Riff scheint stark vom Captain Beefheart Track Frying Pan geprägt, grundsätzlich hat der Song vor allem Züge eines gepflegten psychedelischen Boogie-Rock, gegen Ende haut die Band noch einmal mächtig auf die 'Kacke'.
  • Then Came the Last Days of May erzählt eine wahre Geschichte um Freunde, die bei einem (vermeintlichen) Drogengeschäft ums Leben kamen. Passend die melancholische Note, den Song nutzte Roeser Live gerne für ausufernde Gitarrensoli.
  • Stairway To the Stars ist eine weitere Klassiker der Band. Hier dominiert ein bluesbeeinflusstes Hauptriff - Hooker meets Greenbaum - darum herum entwickelt die Band einen guten Rocksong. Live war das zweifellos eine Bank.
  • Before the Kiss, a Redcap wurde zunächst unter dem Titel Conry's Bar geplant. Es handelt erneut von realen Gegebenheiten, hier um eine Bar in der man sich gut mit Drogen eindecken konnte. Es ist wieder ein Song mit einem recht bluesigen Main-Riff, gesanglich tendiert die Band in Savoy Brown Richtung - plus einer dazu passenden Jazz-Blues Einlage.
  • Es schien fast so, als wollte man damals mit der B-Seite der LP tatsächlich eine ganz andere Seite zeigen. Screams ist extrem psychedelisch mit einem gewaltigen Endsechziger-Hau und klingt insgesamt irgendwie spooky.
  • Screams geht sozusagen direkt ins kurze She's as Beautiful as a Foot über, der Song ist noch etwas psychedelischer angelegt. Frisco Sound meets Pink Floyd, hätte auch gut als Filmmusik getaugt. Schräg, aber gut.
  • Cities on Flame with Rock and Roll wurde erfolglos als Single ausgekoppelt. Am Beispiel dieses Songs zeigt sich vielleicht auch einiges, was nicht ganz so perfekt lief. Tatsächlich konnte man im Riff eine deutliche Nähe zu Black Sabbath heraushören, konkret orientierte sich die Band mit Pearlman am Sabbath Song The Wizard. Im Grund hat man das gut hinbekommen, es wäre eine gute Alternative gewesen. Aber brauchte man diese wirklich und wollte die Band das tatsächlich sein? Ich glaube: nein. Der Rest des Albums beweist es.
  • Workshop of the Telescopes ist ein weiterer Song, der weniger Hard oder Heavy als vielmehr reichlich Psychedelisch daherkommt. Das konnte die Band einfach gut, herrlich der leicht verrückte Gesang von Bloom, den Dave Mustaine später perfektionierte.
  • Redeemed war mutmaßlich vor allem eine Komposition von Harry Farcas, er hat den Titel angeblich an die Band 'verkauft'. Könnte gut sein, denn hier schlug die Band zum Abschluss noch einmal ein ganz anderes Kapitel auf. Etwas Singer Songwriter Feel, etwas Americana mit subtilen Country Momenten, etwas Beat-Feel plus subtilen Psychedelic Elementen. Im Albumkontext eigentlich unpassend, aber letzten Endes doch ein guter Song.

Fazit Das Debütalbum der Band Blue Öyster Cult fällt oft 'unter den Tisch'. Bemerkenswert, denn die Band hat für damalige Verhältnisse tatsächlich ein überrangendes Statement des härteren Rock in den USA gegeben. Jeder Song kann, für sich genommen, überzeugen. Es gibt keine Ausfälle, es gibt aber auch nicht die 'Übernummer'. Am Stück gehört macht das Album einfach Laune. Genauer: die erste Seite rockt tendenziell gut, die zweite Seite hält einige prima psychedelisch angehauchte Bonmots vor. Am Ende war die Vielfalt vielleicht die Krux, vor allem für eine Band die in erster Linie als Sabbath Alternative gepriesen wurde - Sabbath Feeling kam praktisch einzig mit Cities On Flame auf, darüber hinaus gibt es vor allem eine gute Boogie-Härte, die immer wieder mit psychedelischen Momenten konterkariert wurde. Daher vielleicht nicht unbedingt der brandheiße Tipp für Sabbath Fans, dafür umso mehr für Fans des guten Classic-Rock.

Trackliste

  1. Transmaniacon MC 3:21
  2. I'm on the Lamb but I Ain't No Sheep 3:10
  3. Then Came the Last Days of May 3:31
  4. Stairway to the Stars 3:43
  5. Before the Kiss, a Redcap 4:59
  6. Screams 3:10
  7. She's as Beautiful as a Foot 2:58
  8. Cities on Flame with Rock and Roll 4:03
  9. Workshop of the Telescopes 4:01
  10. Redeemed 3:51

2001 CD reissue bonus tracks (Aufnahmen von 1969 als Soft White Underbelly mit Andy Winters als Bassist)

  • Donovan's Monkey 3:50
  • What Is Quicksand 3:40
  • A Fact About Sneakers 2:50
  • Betty Lou's Got a New Pair of Shoes 2:34

Rezensent: MP