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Albumbesprechung Bachdenkel - Lemmings

Interpret: Bachdenkel

Titel: Lemmings

Erscheinungsjahr: 1973

Genre: Psychedelic, Prog

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Lemmings ist der Titel des Debütalbums der Band Bachdenkel. Das Album wurde 1970 aufgenommen, kam aber erst im Jahr 1973 auf den Markt.

Eingespielt wurde das Album in der Besetzung Peter Kimberley (Bass, Piano auf Equals, Gesang), Colin Swinburne (Gitarre, Orgel, Piano, Gesang - †2021) und Brian Smith (Schlagzeug, Percussion), Karel Beer fungierte als Gastmusiker auf einem Track.

Lemmings gehört zu den Alben, welche zum Zeitpunkt des Erscheinens wenig erfolgreich waren, die aber mittlerweile in Classic-Rock Kreisen hoch gehandelt werden. Die Geschichte der Band ist ebenfalls zeittypisch alles andere als 'normal'. Bachdenkel planten zunächst einen LP plus EP, das Material dazu wurde größtenteils im Sommer 1970 in Frankreich eingespielt. Irgendwann ging mutmaßlich das Geld aus, wodurch sich eine Besonderheit ergab: es gab Labelangebote von CBS oder Warner Bros., der Studioeigner verweigerte aber aufgrund der offenen Rechnungen die Herausgabe der Masterbänder. Zu einer Lösung kam es erst, als man den Studioeigner überzeugen konnte, das Material in gekürzter Form als LP bei Philips Frankreich zu veröffentlichen. Theoretischer Release war damit 1973, für die breite Masse gab es das Album aber meist erst 1978.

Sehr verworren und speziell. So speziell, wie die Band selbst. Eine Band mit dem Namen Bachdenkel, die aus dem Raum Birmingham kam und nicht etwa aus Deutschland. Entstanden um 1968 als U No Who/You Know Who, benannte sie sich irgendwann in Bachdenkel um und zog nach Frankreich um dort ihre Pläne für ihr erstes ambitioniertes Werk zu realisieren. Hintergrund war das recht große Interesse in Frankreich nach Rockbands in Folge der heißen 1968er. Dann die oben angesprochenen Probleme und der damit verbundene späte Release, der praktisch ungehört verschallte. Was blieb, war ein Hidden Gem der Rockmusik. so sehen es zumindest viele Fans des Classic Rock. Auch der Rolling Stone kam später (angeblich) zur Erkenntnis, Bachdenkel sei 'die großartigste unbekannte Band Großbritanniens'. Die Band machte übrigens noch bis ca. 1978 weiter, 1977 erschien ihr zweites und letztes Album namens Stalingrad.

Die Songs

Translation gibt einen ersten Fingerzeig auf den typischen Sound der Band: leicht verträumt psychedelisch, eher Gitarren- denn Keyboardlastig mit schönen Dynamikwechseln. Der Song bildet einen guten Einstieg in die Bachdenkel Welt. Das folgende Equals ist ein kurzer Song, den man eher als psychedelisch eingefärbten Folk bezeichnen könnte.

An Appointment With The Master kommt mit einem vergleichsweise vehement stampfenden Rhythmus und den ebenfalls Bachdenkel typischen aufwändigen Gitarrenarrangements. Sozusagen fließend ist der Übergang in den Settlement Song, aufgrund seiner Länge einer der Kernsongs des Albums. Auch hier steht über allem eine psychedelische Grundstimmung, dazu ein vergleichsweise komplexer Aufbau. Schöner Song zwischen Beatles und Art-Rock plus hart-rockenden Passagen. Long Time Living ist eine schöne Pianoballade, wieder mit einem leichten Beatles-Psychedelic Hau.

Strangerstill beginnt mit einem reichlich 'verklärten' Gesang, wie man ihn u. a. von den Beatles kennt. Der Song wird umso psychedelischer, je mehr Druck gegeben wird. Come All Ye Faceless wird mit einem wunderschönen Gitarrenarrangement eröffnet, man könnte meinen, Michael Rother hätte da mal reingehört. Dazu eine pastorale Orgel und dann eine hart rockende Band. Ganz anders, düster und metallisch und bei allem immer mit der bekannten psychedelic-Note.

Auf späteren Pressungen gab es drei Tracks der ursprünglich mit geplanten EP. Die Tracks sind zwar vergleichbar im Stil, m. E. bieten sie aber keine Steigerung des zuvor gebotenen.

Fazit Bachdenkel waren ein Phänomen und werden zurecht als Geheimtipp hoch gehandelt. Abseits aller musikalischer Überlegungen müsste man die Band alleine wegen des Bandnamens berücksichtigen. Aber da war auch noch die Musik. Das war irgendwas zwischen Pop und Psychedelic, viel Beatles und etwas klassischer UK-Psychedelic plus einige wenige härtere Momente. So ein Album hätte eigentlich gut in die damalige Phase im Übergang zwischen klassischem Psychedelic und Prog gepasst, das Potential war da und alles ist ungemein stimmig. Vielleicht lag es vor allem am Hick-Hack um den Release und die doch sehr späte Veröffentlichung, wer weiß. Heute ist dieses Album in jedem Fall etwas für meine Hidden Gems Kategorie, ich würde es jedem Classic-Rockfan mit Primärinteresse Psychedelic/Prog wärmstens empfehlen.

Trackliste

  1. Translation (4:16)
  2. Equals (1:52)
  3. An Appointment With The Master (5:19)
  4. The Settlement Song (11:23)
  5. Long Time Living (2:22)
  6. Strangerstill (6:56)
  7. Come All Ye Faceless (9:06)

Bonus tracks 1978 'Lemmings' EP

  • The Slightest Distance (6:08)
  • Donna (4:16)
  • A Thousand Pages Before (6:32)

Extra bonus tracks on 2007 reissue

  • Through The Eyes Of A Child (1969) (4:01)
  • An(other) Appointment With The Master (3:42)
  • Strange People (Unveröffentlichte Single als U Know Who, 1968) (3:20)

Rezensent: MP