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Albumbesprechung Atlantis - Atlantis

Interpret: Atlantis

Titel: Atlantis

Erscheinungsjahr: 1973

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Atlantis ist der Titel des Debütalbums der Deutschen Band Atlantis. Das Album erschien 1973, war zum Zeitpunkt des Release aber kein großer Erfolg. Immerhin entwickelte sich das Album zu einem Meilenstein der Deutschen Rockmusik.

Atlantis entstand 1972 sozusagen aus den Resten der Band Frumpy, von dort kamen Inga Rumpf (Gesang), Jean-Jacques Kravetz (Keyboards) und Karl-Heinz Schott (Bass). Dazu gesellten sich von der Band Emergency zunächst Frank Diez (Gitarre) und Curt Cress (Schlagzeug). In der Besetzung plus Gastmusikern wie Jean Alain Roussel (Keyboards) und Reebop Kwakuh Baah ( Percussions) wurde in den Island Studios London zwischen 13. und 22. November 1972 das Debütalbum aufgenommen.

Offizieller Release war im Februar 1973, noch vor Release wurde die erste Umbesetzung bekannt gegeben: Frank Diez und Curt Cress verließen die Band, dafür kamen George Meier (Gitarre, Gesang) und Udo Lindenberg (Schlagzeug).

Die Kritiker zeigten sich vom Atlantis Erstling durchaus angetan. Aus den USA gab es viele positive Meldungen, in diversen Fachblättern jener Tage schafften es Atlantis auf vordere Ränge. Kommerziell zahlte sich das aber nicht wirklich aus. Scheinbar war die Releasepolitik des Labels unglücklich, da man praktisch zeitgleich eine Live LP von Frumpy auf den Markt brachte. Die Frumpy LP lief ordentlich (ca. 18.000 verkaufte Exemplare), da war aber wenig Platz für das Atlantis Debüt. Angeblich wurden am Ende kaum mehr als 8.000 Exemplare von Atlantis abgesetzt. Die Plattenfirma reagierte mit einem Verzweiflungsplan und wollte fortan auf jede Atlantis LP einen Sticker mit dem Slogan "Frumpy ist tot - es lebe Atlantis" aufbringen.

Am Ende stand ein Album, das hoch geschätzt wurde, welches aber kommerziell nicht gut lief. Also schien zumindest inhaltlich alles im Lot gewesen sein. Das bestätigt die Band auch gleich mit dem Opener Get Up. Der Song groovt mehr als amtlich, musikalisch fackelt die Band ein Feuerwerk zwischen funky Rock und Jazz mit Progelementen ab. Frau Rumpf singt gewohnt göttlich und Atlantis legen die Latte gleich mal sehr hoch. Big Brother kann da nicht ganz mithalten, auch wenn dieser Song mit seinem interessanten Rhythmus überzeugt. Rock'n'Roll Preacher ist einer der bekanntesten Songs des Album, der als souliger Rocksong mit einer der "internationalsten" Stimmen Deutschlands beeindruckt.

Balladesk geht es weiter mit Maybe It's Useless, useless to say, dass Frau Rumpf auch so etwas prächtig intonieren kann. Ihrer Vorliebe für "schwarze" Musik frönt Inga Rumpf mit ihrem Song Let's Get On The Road Again, mit dem sie zudem ihre Skills als Songwriterin zeigt. Living At The End Of Time war mit einer Laufzeit von über 9 Minuten der längste Song. Der Frank Diez Song shuffelt gut mit einer gewissen Southern-Allman Bros Attitüde und einigen Ausflügen Richtung Jazz-Fusion und Psychedelic. Das klingt insgesamt angenehmst krautig. Words Of Love beendet den Reigen, eine lyrische Koproduktion von Rumpf und Diez. Schön gemacht, in rockigen Teilen mit Anleihen an Bad Co./Free.

Fazit "Die englischste aller Deutschen Bands" hörte man bezogen auf Deutsche Bands immer mal wieder, selten war diese Aussage so treffend wie im vorliegenen Fall. Bei einer "Blindverkostung" dieses Albums hätten mutmaßlich wenige spontan auf eine Deutsche Band gewettet. Was Inga Rumpf und ihre Mannen ablieferten, war einfach hochklassig. Prächtige Songs, tadellose Instrumentalleistungen aller Beteiligten und über allem scheint die überragende Inga Rumpf zu schweben. Der Deutschrock-Fan muss dieses Album kennen, allen anderen sei es dringend empfohlen.

Trackliste

  1. Get Up (Inga Rumpf ) 5:20
  2. Big Brother (Inga Rumpf) 5:03
  3. Rock 'N Roll Preacher (Frank Diez) 3:39
  4. Maybe It's Useless (Lyrics Inga Rumpf, Music Jean-Jacques Kravetz) 3:39
  5. Let's Get On The Road Again (Inga Rumpf) 3:33
  6. Living At The End Of Time( Frank Diez) 9:05
  7. Words Of Love (Lyrics Inga Rumpf, Music Frank Diez) 4:52

Rezensent: MP