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Startseite » Rezensionen von A - Z » (Marius Müller) Westernhagen - In Den Wahnsinn




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CD Besprechung Westernhagen - In Den Wahnsinn

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Interpret: Westernhagen

Titel: In Den Wahnsinn

Erscheinungsjahr: 2002

Genre: Deutsch-Rock

Bewertung: Wertung: 3 von 10 Sternen
(3/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

In Den Wahnsinn ist ein Album von Westernhagen, welches im Jahr 2002 erschien. Wieder ließ sich der Meister vier Jahre Zeit, wieder produzierte er u. a. in Italien. Nachdem er sich vollmundig im Jahr 1998 verabschiedete (zumindest von den großen Bühnen), wurden ihm die vier Jahre wohl doch etwas lang. Die alten Erfolge konnte Westernhagen mit dem Album In den Wahnsinn nicht ganz bestätigen, auch wenn damals alleine 400.000 Vorbestellungen für das Album vorlagen.

Westernhagen selbst beklagte zu der Zeit eine Art Stillstand in Deutschland (Im Westen nichts Neues). Und irgendwie nahm er auch gerne mal den Mund gegenüber anderen Musikern voll - zumindest wurde das in der Presse etwas hochgekocht. Von daher machte er es sich selbst schwer. Aus dem einstigen Außenseiter wurde ein Musiker, den man praktisch nur noch in Armani-Anzügen sah. Die Ansprüche waren da doch relativ hoch.

Westernhagen merkte selbst lange nicht, wie er sich kleidete und wie er musizierte. Er zeigte sich geschockt, nachdem eine (nach seinen Aussagen) alte Dame ihn für seine schöne Musik gelobt hatte. Das wurmte ihn nach eigenen Aussagen und verletzte den aufständischen Rocker von einst. Das Album In den Wahnsinn sollte eine Zäsur werden, in jeder Hinsicht. Aber Westernhagen legte wieder ein für ihn typisches Album vor. Er liegt musikalisch wie immer zwischen Rock und Ballade. Insgesamt ist die Tendenz zwar rockiger, aber dennoch kann man nicht von Neuem Im Westen sprechen.

Die Songs:

Es ist an der Zeit beginnt rockig und vielversprechend. Der Refrain klingt aber so stark nach den Beatles, dass es wehtut. Textlich liegt Westernhagen aus meiner Sicht ziemlich daneben. Was Du ist nicht schlecht gemacht. Interessante Momente und schwächere Momente halten sich die Waage. Eine ziemlich typische Ballade ist Die Liebe lebt. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich beim Hören stark an PUR erinnert. Ob Westernhagen in die Richtung wollte, bezweifle ich.

Böser Engel klingt mit einer Kombination aus Folk, synthetischen Drums und rockigen Parts gelungen. Bei dem Song kann man wirklich von einer gewissen Weiterentwicklung sprechen. Rosen beschäftigt sich dann sehr kryptisch mit den Ereignissen des 11. September 2001. Lichterloh schockiert mich persönlich. Kaum einem Rockfan dürfte die eklatante Nähe zum Doorsklassiker The End entgehen. Allerdings lese ich dazu nichts in den Credits. Darüber kann der folgende lockere Reggae-angehauchte Song Genevieve auch nicht wegtrösten. Der Schreck sitzt tief.

Immerhin legt Westernhagen mit Nureyev zu. Das hat er aber letztlich vor allem der Band zu verdanken, die einfach gut rockt. Ein Blatt im Wind ist wieder so ein Song, den sich Westernhagen hätte sparen können. Diese pseudodramatische Mischung mit den sonderbar kantigen Texten - das geht heute nicht mehr. Sehr zeitgemäß synthetisch groovend kommt er dann aber immerhin mit Wenn Du Glaubst daher. Der Song geht in Ordnung. Why don't you say your name rockt aus meiner Sicht dumpf vor sich hin. Herr Westernhagen besingt Phasen aus seiner besseren Zeit ("Ich lieg' in meiner Kotze. Keine Ahnung wo ich bin. Meine Unterhose hängt mir auf den Knien" oder etwa "Mein Herz sprengt mir die Brust und es stinkt nach Kotze, Sex und Blut"). Aus meiner Sicht ist der Song ein Totalausfall. Leider ist auch der letzte Song Ist es Das an Belanglosigkeit kaum zu übertreffen.

Der radikale Schnitt ist das Album In Den Wahnsinn auf keinen Fall. Da kann Westernhagen sagen was er will. Sicherlich versucht er, einige Dinge anders zu machen. Das merkt man schon. Aber indem man über seine Kotze singt, diese ungeheuerlichen Anleihen bei den Doors macht und außerdem aus meiner Sicht oft verdächtig nach PUR klingt, klingt man noch nicht wirklich innovativ oder rockiger. Nicht schlecht sind die Versuche mit den synthetischen Drums, hier merkt man ansatzweise den Willen zur Veränderung. So ist Böser Engel für mich einer der interessantesten Songs. Wenn es um den Rocker geht, dann kann man eigentlich nur den Song Nureyev herausheben. Westernhagen liefert sonst nur Durchschnittliches und einige Totalausfälle ab. Ein radikaler Schnitt sollte vielleicht doch anders aussehen. Westernhagen kriegt es aus meiner Sicht auch textlich nicht gebacken. Alleine die Aneinanderreihung von ein paar Schlagzeilen (Im Westen nichts Neues. Hannawald ist gestürzt. Die Börse im Keller. Auf dem Nachtisch die Pille. Mordgedanken im Blick. Und der Wünsche zu viele. Deine Sorgen, deine Sorgen sind dein Trick) oder die oben zitierte Auseinandersetzung mit eigenen Exkrementen machen noch keine guten Texte. Und um ehrlich zu sein - der Schock von Lichterloh überstrahlt für mich sowieso alles andere.

Trackliste

  1. Es Ist An Der Zeit 4.36
  2. Was Du.. 4.44
  3. Die Liebe Lebt 4.38
  4. Böser Engel 4.18
  5. Rosen 4.39
  6. Lichterloh 5.45
  7. Genevieve 2.46
  8. Nureyev 4.54
  9. Ein Blatt Im Wind 4.27
  10. Wenn Du Glaubst 4.59
  11. Why Don't You Say Your Name 7.45
  12. Ist Es Das 4.02

Rezensent: MP