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CD-Kritik Gene Vincent And The Blue Caps - Gene Vincent And The Blue Caps

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Interpret: Gene Vincent And The Blue Caps

Titel: Gene Vincent And The Blue Caps

Erscheinungsjahr: 1957

Genre: Rockabilly, Rock'n'Roll

Bewertung: Wertung: 10 von 10 Sternen

(10/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Gene Vincent and The Blue Caps ist das zweite Album von Gene Vincent und den Blue Caps. Das Album erschien 1957, knapp vier Monate nach dem erfolgreichen Debütalbum Bluejean Bop.

In der kurzen Zeit hatte sich einiges getan. Die beiden Gitarristen Cliff Gallup und Willie Williams hatten die Band verlassen. Der Produzent von Vincent konnte Gallup und Williams dazu überreden, bei den Sessions zu dem zweiten Album teilzunehmen.

Das war gut so, denn beide Gitarristen prägten den Sound des ersten Albums und auch dieses zweiten Albums nachhaltig. Besonders die Leistung des Leadgitarristen Cliff Gallup muss hervorgehoben werden. Seine Gitarrenparts werden als wegweisend bezeichnet, viele Rockgitarristen nennen Gallup als einen der einflussreichsten Gitarristen. Vor allem Jeff Beck ist ein glühender Verehrer von Gallup, er zählt das Album Gene Vincent And The Blue Caps zu seinen größten Einflüssen.

Dabei war das zweite Album von Gene Vincent nicht ganz so erfolgreich wie das Debütalbum. Allerdings wird gerade dieses zweite Album als eines der stilprägenden Rockabilly Alben und als Meilenstein der Rockmusik bewertet. Leider verließ Gallup die Band kurz später wieder. Er war zu der Zeit verheiratet und wollte seiner Familie den Tourstress nicht zumuten, den er als Gitarrist bei Vincent gehabt hätte. Vincent musste in den Monaten nach dem Release bis auf den Drummer jede Position neu besetzen. Vincent und die Blue Caps waren eigentlich nie mehr so erfolgreich, wie mit ihren ersten beiden Alben.

Die Songs:

"Red Blue Jeans and a Ponytail" eröffnet das Album als Midtempo Rockabilly mit eingängiger Struktur und schönen Gitarrenparts. "Hold Me, Hug Me, Rock Me" legt in jeder Form zu. Der Song geht ungemein gut ab und gehört zu den besten Vincent Songs. Die schnellen flüssigen Licks von Gallup sind fantastisch. "Unchained Melody" ist ein unsterblicher Klassiker. Die schmachtende Ballade zählt zu den meistgecoverten Song des 20. Jahrhundert, gleichzeitig ist es eine äußert schwer zu spielende Ballade. Vincent und Gallup bringenden Song im mittleren Tempo mit einem bemerkenswerten Tremolo Gitarrensolo von Gallup. "You Told a Fib" ist ein äußerst cooler Rockabilly den Vincent und Gallup gemeinsam schrieben. Auch hier legt Gallup wieder eine tolle Gitarrenarbeit hin.

"Cat Man" ist rhythmisch ungemein interessant aufgebaut, interessant sind die melodischen Motive von Gallup, die an Ägypten erinnern. "You Better Believe" brachte Gallup als seinen Solobeitrag zu den Sessions ein. Der schnelle Song mit Anleihen an Blue Suede Shoes sticht mit unfassbar schnellen und flüssigen Gitarrenparts hervor. "Cruisin'" wird rhythmisch ziemlich hart durchgespielt. Eigentlich wirkt der Song etwas monoton, wären da nicht die fantastischen Interludes von Gallup, der wieder wie entfesselt spielt. "Double Talkin' Baby" schaltet etwas zurück, überzeugt aber als äußerst geschmeidiger und grooviger Rockabilly. "Blues Stay Away from Me" ist ein Blues, den die Delmore Brothers zuvor aufgenommen hatten. Es ist ein langsamer Blues mit einem durchgängigen Basisriff.

"Pink Thunderbird" tendiert wieder etwas in Richtung Blue Suede Shoes. Wieder legt Gallup eine bemerkenswerte Gitarrenarbeit vor. "I Sure Miss You" gehört zu den genretypischen Ballade. Der Song geht in Ordnung, interessant ist wieder die schöne Tremologitarre von Gallup. "Pretty, Pretty Baby" legt zu und beendet das Album vorzüglich, Gallup haut dem Hörer noch einmal einige klasse Gitarrenparts um die Ohren.

Gene Vincent And The Blue Caps stellt das dar, was ich mir persönlich unter Rockabilly vorstelle. Es ist vielleicht eine der bemerkenswertesten Scheiben des Rockabilly. Anders als beim frühen Rockabilly Elvis steht hier der Sänger Vincent aber weniger im Vordergrund. Während Elvis irgendwie immer der Chef im Ring war und eine zentrale Rolle mit seiner Performance spielte, steht hier ganz klar Gitarrist Cliff Gallup im Mittelpunkt. Das soll die Leistung der anderen Musiker nicht herabwürdigen, aber Gallup spielt wie von einem anderen Stern. Wenn Jeff Beck diesen Mann verehrt, dann sagt das einiges aus. Und wenn Jeff Beck dieses Album als das Album bezeichnet, welches ihn am meisten geprägt hat, dann wird die Sache noch klarer. Ein makelloses Album. Rockabilly bekommt man selten besser zu hören, für Gitarristen ist das Album ein Muss.

Trackliste

  1. Red Blue Jeans and a Ponytail (Bill Davis, Jack Rhodes)
  2. Hold Me, Hug Me, Rock Me (Vincent, Tex Davis)
  3. Unchained Melody (Alex North, Hy Zaret)
  4. You Told a Fib (Vincent, Cliff Gallup)
  5. Cat Man (Vincent, Tex Davis)
  6. You Better Believe (Cliff Gallup)
  7. Cruisin' (Vincent, Bill Davis)
  8. Double Talkin' Baby (Danny Wolfe)
  9. Blues Stay Away from Me (Henry Glover, Wayne Raney, Alton Delmore, Rabon Delmore)
  10. Pink Thunderbird (Bill Davis, Paul Peek)
  11. I Sure Miss You (Charles Matthews)
  12. Pretty, Pretty Baby (Danny Wolfe)

Bonus Tracks CD Reissue

  • Important Words (Version One) (Gene Vincent/Bill Davis) 2:21
  • B-I-Bickey-Bi, Bo-Bo-Go (Carter/Nallo/Rhodes) 2:16
  • Five Days, Five Days (Rhodes/Willie/Franks) 2:37
  • Teenager Partner (Version One) (Gene Vincent/Bill Davis) 2:14
  • Five Feet Of Lovin' (Version One) (Peddy/Tillis) 2:06

Rezensent: MP