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Interpret: U2

Titel: No Line On The Horizon

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen
(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension:

No Line on the Horizon ist das zwölfte Studio Album der Band U2. Es erschien im Februar 2009 nach einer recht langen Pause. Das Vorgängeralbum How To Dismantle An Atomic Bomb erschien immerhin schon 2004. Nach Bandangaben begannen die Arbeiten zum Album aber schon im Jahr 2006. Die Arbeiten wurden an unterschiedlichsten Orten durchgeführt, die Band holte sich irgendwann dann wieder Brian Eno und Daniel Lanois mit ins Boot, die sich beide in den Songwritingprozess einbringen durften.

Das Album selbst muss wieder einmal als recht guter Erfolg bezeichnet werden. Auch wenn die Kritiker nicht durchgängig begeistert waren, so verkaufte sich das Album im Downloadzeitalter vergleichsweise gut. In 30 Ländern schoss das Album von 0 auf 1, das ist nach wie vor mehr als beachtlich. Dennoch zeigte sich die Band später von den Verkaufszahlen mehr als enttäuscht. Vor allem Bono war enttäuscht, dass No Line On The Horizon z. B. im UK nicht einmal 30% der Zahlen von How to Dismantle erreichte. The Edge sah es nicht so eng. Er bemerkte richtigerweise, dass das Album aufgrund fehlender großer Hits über die Jahre reifen würde und sich der Wert des Albums für Musikhörer erst dann offenbaren wird. Da hat er recht - es geht um Inhalte und nicht um Umsätze, Herr Bono.

No Line On The Horizon knüpft musikalisch durchaus an die Vorgängeralben an. Ein schöner Song, der stellenweise in den Vokalparts sogar an ganz alte Zeiten erinnert. Aber der Einfluss von Eno und Lanois ist auch deutlich zu spüren, denn das Arrangement ist recht üppig. Auch auf Magnificient ist der Einfluss von Eno und Lanois zumindest zu Beginn. Danach entwickelt die Band aber einen Song, der durchaus auf alten Alben hätte erscheinen können. Moment of Surrender und Unknown Caller behandeln das Thema Drogen und Drogensucht. Moment Of Surrender ist ein Song, der nach eigenen Angaben in einem Take aufgenommen wurde. Es ist Bonos Lieblingssong. Ein eher balladesker und leicht melancholischer Song. Unknown Caller erinnert, vor allem aufgrund der Gitarrenvoicings, etwas an die Joshua Tree Phase. I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight ist ein Track von Eno, wurde von der Band dann aber noch nachbearbeitet. Der Text beinhaltet Parts von Obamas Wahlprogramm. Kritiker lobten den Song als angenehmen Pop Rock Kost. Das kann man so stehen lassen.

Get on Your Boots lebt vom Gitarrenruff von The Edge. Der Song geht ganz schön ab, es dürfte einer der flotteren U2-Songs überhaupt sein. Er knüpft in etwa da an, wo Vertigo aufhörte. Stand Up Comedy besteht wohl aus einem großen Mix an Ideen. Man fügte zum Beispiel den Chorus von For Your Love ein. Die Band nahm dann aber eine rohere Version des Songs aufs Album, die nicht ganz so künstlich gestückelt klang. Interessant sind die stellenweise recht funky gespielten Single Note Lines von Edge. Fez - Being Born klingt sehr experimentell und orientalisch. Aus meiner Sicht dürften sich Eno und Lanois hier sehr stark eingebracht haben. Der Song gibt im weiteren Verlauf angenehm Gas und erinnert mich an die Unforgettable Fire Phase. White as Snow basiert auf einem Traditional Veni, veni, Emmanuel. Der Song ist anfangs sehr experimentell und bleibt danach sehr ruhig und balladesk. Breathe hat Bezug zu James Joyce's Novelle Ulysses. Musikalisch ist der Song sehr wichtig, mich erinnert das an die 1960er und hat einen gewissen Who-Touch. Cedars of Lebanon ist wieder einmal ein Song, der sich mit dem Krieg befasst. Stilistisch erinnert er an Fez-Being Born. Die Melodie basiert auf dem Sample Against The Sky, einen Song den Eno und Lanois für ein Harold Budd Album schreiben.

Dass Bono von den Verkaufszhalen enttäuscht war, überrascht mich ehrlich gesagt nicht. Der Mann scheint doch eher Geschäftsmann zu sein, als jemand, dem es nur um Inhalte geht. Das hat man mittlerweile immer wieder erkennen müssen. Aber das ist ja auch egal. Ich bewerte das Album eher im Sinn von The Edge - dem Album fehlen die ganz großen Hits, es lebt von der Gesamtheit der Songs. Und die ist wirklich gut. Die Qualität des Ganzen dürfte sich tatsächlich erst später so richtig zeigen. U2 experimentiert mit diversen Stilen, die Hinzunahme von Eno und Lanois hat dem Album richtig gut getan. Heraus gekommen ist ein schönes Album, auf dem U2 immer wieder aus einzelnen Schaffensphasen zitiert - von Boy über Unforgettable Fire und the Josuah Tree bis hin zu Achtung Baby oder auch dem Vorgänger How To Dismantle An Atomic Bomb. Dabei vermeidet es die Band jedoch, anachronistisch zu werden. Ein gutes Album, sehr empfehlenswert.

Die Tracks:

  1. No Line on the Horizon 4:12
  2. Magnificent 5:24
  3. Moment of Surrender 7:24
  4. Unknown Caller 6:03
  5. I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight 4:14
  6. Get on Your Boots 3:25
  7. Stand Up Comedy 3:50
  8. Fez - Being Born 5:17
  9. White as Snow 4:41
  10. Breathe 5:00
  11. Cedars of Lebanon 4:13

Rezensent: MP