Amazon-Anzeige

Albumbesprechung Salim Ghazi Saeedi - Iconophobic

Interpret: Salim Ghazi Saeedi

Titel: Iconophobic

Erscheinungsjahr: 2010

Genre: Instrumental, Prog-Rock, Avantgarde

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Iconophobic ist das vierte Album des iranischen Musikers Salim Ghazi Saeedi. Das Album erschien im Jahr 2010. Genau genommen ist es das erste Soloalbum von Salim, denn zuvor erschienen drei Alben als Bandprojekt unter dem Namen Arashk.

Iconophobic ist ein rein instrumentales Album. Nach Aussagen des Künstlers handelt es sich um ein Konzeptalbum, welches sich um die Ängste der imaginären Welt dreht. Der Titel bezieht sich auf die Angst vor Bildern, im übertragenen Sinn meint Salim hier wohl mentale Bilder bzw. Bilder, welche in Träumen und Albträumen entstehen. Salim ist Jahrgang 1981 und stammt aus Teheran. Rockmusik stellt im konservativen Iran auch heute noch keine Selbstverständlichkeit dar, eigentlich wurde Rockmusik lange als etwas kulturfeindliches (oder sollte man sagen regimekritisches?) angesehen. Auch heute hat man es als Rockmusiker nach Aussagen von Salim im Iran schwer. Der Markt für Rockmusik ist praktisch kaum entwickelt, man erhält als Rockmusiker kaum Unterstützung. Seine Musik wird im Iran wohl auch kaum angehört.

Die Frage des Vertriebs iranischer Rockmusik scheint dabei lt. Salim im Onlinezeitalter kein ganz großes Problem darzustellen. Nach seiner Meinung stellt die Promotion das größere Problem dar. Salim muss sich um alles selbst kümmern. In einem Interview sagte Salim einmal, dass Musik in seinem Elternhaus keine Rolle spielte. So begann er erst mit 18 Jahren Gitarre zu spielen. Salim ist in jeder Hinsicht Autodidakt. Die Frage nach Einflüssen ist bei so einem Künstler schon interessant. Man geht immer davon aus, dass die aus dem Prog- oder Avantgarde Bereich stammen müssen. Saeedi bezeichnete aber Sinead O'Connor, Kraftwerk und Thelonious Monk als große Einflüsse. Außerdem nennt er den Oud Spieler Munir Bashir aus dem Irak als wichtigen Einfluss. Das überrascht schon, zumal man bei Saeedi eine gewisse Nähe zu Progacts der 1970er aus dem französischsprachigen Raum vermuten könnte.

Saeedi spielt auf dem Album vor allem die Gitarren und Keyboards selbst ein. Der Rest scheint mehr oder weniger programmiert bzw. gesampelt zu sein. Dabei klingen die Drumsamples relativ organisch, aber der Drive natürlicher Drums fehlt logischerweise. Die Streichersamples klingen gut.

Saeedi legt eine Sammlung recht kurzer Kompositionen vor, er bezeichnet seine Musik als bildhafte Musik. Sie basiert nach seinen Aussagen auf einer Serie von mentalen Bildern, manchmal aus Erfahrungen nach Albträumen oder normalen Träumen. Von daher macht diese Serie an kurzen Eindrücken natürlich Sinn.

Über die gesamte Länge wirkt das Album dadurch nie langweilig, ganz im Gegenteil. Die Songs wirken sehr kurzweilig, manchmal dürften die Ideen gerne länger und ausführlicher dargestellt werden. In den Songs spannt Salim den Bogen von der Klassik über Prog-Rock und Jazz-Fusion bis hin zu avantgardistischen Motiven. Natürlich kommen auch Motive aus seinem Kulturkreis nicht zu kurz. Die Gitarre klingt oft fuzzy und Salim verfolgt einen Ansatz, wie man ihn auch von modernen heavy-orientierten Gitarristen kennt.

Fazit Iconophobic ist ein interessantes und vor allem vielschichtiges Album. Saeedi hat sich einige recht interessante Drumsamples zusammenprogrammiert, welche die Songs rhythmisch meist sehr pulsierend wirken lassen. Er scheut keine Dissonanzen und setzt so immer wieder scharfe Kontraste zu eingängigen Parts. Langweilig wird das eigentlich nie. Wie gesagt, hätte ich mir bei manchen Songs etwas längere Ausführungen der Ideen gewünscht. Aber insgesamt liefert Salim Ghazi Saeedi mit Iconophobic ein gutes Album ab. Sehr empfehlenswert.

Trackliste

  1. Composer's Laughter 1:28
  2. A Satire on Hell 3:03
  3. And My Heart Aches Like 100 Aching Hearts 2:15
  4. Asiyeh 3:10
  5. The Songful Song of Songbirds 3:37
  6. Transcend Ecstasy with Ecstasy 3:39
  7. Don't You See the Cheerful Rainbow? 3:21
  8. Music is Haram 3:02
  9. Dance in Solitude 3:01
  10. Eternal Melancholy of Loving Women 1:19
  11. Give My Childhood Back 3:34
  12. Breast-Milk 3:16
  13. I Am Beautiful, Are You Beautiful? 2:59

Rezensent: MP