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Albumbesprechung Mike Oldfield - Crises

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Interpret: Mike Oldfield

Titel: Crises

Erscheinungsjahr: 1983

Genre: Rock, Pop, Prog-Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen
(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Crises war das achte Studioalbum von Mike Oldfield. Oldfield hatte sich schon im Jahr 1973 mit dem Meilenstein Tubular Bells in die Oberliga der Rockmusiker katapultiert. Anfangs waren die Werke Oldfields stark im Bereich Prog-Rock angesiedelt. In der Regel bestanden seinen frühen Alben aus nur zwei sehr langen Songs. Das änderte Oldfield auf den späteren Alben immer mehr. Mike Oldfield wollte auch kommerziellere Alben bzw. Songs produzieren. Mit QE2 oder Five Miles Out hatte sich dieser Trend schon angedeutet. Crises ging da noch weiter. Dabei gibt es immer noch einen sehr langen Song, der praktisch die erste Seite der LP in Beschlag nahm. Die zweite LP-Seite wies jedoch nur noch kurze und größtenteils sehr eingängige Songs auf. Oldfield zog somit den Kurs Richtung Hitparadentauglicher Songs auf dieser Seite 2 recht konsequent durch.

Im Gegensatz zu den alten Alben arbeitete Oldfield hier auch noch stärker mit "festen" Musikern zusammen. An den Drums saß meistens Simon Phillips, als Sänger/Innen holte sich Oldfield zum Beispiel Maggie Reilly, Jon Anderson und Roger Chapman. Das Album war keine komplette Abkehr von früheren Werken. Oldfield selbst bezeichnete die erste LP-Seite als "das, was mich persönlich befriedigt" und die zweite LP-Seite als das, "was das Massenpublikum befriedigt". Tatsächlich wurde das Album ein guter kommerzieller Erfolg, vor allem wegen der Hitsingles Shadow On The Wall und Moonlight Shadow.

Stilistisch wird das Album durchaus im Geist der frühen Oldfield-Werke eröffnet. Der Opener Crises läuft über knapp 21 Minuten und beginnt mit einer Abwandlung eines Tubular Bells Themas. Danach entwickelt sich ein instrumentaler Song, der eigentlich beständig zwischen ruhigen und etwas bewegteren Teilen wechselt. Relativ schön gelungen sind die einschmeichelnden Gitarrensounds. Dazu gibt es, im Gegensatz zu den alten Werken, einige härtere Passagen, die man durchaus als Mainstream-rockig bezeichnen kann. Insgesamt legt Oldfield einen ordentlicher Song vor. Die Mainstream Elemente sind aber auch auf dem langen Song deutlicher zu vernehmen. Das ist sowieso der große Unterschied zu alten Werken: Crises wirkt, auch durch die Instrumentierung, sehr zeitgemäß und massenkompatibel. Die harten Parts klingen sehr modern rockig bis heavy.

Die zweite LP-Seite wird mit dem Hit Moonlight Shadow eröffnet. Oldfield beweist seine Fähigkeit, mühelos einen eingängigen Popsong zu zaubern. Nichts anderes ist das nämlich - lupenreiner Pop mit gutem Gesang von Maggie Reilly und extrem eingängiger Melodie. Das cleane Gitarrensolo ist äußerst gelungen. Da kann man nicht mäkeln, auch wenn das weit entfernt von früheren Arbeiten ist. In High Places ist ebenfalls recht eingängig, aber doch etwas verspielter. Dazu singt Jon Anderson, die rhythmische Gestaltung des Songs ist interessant. Foreign Affair wird wieder von Maggie Reilly gesungen. Der Song besteht aus einer durchgängigen Basslinie, die dem Song einen monotonen Charakter verleiht. Taurus 3 ist ein instrumentaler Titel, der sozusagen den Abschluss der Taurus Trilogie bildet. Die ersten Teile waren auf QE2 und Five Miles Out zu hören. Die drei Teile ähneln sich aber ingesamt kaum. Dieser hier bewegt sich zwischen Folk und Flamenco. Oldfields Gitarrespiel ist bemerkenswert, der Song klingt ordentlich. Mit Shadow On The Wall beschließt ein weiterer Hit das Album. Der Song ist ein gradliniger Rocker, der vom harten Gitarrenbasisriff und der markanten Stimme Roger Chapmans getragen wird.

Insgesamt enttäuscht Oldfield mit Crises nicht. Ich weiß, dass viele klassische Oldfield Hörer mit dem Material nicht so gut zurecht gekommen sind. Aber wenn man ehrlich ist, muss man Oldfield auch im Bereich der Mainstream Songs größtenteils eine gute Arbeit zugestehen. Das lange Instrumental Crises ist ganz gut, wenngleich es anders als alte Werke klingt und insgesamt nicht ganz mithalten kann. Die Hitsingles Moonlight Shadow und Shadow On The Wall sind zwei brillante Rock-Pop Songs. Auch die Songs In High Places, Taurus 3 und Foreign Affair enttäuschen nicht komplett. Insgesamt legt Oldfield ein gutes Album mit einem recht gelungenen Mix aus Kommerz und Kunst vor. Diesen schwierigen Spagat hat Oldfield gut hinbekommen - besser als viele alte Prog-Rockbands, die sich im Mainstream Nirvana verloren hatten.

Trackliste

  1. Crises - 20:40
  2. Moonlight Shadow - 3:34
  3. In High Places - 3:33
  4. Foreign Affair - 3:53
  5. Taurus 3 - 2:25
  6. Shadow On The Wall - 3:09

Rezensent: MP