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Albumbesprechung Kraftwerk - Radioaktivität/Radioactivity

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Interpret: Kraftwerk

Titel: Radioaktivität/Radioactivity

Erscheinungsjahr: 1975

Genre: Electronic

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen
(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Mit dem Album Radio-Aktivität legte die deutsche Band Kraftwerk ihr fünftes Studioalbum vor. Es erschien nach dem erfolgreichen Album Autobahn. Radio-Aktivität bedeutete eine gewisse Neuausrichtung der Band. Zum ersten Mal war Karl Bartos mit dabei. Außerdem wurden die Sounds zum ersten Mal praktisch nur mit elektronischem Equipment erzeugt. Von daher kann man sagen, dass es eigentlich das erste richtige Electronic-Album der Band war. Das Album wird heute als ein Konzeptalbum bezeichnet, da sich die Band thematisch mit den beiden Gebieten Radio/Ätherwellen und Radioaktivität befasst. Ebenfalls relativ neu war die zweisprachige Ausrichtung. Das Album wurde in einer deutschen und einer englischen Version ausgeliefert.

Radioaktivität kann man, wie gesagt, als erstes reines Elektronik-Album der Band bezeichnen. Und aus meiner Sicht hat es die Band nie besser geschafft, ihre Ideen umzusetzen. Selbst kurze Versatzstücke klingen hier irgendwie interessant und glaubwürdig. Geigerzähler/Geiger Counter ist das erste solcher kurzer Versatzstücke. Im Prinzip wird nichts weiter gemacht, als einen Geigerzähler zu simulieren. Dessen Aktivität wird in der Geschwindigkeit verändert. Das klingt interessant und gut. Das Stück leitet in den Titelsong Radio-Aktivität/Radioactivity über. Hier geht es thematisch - man wird es sich denken können - um Radioaktivität. Der Text wird in einem deutsch-englisch Gemisch angeboten. Die Hauptmelodie wiederholt sich ständig. Der Song wechselt zwischen verschiedenen Tonarten und besitzt einen eher verschleppten Rhythmus. Radioland klingt wie eine Gebrauchsanweisung für einen Radio. Das ist gut gemacht und überzeugt. Musikalisch und inhaltlich ist das freilich sehr minimalistisch. Eine reduzierte Komposition mit einer fast kühlen Stimme. Nach jeder Ansage wird das akustische Signal wiedergegeben (Drehen wir am Radiophon vernehmen wir den Sendeton - Drehschalter und Sendeton werden eingeblendet usw.). Ätherwellen/Airwaves ist für mich ein perfekter Electronic-Popsong. Einfach gehalten, aber einfach genial. Der Song klingt gut und ist unterhaltsam. Sendepause/Intermission ist wieder ein kurzes Stück, das eigentlich nur den früher typischen Sendepause-Sound nachbildet. Danach folgt mit Nachrichten/News eine kurze Klangcollage, die verschiedene Radio-Nachrichtenbeiträge übereinander aufgenommen hat. Die Stimme der Energie/The Voice Of Energy ist noch einmal ein sehr kurzes Stück. Im Prinzip ist es ein Sprechstück, die Stimme wurde extrem über einen Vocoder verzerrt und hat was Robotermäßiges. Der Text ist wirklich interessant und fast schon bedrückend. Denn die Stimme der Energie erzählt uns davon, das wir von ihr abhängig sind. Antenne/Antenna bietet wieder leichte Electro-Popkost. Radiosterne/Radio Stars ist der erste sehr experimentelle Song auf dem Album. Allerdings kann man kaum von einem Song sprechen. Es handelt sich um einen oszillierenden Ton, der verändert wird. Dazu wird Sprache gesampelt und eine Vocoderstimme drübergelegt. Sehr experimentell, sehr interessant - aber auch Geschmackssache. Uran/Uranium nimmt den Faden von Radiosterne auf. Allerdings begleiten den Hörer auf dem kurzen Stück Grundakkorde von Radioaktivität, die wie ein Chor klingen. Dazu erzählt eine interessante Vocoderstimme vom Zerfallprozess von Uran. Transistor startet mit einigen gesampelten Radiosounds. Danach gibt es schöne Synthesizersounds a la Krafwerk. Der Song leitet über zu Ohm Sweet Ohm. Das Instrumental klingt anfangs fast wie ein Totenmarsch. Der Song steigert sein Tempo unmerklich - aber permanent - zum Schluss hin.

Radio-Aktivität ist, nach meiner Meinung, das beste Album von Kraftwerk. Alle Songs und Soundcollagen klingen gut und überzeugend. Es gibt hier keine Aussetzer und die Band hat die Balance zwischen Experimentierfreudigkeit und Eingängigkeit selten besser gefunden.

Die Tracks (mit den englischen Bezeichnungen):

  1. Geigerzähler/Geiger Counter (1:07)
  2. Radio-Aktivität/Radioactivity (6:40)
  3. Radioland (5:50)
  4. Ätherwellen/Airwaves (4:39)
  5. Sendepause/Intermission (0:39)
  6. Nachrichten/News (1:17)
  7. Die Stimme der Energie/The Voice Of Energy (0:54)
  8. Antenne/Antenna (3:42)
  9. Radiosterne/Radio Stars (3:30)
  10. Uran/Uranium (1:27)
  11. Transistor (2:14)
  12. Ohm Sweet Ohm (5:37)

Rezensent: MP