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Interpret: George Harrison

Titel: All Things Must Pass

Erscheinungsjahr: 1970

Genre: Pop

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen
(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension:

George Harrison war, wie man gerne sagt, der stille Beatle. Harrison war immer der etwas Schüchterne und Ruhige. Ein Gegenpol zu den dominierenden McCartney und Lennon sowie dem quirligen Ringo. George Harrison wurde dabei gerne unterschätzt. Das gilt besonders für seine Songbeiträge bei den Beatles. Viel konnte oder durfte er zwar nicht einbringen, aber die wenigen Songs waren durchaus Perlen des Beatles Archivs. Harrison konnte sich mit überragenden Songs wie While My Guitar, Something oder Here Comes The Sun in Szene setzen. Er blieb aber immer der gerne übersehene Beatle. Harrison blieb auch in der Solo-Karriere eher ein Außenseiter. Er konnte sich nie wirklich nachhaltig in Szene setzen. Einige Erfolge wurden meist durch größere Misserfolge egalisiert. Harrison's Leben verlief vor allem in den letzten Lebensjahren in Abgeschiedenheit. Harrison entwickelte nach meinem Kenntnisstand sogar eine gewisse Furcht vor Menschen, insbesondere nachdem man ihn 1999 mit einem Messer attackierte. George Harrison verstarb schon 2001 an den Folgen eines Krebsleidens. Hinterlassen hat er uns einige schöne Songs und ein paar gute Alben. All Things Must Pass gehört dazu.

All Things Must Pass erschien 1970. Zuvor nahm Harrison zwei experimentelle Alben auf, die beide durchfielen. Aber mit All Things Must Pass klappte es dann. Das Album verkaufte sich extrem gut, es war lange Zeit das bestverkaufte Solo-Album eines Beatle. Immerhin. Das Konzept des Albums war ungewöhnlich für damalige Zeiten. Es handelte sich um ein 3-LP-Set. Ich glaube, es war das erste überhaupt. Und dann konnte Harrison mit einer exzellenten Superstar-Besetzung aufwarten. Jeder wollte natürlich gerne mit einem Beatle spielen. Das merkte man. So spielte Ringo am Schlagzeug, Klaus Voormann am Bass, an den Keyboards hörte man z. B. Gary Wright, Billy Preston und Gary Brooker, an den Gitarren gaben sich Dave Mason und Eric Clapton die Ehre. Außerdem spielte die ganze Band Badfinger mit und auf dem Session Teil war u. a. Ginger Baker von Cream zu hören. Alle Achtung, das hatte was. Heute bekommt man die 3-er LP als Doppel-CD. Ich rezensiere dabei die neu aufgenommene Version von 2001, die einige Bonustracks beinhaltet.

Was soll man zu dem Werk sagen. Es ist ja relativ viel Musik drauf. Also: die dritte LP war eine Session LP. Da haben die Jungs einfach mal so drauf los gejammt. Auf CD sind das die Titel 10 bis 14 der CD 2, der so genannte Original Jam. Tja, das ist halt gejammt. Die meisten fanden die LP 3 für die Katz'. Das ist vielleicht ein bisschen hart, ich finde die Jams ganz nett. Allerdings haben die komplett instrumentalen Jams echte Längen. Vor allem für heutige Verhältnisse kann das etwas langatmig wirken. Kann mal mal anhören, muss man aber nicht.

Die Titel 10 bis 14 auf CD 1 sind "neu". Es sind aber fast alles nur Neuaufnahmen alter Songs. Nur Song 10 ist ein neuer Song, eine Country Nummer. Song 11 ist eine Neuaufnahme von Beware Of Darkness (Track 1 von CD 2). Song 12 ist die Akustik-Version von Let It Down. Song 13 und 14 sind Neuaufnahmen der Hits What Is Life und My Sweet Lord. Na ja, ist eben doch nicht alles wirklich neu. Und besonders aufregend sind die Tracks auch nicht gerade.

Mit den restlichen Original-Tracks gibt es die übliche Harrison Ware. Insgesamt hat er da ganz schöne Songs eingespielt. Typisch Harrison halt - immer schön und meistens mit einer gewissen melancholischen Note. Ein paar Ausnahmen sind z. B. das religiös-euphorische My Sweet Lord oder What Is Life. Daneben packt er dann mal wieder die Country-Axt aus und geht in die Rockabilly Roots.

Alles in allem muss man All Things Must Pass fast schon als einen Meilenstein der Rockmusik bezeichnen. Es war immerhin das lange Zeit bestverkaufte Solo-Album eines Beatle. Und es hielt sich lange in den Charts. My Sweet Lord war, auch wenn es eventuell abgekupfert war, ein Riesenhit. Die Besetzung des Albums ist sehr gut. Musikalisch zeigt Harrison seine Qualitäten als guter Songwriter. Allerdings ist auch einiges überflüssiges Material drauf. Einige Songs gibt es doppelt in unterschiedlichen Varianten und die Jam-Session zieht sich doch bedenklich in die Länge. Aber das Album hat einen hohen geschichtlichen Stellenwert. Reinhören kann man mal, es finden sich einige recht gute Sachen drauf. Die gut sortierte Rocksammlung wird auf das Album wohl nicht verzichten können.

Die Tracks:

Disk 1:
1. I'd Have You Anytime
2. My Sweet Lord
3. Wah - Wah
4. Isn't It A Pity
5. What Is Life
6. If Not For You
7. Behind That Locked Door
8. Let It Down
9. Run Of The Mill
10. I Live For You
11. Beware Of Darkness
12. Let It Down
13. What is Life
14. My Sweet Lord 2000
Disk: 2
1. Beware Of Darkness
2. Apple Scruffs
3. Ballad Of Sir Frankie Crisp
4. Awaiting On You All
5. All Things Must Pass
6. I Dig Love
7. Art Of Dying
8. Isn't It A Pity (Version 2)
9. Hear Me Lord
10. It's Johnny's Birthday
11. Plug Me In
12. I Remember Jeep
13. Thanks For The Pepperoni
14. Out Of The Blue

Rezensent: MP

 


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