Die Gitarre spielt in der Geschichte der populären Musik bzw. der Rockmusik eine herausragende Rolle.
Gründe dafür gibt es viele. Gitarristen würden jetzt wahrscheinlich sagen, Gitarre spielen sieht einfach nur cool aus.
Das ist vielleicht sogar so. Ich mutmaße einmal, dass es dafür doch wichtigere Gründe gibt. In vielen Musikrichtungen
ist die Gitarre das wichtigste Melodieinstrument. Dazu kommt, dass die Gitarre meist nicht nur für Akkordarbeit
zuständig ist, sondern auch noch oft ein Solo spielen darf. Ein Vorteil z. B. gegenüber dem Bass, der praktisch
nur Einzeltöne zur rhythmischen Struktur beisteuert. Gitarristen sind vergleichsweise mobil auf der Bühne.
Im Gegensatz zum Drummer und (in der Regel) dem Keyboarder, hängt sich der Gitarrist normalerweise das Instrument
um und kann sich recht frei bewegen. Seit es Sender gibt, kann er regelrechte Spaziergänge machen.
Ein Gitarrist kann sich, abhängig von der Musikrichtung, relativ gut in Szene setzen. Alleine mit Akustikklampfe
kann man am Lagerfeuer einiges ausrichten, das funktioniert mit wenigen anderen Instrumenten so gut.
Geschichtliches zur Gitarre
Die Gitarre spielte schon in der klassischen Musik eine Rolle, wenngleich sie nicht so wichtig war.
Verwandte Gerätschaften der Gitarre (wie die Laute) kamen schon im
Mittelalter zum Einsatz. Für die populäre Musik wichtiger ist sicherlich die Gitarrenmusik, die von
Sklaven in den USA gespielt wurde. Die Rede ist vom Blues. Das Herz des Blues war dabei ursprünglich
das Mississippi Delta. Einen großen Schub erhielt diese Musik, als man die Schallplatte entwickelte und
somit die Musik konservieren konnte. Künstler wie Son House oder der legendäre Robert Johnson konnten
sich hier zum Glück verewigen und den Gitarrenblues bekannt machen. Parallel konnten sich erste Gitarristen
im Jazz behaupten (Eddie Lang, Django Reinhardt).
Einen Quantensprung für die Geschichte der Gitarre dürfte die Entwicklung der E-Gitarre gewesen sein.
Vor allem die Firma Gibson konnte sich hier in die Geschichtsbücher eintragen. Parallel arbeiten z. B.
Rickenbaker und Fender an Konzepten für Verstärker, welche die Signale der Gitarre verstärken konnten.
Einer der ersten und wichtigsten Künstler, der die E-Gitarre bekannt machte, war T-Bone Walker. Im Jazz
nutzte Charlie Christian die E-Gitarre als einer der ersten, und konnte nun lautstärkemäßig in Big Bands mithalten.
Der Blues wurde in den Folgejahren vor allem durch Künstler wie Muddy Waters, B. B. King, Freddie
King, Buddy Guy oder z. B. Albert King geprägt. Im Jazz konnten sich Künstler wie Barney Kessel,
Jim Hall, Kenny Burrell, Wes Montgomery oder Joe Pass etablieren. In den fünfziger Jahren entwickelte
sich eine neue Musikform. Aus dem weißen Hillbilly bzw. Country und dem schwarzen Blues begann sich
der Rock'n'Roll und mit ihm der Rockabilly zu entwickeln. Hieraus entwickelte sich ein neuer, recht energetischer
Gitarrenstil. Gitarristen wie Cliff Gallup, Scotty Moore oder z. B. Duane Eddy konnten Duftmarken setzen.
Der wichtigste Gitarrist der Ära jedoch war zweifellos Chuck Berry. Er beeinflusste Kohorten späterer
Gitarristen, seine Licks wurde tausendfach kopiert. Berry war wichtiger Ideengeber für Beatbands bzw. deren Gitarristen. Er hatte großen Einfluss
auf die Gitarristen der Beatles und der Rolling Stones. Berry und die großen Bluesgitarristen hatten auch
erheblichen Einfluss auf das in England einsetzende Bluesrevival, später die Blueszene in den USA und alle
nachfolgenden Stile. In der Zeit betraten einige wichtige Gitarristen die Bühne.
Exemplarisch seien hier Jimmy Page, Eric Clapton,
Jeff Beck, Peter Green, Alvin Lee oder auch Carlos Santana genannt.
Eine geradezu revolutionäre Wirkung hatte dann
das Erscheinen von Jimi Hendrix für die Rockgitarre. Hendrix verhalf der Gitarre zu einer völlig neuen Gewichtung.
Hendrix beherrschte den so genannten orchestralen Stil wie kaum ein anderer vor ihm. Nach Hendrix änderte sich alles.
Jimi Hendrix muss als einer der wichtigsten Pioniere der E-Gitarre gezählt werden.
Die Gitarre wurde durch Hendrix auf Jahre definitiv zum wichtigsten Instrument der Rockmusik.
Das Spektrum der Musik wurde so breit wie kaum zuvor. Der Jazz brachte den Fusion und den Jazzrock hervor.
Mit ihm kamen wichtige Gitarristen wie Pat Martino, George Benson, John McLaughlin, John Abercrombie, Larry Carlton
oder etwa Lee Ritenour. In England wurde der Prog-Rock kultiviert. Mit ihm kamen Gitarristen wie Steve Howe,
Steve Hackett oder Robert Fripp.
Mitte der Siebziger Jahre allerdings konnten die großen Bands und die großen Gitarristen irgendwie nichts mehr
reißen. Vielleicht hatten sich die Leute satt gehört. Bands wie ELP, Deep Purple, Led Zeppelin und ähnliche begannen
ernsthaft zu schwächeln. In diese Zeit platzte eine neue, fast nihilistische Bewegung - der Punk. Hier war das große
Handwerk nicht mehr gefragt. Unter Gitarristen ging die pure Angst um. Man befürchtete, das große Handwerk auf der
Gitarre würde keine Rolle mehr spielen.
Doch noch im Punk-Boom betrat um 1977 ein gewisser Eddie van Halen
die Szene. Eddie hatte in etwa den Einfluss, den Jimi Hendrix um 1967 hatte. Van Halen revolutionierte die Gitarrenwelt.
Er spielte Soli im Überschalltempo, spielte verrückt und brutal. Er machte die Tapping Technik wieder bekannt. Er
setzte wie wild das Vibrato ein. Mit dem Gitarrenstück Eruption setzte Van Halen die Messlatte neu.
Plötzlich kamen aus allen Ecken Gitarristen, die so gut sein wollten wie er. Die
Jungs übten wie verrückt. In den USA schossen Talentschmieden wie das G.I.T in Los Angeles aus dem Boden.
Die Gitarreninstitute brachten unfassbar schnelle Gitarristen hervor - musikalisch war das nicht immer erste Wahl,
aber technisch in der Regel hervorragend. Wichtige Gitarristen, die im Sog dieser Entwicklung bekannt wurden,
sind zum Beispiel Randy Rhoads, Yngwie Malmsteen, Steve Vai oder Joe Satriani. Einige der Musiker setzten die
Messlatte nochmal höher, als es Van Halen schon getan hatte. Es entwickelte
sich eine rege Szene gitarrenorientierter Musik. Auch im Jazz tat sich wieder einiges. Gitarristen wie Pat Metheny,
Allan Holdsworth, John Scofield, Mike Stern, Scott Henderson oder z. B. Frank Gambale machten von sich reden. Auch der
Blues bekam wieder einen neuen Schub. Dies vor allem nach 1980, als ein gewisser Stevie Ray Vaughan in der Tradition
von Jimi Hendrix den Blues neu belebte. In der Rockmusik fasste der Gitarrenboom vor allem in härteren Bereichen
Fuß. In England gab es den New Wave Of British Heavy Metal. Mit
ihm kamen klasse Bands (Iron Maiden, Judas Priest, Saxon) mit sehr guten Gitarristen. In Amerika folgte der
Poser-Metal, in der Regel mit äußerst versierten Gitarristen. In der Folge diversifizierte sich der Metal
und brachte neue Richtungen hervor wie Speed, Thrash, Doom, Black-Metal und dergleichen mehr. Unter anderem
Bands wie Metallica, Megadeth, Anthrax, Slayer oder Pantera ergänzten die Palette mit bleischwerer und
oft ultraschneller Musik und sehr guten Gitarristen wie Kirk Hammet, Dimebag Darell, Kerry King, Marty Friedman
und anderen. Parallel wurde der Prog-Rock neu zum Leben erweckt. Aus ersten zarten Versuchen z. B. durch Marillion
folgten interessante Bands wie Spock's Beard und vor allem Dream Theater. Dort konnte sich mit dem Prog-Metal eine neue Generation
von Gitarristen entwickeln - allen voran der wieselflinke und ungemein versierte John Petrucci. Die Gitarre -
so scheint es - ist nicht totzukriegen.
Immer wieder können sich Musikstile entwickeln oder reanimiert werden, in denen die Gitarre eine wichtige Rolle spielt.
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