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CD-Kritik Franz Ferdinand - Tonight: Franz Ferdinand

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Interpret: Franz Ferdinand

Titel: Tonight: Franz Ferdinand

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Indie-Rock, Electro-Pop

Bewertung: Wertung: 5 von 10 Sternen
(5/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension:

Tonight: Franz Ferdinand ist das dritte Album der schottischen Rockband Franz Ferdinand. Es erschien Ende Januar 2009. Mit Tonight legt Franz Ferdinand eine Art Konzeptalbum vor, denn thematisch dreht sich alles um Partymachen und das Gefühl am Morgen danach. Wieder konnte sich Franz Ferdinand meistens sehr gute Kritiken erspielen, allerdings fiel das Echo auf das Album nicht mehr ganz so eindeutig gut aus wie für die ersten beiden Alben. Auch der kommerzielle Erfolg war nicht mehr ganz so groß. Es kam im UK nur auf Rang 2. In den USA erreicht es in der ersten Woche Rang 9, fiel dann jedoch schnell auf Rang 59 ab. In keinem wichtigen Absatzmarkt konnte Tonight Rang 1 der Charts erreichen.

Franz Ferdinand hatten schon 2005 einige Songs fertig, allerdings wollte Alex Kapranos neue Songs, die sich von allem unterschieden, was die Band bislang machte. Tatsächlich klang alles etwas anders, die Band nutzte einerseits Dub Sounds und mixte diese mit einer Art Electro Pop, wie man ihn zum Beispiel aus den 1980ern kannte. So gesehen hat das Album viel von Dance Musik, was Kapranos in einem Rolling Stone Interview auch so bestätigte. Er führte in einem anderen Interview aus, dass dem Album bewusst die "dreckige" Attitüde des Punk fehlt.

Die Songs:

Ulysses überrascht gleich zu Beginn. Das klingt erst mal wie eine Art Electro-Dance Pop. Erst im Verlauf des Songs mit dem Refrain legt die Band etwas zu und erinnert an alte Sounds. Also eine Mischung aus Post-Punk und Dance-Pop. Überraschend, aber mich überzeugt das nicht ganz. Turn It On geht gleich etwas mehr ab. Der Song hat aber wieder viel aus dem 1980er Dance-Pop. Auch hier muss man sagen, dass der Song nicht schlecht ist. Aber mir gefällt das nicht ganz so gut. No You Girls hat wieder eine sehr starke Dance-Komponente. Das klingt recht eingängig, hat aber auch viele Anklänge an frühere Songs. Der Song wurde recht bekannt, weil er für die iPod Werbung genutzt wurde. Interessant: einige Percussions wurden mit menschlichen Knochen eingespielt. Ein ordentlicher Song. Send Him Away klingt anfangs etwas nach - äh - Stevie Wonder. Hallo? Was ist denn das. Das gefällt mir gar nicht, tut mir leid. Twilight Omens überrascht dann mit vielen Beatlesanleihen, atmet aber in einigen Parts aus meiner Sicht viel von etwas pomadigen UK-AOR Bands. Gefällt mir wieder nicht.

Bite Hard geht endlich wieder mal besser ab und hat etwas von der alten Attitüde. Auch hier hört man wieder viel von diesen 1980er Electronic Acts. Insgesamt kein schlechter Song. What She Came For klingt irgendwie so lustlos, das macht keinen Spaß. Die Band ist stets bemüht, aber….. Live Alone beginnt mit diesem üblen Disco bis Dance Beat und passt eigentlich komplett in die Electro Pop Phase um 1980, das selbe gilt für den nächsten Song Can't Stop Feeling, der ähnlich klingt. Lucid Dreams klingt, mit ein paar Variationen, wieder so ähnlich wie die Songs zuvor. Dream Again ist wieder kaum inspirierend. Wieder klingt das stark nach Electro-Pop, allerdings der langweiligen Sorte. Katherine Kiss Me ist eine Akustikballade. Der Song beendet das Album so wie es auf mich bislang wirkte: langatmig und etwas enttäuschend.

Nach drei Alben hat die Band, aus meiner Sicht, ihren Tiefpunkt erreicht. Das erste Album war, nach meiner Meinung, sensationell. Das zweite Album war sehr gut, aber nicht mehr so prickelnd wie das erste. Und das dritte Album enttäuscht mich schlicht und einfach. Das klingt irgendwie lustlos und spannungsarm. Ohne Frage versucht sich die Band hier musikalisch neu aufzustellen. Das muss man auch anerkennen. Und sicherlich zeigt Franz Ferdinand, dass in der Band viel Potential steckt. Aber den manchmal überschwänglichen Kritiken für dieses Album kann ich persönlich kaum folgen. Die Band bedient sich vornehmlich aus der Zeit des Electro-Pop. Der war 1980 ganz lustig, aber so eine Replik will ich heute nicht mehr hören. Ich will das gar nicht auskommentieren und verweise zum Beispiel auf die weisen Worte eines Guardian Kritikers: "ein tadelloses Debütalbum ist zuerst ein Segen, dann kann es zum Fluch werden". Der Guardian weiter: "Tonight ist nett - aber mag man es morgen noch?" Die Frage ist berechtigt. Und wenn die Daily Mail von einem "sterilen Album" spricht, dann kann ich dem zustimmen. Ich hatte mir mehr von Franz Ferdinand erhofft. Insgesamt zwar ein ordentliches Album, aber gemessen an den Erwartungen enttäuschend.

Die Tracks:

  1. Ulysses - 3:11
  2. Turn It On - 2:21
  3. No You Girls - 3:42
  4. Send Him Away - 2:59
  5. Twilight Omens - 2:30
  6. Bite Hard - 3:26
  7. What She Came For - 3:52
  8. Live Alone - 3:29
  9. Can't Stop Feeling - 3:03
  10. Lucid Dreams - 7:56
  11. Dream Again - 3:18
  12. Katherine Kiss Me - 2:56
  13. iTunes bonus tracks (US und Canada)
  14. Lucid Dreams (Pre-Album Version) - 3:42
  15. Ulysses (The Disco Bloodbath Effect) - 8:03 [nur Pre-Order]
  16. Feeling Kind of Anxious - 6:31 [nur Pre-Order]
    Blood Version
  1. Feel the Pressure (What She Came For dub version) - 3:28
  2. Die on the Floor (Can't Stop Feeling dub version) - 6:35
  3. The Vaguest of Feeling (Live Alone dub version) - 3:50
  4. If I Can't Have You Then Nobody Can (Turn It On dub version) - 3:54
  5. Katherine Hit Me (No You Girls dub version) - 3:43
  6. Backwards on My Face (Twilight Omens dub version) - 3:48
  7. Feeling Kind of Anxious (Ulysses dub version) - 6:31
  8. Feel the Envy (Send Him Away dub version) - 3:32

Rezensent: MP