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CD-Kritik Rainhard Fendrich - Meine Zeit

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Interpret: Rainhard Fendrich

Titel: Meine Zeit

Erscheinungsjahr: 2010

Genre: Liedermacher, Pop

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Meine Zeit ist der Name eines Albums von Rainhard Fendrich. Das Album erschien im Jahr 2010. Fendrich stammt aus Österreich, er hatte seine größten Hits in den 1980ern (Es lebe der Sport, Macho Macho, Strada del Sole). Später fiel er als Moderator der Sendung Herzblatt auf, musikalisch lief es in der Phase vor allem in Österreich leidlich gut.

Nun folgt mit Meine Zeit ein reiferes Spätwerk des 55-jährigen Fendrich. Mit dem Album wollte sich Fendrich, nach eigenen Aussagen, auf das Wesentliche konzentrieren, welches seine derzeitige Lebenssituation aufzeigt. Vielleicht sind es auch die typischen Fragen von Männern in der Mitte des Lebens: was will ich, wohin will ich, wo komme ich her? Auch die Angriffe auf die Luxus- und Überflussgesellschaft sowie wachsende Brutalität unter Jugendlichen wirken durchaus altersgerecht. Fendrich gib sich insgesamt sehr nachdenklich, da ist nicht mehr viel zu hören vom Spaß-Popsänger aus den 1980ern.

Musikalisch liefert Fendrich eines seiner besten Alben ab. Die Band um Gitarrist Robby Musenbichler, Bassist Willi Langer und Drummer Oliver Gattringer agiert abgezockt und liefert eine ziemlich perfekte Untermalung zu den inhaltsschweren Songs.

Die Songs:

Auf dem Opener "Pures Gold" zieht Fendrich wohl eine persönliche Bilanz seines Lebens. Allerdings wirkt sein Gesang hier, gelinde gesagt, wenig modulationsfähig. "Der Mensch ist wie er ist " wirkt wie eine bittere Abrechnung mit der Spezies Mensch an sich. Musikalisch passt das sehr gut, auch stimmlich fängt sich Fendrich hier.

Auch auf dem Song "Luise" spart er nicht mit Kritik, widmet sich der Wirtschaftskrise und nimmt das Luxusstreben der Menschen aufs Korn. Musikalisch klingt das mit dem gerapptem Gesang recht interessant. "Mehr" befasst sich etwas sehr plakativ mit dem ungebremsten Fortschrittswahn der Gesellschaft, die immer mehr immer schneller und besser will. "Wen wundert's" wirkt auf Anhieb wie die typische Abrechnung eines älteren Menschen mit Jugendlichen. Diese Thematik war, nach Fendrichs Angaben, eine Art Initialzündung für dieses Album.

"Bussi Bussi" könnte ebenfalls autobiografisch sein, zumal es um das Leben im bzw. das Streben nach dem Scheinwerferlicht geht. "Ich hab es nie bereut" kommt einem fast wie eine Rechtfertigung Fendrichs bisherigen Lebens vor. "Partyluder" befasst sich in bluesiger Form mit Gazetten-Mädchen, wie wir sie heute aus Funk und Fernsehen kennen. "Jeder weiß es" ist eine leicht melancholische Anklage gegen die Menschen ("jeder weiß, dass Kriege Tote bringen, das Hunger das Leben vieler Menschen bestimmt"). "September ist meine Zeit" ist eine schön verpackte, leicht jazz-bluesige Auseinandersetzung mit dem Alter. "Neider" stellt eine bissige, musikalisch aber eher beschwingte Abrechnung mit persönlichen Neidern bzw. Neidern im Allgemeinen dar. "Mein erster Gedanke" wird vor allem von den Hendrix ähnlichen Gitarrenparts bestimmt. "Wenn du denkst es geht nicht mehr" verpufft danach leider etwas spannungslos. "Mei letztes Liad" erinnert an den Dialekt Austropop vergangener Tage. "Abschied" ist ein Song, auf dem Fendrich Abschied vom ehemaligen Kollegen Georg Danzer nimmt. Hier wird die Nähe zu alten Austropop Tagen noch spürbarer.

Meine Zeit ist ein besonderes Album. Es stellt zwar kein Highlight der Musikgeschichte dar, aber immerhin dürfte es qualitativ in der Diskographie Fendrichs weit oben stehen. Wer Fendrich nur von seinen etwas belanglosen Popsongs der 1980er kennt, der dürfte hier positiv überrascht werden, denn Fendrich nähert sich immer wieder den glorreichen Zeiten des guten Austropop.

Trackliste

  1. Pures Gold 4:58
  2. Der Mensch ist wie er ist 3:47
  3. Luise 3:08
  4. Mehr 3:22
  5. Wen wundert's 4:45
  6. Bussi, Bussi 2:55
  7. Ich hab es nie bereut 3:41
  8. Partyluder 3:45
  9. Jeder weiss es 3:52
  10. September ist meine Zeit 4:58
  11. Neider 3:32
  12. Mein erster Gedanke 3:20
  13. Wenn Du denkst es geht nicht mehr 3:11
  14. Mei letztes Liad 3:15
  15. Abschied 4:07
  16. Pures Gold (Reprise) 0:53

Rezensent: MP