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CD-Kritik douBt - Mercy Pity, Peace & Love

Interpret: douBt

Titel: Mercy Pity, Peace & Love

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Jazz-Rock, Prog

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Mercy Pity, Peace & Love ist der Titel eines Albums der Band DouBt. Das Material zum Album wurde in Belgien Live im Studio eingespielt, die Veröffentlichung erfolgte am 20. November 2012 via Moonjune Records.

DouBt ist ein internationales Projekt, bestehend aus dem Briten Alex Maguire (keyboards, sequencer), dem Belgier Michel Delville (Gitarre, Sampler) und dem US-Amerikaner Tony Bianco (Drums, Sequencer). Das Powertrio legte von drei Jahren das Debütalbum Never Pet a Burning Dog vor. Für das weitestgehend improvisierte Album mit einem Mix aus Free-Jazz und Prog gab es international viel Anerkennung. Jetzt gibt es ihr zweites Album Mercy, Pity, Peace & Love, das wieder Live im Studio eingespielt wurde. Allerdings hat die Band hier ihren Stil weiterentwickelt, das wirkt nicht ganz so frei improvisiert. Man könnte sogar sagen, dass DouBt eine Art Konzeptalbum rund um William Blake aufbauen. Der Titel des Albums bezieht sich auf ein Gedicht von William Blake’s Songs of Innocence and Experience. Musikalisch löst sich die Band von der free-jazzig durchsetzten Impro-Musik ein Stück weit und zitiert dafür Größen aus Rock bis Jazz wie Hendrix (dessen Purple Haze sogar gecovert wird), King Crimson, Soft Machine, Stevie Wonder, Tortoise bis hin zu Klassikern wie Stravinsky oder Messiaen.

Diese Drift ist musikalisch deutlich spürbar, das beginnt schon auf dem angenehm proggigen Opener "There Is A War Going On". Die Band untermalt eine Rede von US Senator Bernie Sanders – eine feurige Rede zum brodelnden Klassenkampf und dem Schwinden der so genannten Mittelklasse. Das Ergebnis ist ein proglastiger Song mit Retro Orgelsounds, treibendem Groove von Bianco und psychedelischen Gitarrensplittern Delvilles.

Die zwei längsten Songs – der Titelsong "Mercy, Pity, Peace & Love" und "Goodbye My Fellow Soldier" – stellen das Backbone des Albums dar. Dabei ist der Titelsong so etwas wie das epische Zentrum des Albums. Die erste Hälfte ist hier experimentell gestaltet, ohne konkreten Groove und mit zentralen verzerrten E-Pianosounds. Nach einer Art Break gibt vor allem Bianco heftig Gas, die Band spielt sich in einen Free-Jazzigen Tune mit schönen abgedrehten Soloparts von Maguire und Delville. Goodbye My Fellow Soldier ist etwas kürzer gehalten, hier fehlt eine Zweiteilung und die Band zieht einen Song ohne konkreten Groove mit vielen experimentellen Parts durch.

Der Jazz kommt auf diesem durchaus rockigen Album nicht zu kurz. Es gibt ihn in lyrischer und balladesker Form auf "The Invitation", in modern grooviger Manier auf "Mercury".

Zum Luftholen streut die Band zwei Reprises ein - einmal eines des Openers "There Is A War Going On" sowie eines von "No More Quarrel With the Devil". Das wirkt sich positiv auf die Struktur und den roten Faden des Albums aus.

Darüber hinaus zeigt sich die Band, wie erwähnt, relativ breit aufgestellt. "Jalal" ist ein funky Jam mit einer fixen Grundstruktur, über die in Jazz-Rock Manier gejammt wird. Auch "Tears Before Bedtime" rockt mit einer deutlichen Jazz-Rock Note gut.

"No More Quarrel With the Devil" lässt Erinnerungen an die frühen King Crimson aufleben. Der Song wird von bleischweren Gitarrenriffs in früher Frippscher Manier bestimmt und ist gespickt mit jeder Menge Reminiszenzen an die alten Crimson.

"Purple Haze" ist die Verbeugung vor Jimi Hendrix. Delville orientiert sich im Riffing eng an Hendrix und wird von Maguires verzerrten Orgelriffs unterstützt. Das rockt wie ein Crossover von Hendrix und Soft Machine.

Die experimentellsten Songs sind "Rising Upon Clouds" und "The Human Abstract". Letzterer ist der abgedrehteste Song mit einer avantgardistischen Note. Rising Upon Clouds wird von Bianco und Maguire Richtung Free-Jazz gedrängt, über allem schwingt mit den Soundcollagen von Delville aber eine gewaltige Prise Psychedelic in Form der frühen Pink Floyd.

Fazit DouBt spielen auch ihr zweites Album Live im Studio ein, also handelt es sich wieder um ein stark improvisiertes Werk. Aber sie machen einen entscheidenden Schritt nach vorne. Wo sie auf Never Burn noch stark im (sehr freien) Free Jazz hingen, da gehen sie hier einen Schritt zu konkreteren Strukturen (wenn man das bei solchen Bands sagen kann). Das macht sich positiv bemerkbar. Nicht, dass die Band jetzt eine Mainstream Band geworden wäre – aber irgendwie ist das Ergebnis schlüssiger und besser verdaulich. Dieses Gebräu aus Jazz-Rock, Prog, Psychedelic und Rock mundet mir persönlich zumindest sehr gut.

Trackliste

  1. There Is a War Going On (3:22)
  2. Jalal (7:16)
  3. No More Quarrel With the Devil (4:41)
  4. Rising Upon Clouds (5:41)
  5. Purple Haze (4:47)
  6. The Invitation (4:03)
  7. Mercy, Pity, Peace & Love (12:14)
  8. There Is a War Going On (reprise) (1:18)
  9. Tears Before Bedtime (2:44)
  10. The Human Abstract (6:24)
  11. No More Quarrel With the Devil (reprise) (1:14)
  12. Mercury (4:19)
  13. Goodbye My Fellow Soldier (9:10)

Rezensent: MP

Anmerkung

Leonardo Pavkovic hat auf Bandcamp eine Downloadplattform gestaltet, dort kann man auch dieses Album zu einem günstigen Preis downloaden: → Downloadadresse

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