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CD-Kritik Deep Purple - Fireball

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Interpret: Deep Purple

Titel: Fireball

Erscheinungsjahr: 1971

Genre: Hard Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen
(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Fireball ist das fünfte Studioalbum von Deep Purple. Das Album erschien 1971, nach dem Meilenstein In Rock. Interessanterweise waren die Chartplatzierungen von Fireball besser als die von In Rock. Im UK erreichte die Band zum ersten Mal Rang 1 der Charts, in den USA ging es immerhin bis auf Rang 32. Das Album wurde in der legendären MkII Besetzung mit Paice, Lord, Blackmore, Gillan und Glover eingespielt.

Fragt man Deep Purple Fans nach dem besten Purple Album, dann werden meistens In Rock oder Made in Japan genannt. Erstaunlicherweise wird Fireball selten erwähnt. Das überrascht, denn die Band legt hier schon ein sehr interessantes Album vor. Die Produktion wirkt wesentlich fetter als In Rock. Die Songs auf Fireball sind alle sehr gut und abwechslungsreich. Aber mit meiner Meinung werde ich wohl ziemlich alleine da stehen, denn nach Erscheinen des Albums waren Kritiker und Fans ziemlich enttäuscht. Auch die Musiker selbst waren geteilter Meinung. Richie Blackmore hielt gar nichts von dem Album (nur Fireball, No No No und Fools gefielen ihm), auch Ian Paice war nicht sehr begeistert. Ian Gillan hielt es aber für eines der besten Alben der Band, auch Jon Lord hielt es z. B. für besser als In Rock. Auch Bassist Roger Glover äußerte sich, im Nachhinein, sehr positiv über das Album.

Etwas Geschichtliches zum Album

Um das Album verstehen zu können, muss man etwas über seine Entstehung wissen. Deep Purple hatte mit dem Vorgängeralbum In Rock einen Meilenstein des Rock hingelegt. Danach kam die Single Black Night heraus, die ebenfalls ein Toppseller wurde. Deshalb stand die Band unter einem gehörigen Erfolgsdruck. Dazu kam ein gewisser zeitlicher Druck, weil die Band in der Zeit überall präsent sein wollte. Nach Bandaussagen hatte man damals keinen Plan, wie das Folgealbum von In Rock aussehen sollte. Die Musiker fühlten sich ausgebrannt und ideenlos, dazu kamen individuelle Probleme und erste Spannungen innerhalb der Band. Die Band zog sich für die Aufnahmen in ein ruhiges Cottage in Devonshire zurück. Dort schienen sich die Musiker aber weniger um die Arbeit, als vielmehr um sonstigen Zeitvertreib zu kümmern. Es war von Seancen die Rede und heftigen Gelagen. Der erste Song, der im Zuge des Denkprozesses entstand, war nach Bandaussagen Anyone's Daughter. Blackmore zupfte ein paar Akkorde im Country & Western Stil, die Band jammte dazu und Gillan zimmerte einen humorigen Text. So entstand dieser Song, der so gänzlich untypisch für Deep Purple war und viele Fans ziemlich erschreckte. Das nächste Werk, das entstand, fand ursprünglich gar keinen Platz auf der Platte. Es handelt sich um den Song Strange Kind Of Woman, der dann kurzerhand vorab mit I'm alone als Single veröffentlicht wurde. In der Folge wurden dann die anderen Songs geschrieben. Der Prozess dauerte länger als geplant und so dauerte es fast ein Jahr, bis das Album fertig war. Als Single wurde Fireball ausgekoppelt. Die Single war nicht sehr erfolgreich. Auch Live spielte die Band die Songs des Albums selten. Den Titelsong Fireball konnten sie nach eigenen Angaben als Opener bei Livekonzerten nicht spielen, weil er schlicht und einfach zu schnell war.

Die Band selbst berichtete später, dass man im Verlauf der Fertigstellung von Fireball schon wieder voll und ganz mit den nächsten Projekten beschäftigt gewesen sei. So kam es dazu, dass Fireball eigentlich nie über den Status eines Lückenbüßers oder Übergangsprojektes weg kam. Schade, denn das Album hätte mehr Beachtung verdient gehabt. Immerhin: Drummer Lars Ullrich von Metallica bezeichnete Fireball später als seine Initialzündung, Musiker zu werden.

Das Album

Der Titeltrack Fireball eröffnet das Album. Wenn ein Song zum damaligen Zeitpunkt die Klassifizierung Heavy-Metal verdient hat, dann ist es dieser Titel. Paice legt einen unglaublichen Drive vor, Glover bringt glühende und treibende Bassläufe und ein abgedrehtes Bass-Solo. Blackmore und Lord spielen songdienlich, mit verrückten Soli im Mittelteil. Und Gillan shoutet, dass es nur so eine Freude ist.

No No No ist ein geshuffelter Titel, der langsam und sehr groovig gespielt wird. Er liegt eher auf der klassischen Deep Purple Linie. Interessant klingen die psychedelischen Slideparts von Blackmore, die durchaus an die Zeiten der MK I Besetzung anknüpfen. Auch Demon's Eye klingt nach den klassischen Deep Purple mit allen typischen Zutaten und einem schönen relaxt groovenden Shuffle-Rhythmus.

Dann folgt dieser eklatante Stilbruch, der Deep Purple Fans so verwirrte. Der Song Anyone's Daughter war ein Schlag in die Bauchgrube, seine Wurzeln hat der Song irgendwo im Country And Western. Aber der Song klingt durchaus interessant. Blackmore spielt im Hintergrund eine spacige Slide-Gitarre. Gillan hat sich einen schönen humorigen Text dazu überlegt und Lord spielt ein schönes Honky-Tonk Piano dazu. Der nächste Song war The Mule. Wieder präsentierte die Band einen Song, der mit MK II Traditionen brach. The Mule kommt betont psychedelisch daher und erinnert eher an Sounds früher Bandtage. Fools steht allerdings wieder in der Tradition jüngerer Purple Alben. Anfangs fühlt man sich sogar etwas an Child In Time erinnert, dann wird der Song angenehm riffrockig. Im Mittelteil wird mit einem leicht psychedelisch wirkenden Blackmore Solo enorm Tempo herausgenommen. Auch No One Came ist ein angenehm hart gespielter Titel, der durchaus in die jüngere Deep Purple Tradition passt.

Soviel zum ursprünglichen Album. Aus meiner Sicht legt die Band hier wirklich ein vorzügliches Album vor. Ich würde Fireball zu den besten Deep Purple Alben zählen, auch wenn Fans der Band dem widersprechen. In der MK II Besetzung zeigte sich die Band selten experimentierfreudiger. Manches ging den Fans dabei wohl zu weit. Schade, den die Band zeigt sich, trotz aller Probleme bei der Realisierung, gut aufgelegt. Gillan singt vorzüglich. Paice, Glover und Lord spielen in Hochform. Auch das Spiel von Blackmore gefällt mir hier sehr gut.

Auf der Anniversary Edition wurden noch etliche Tracks hinzugefügt, unter anderem die Single Strange Kind Of Woman und I'm Alone. Das wertet Fireball noch mehr auf. Möglicherweise wäre Fireball mit Strange Kind Of Woman ein größerer Erfolg geworden. Dazu kommen noch die Titel Freedom und Slow Train. Beides Titel, die es ursprünglich nicht auf das Album schafften, aber durchaus hörenswert sind. Die optionalen Remixe gehen in Ordnung, bieten aber kaum Mehrwert. The Noise Abatement hätte man sich, wie Backwards Piano, aus meiner Sicht sparen können.

Trackliste

  1. Fireball 3:25
  2. No No No 6:54
  3. Demon's Eye 5:19
  4. Anyone's Daughter 4:43
  5. The Mule 5:23
  6. Fools 8:21
  7. No One Came 6:28

Bonus tracks 25th anniversary CD

  • Strange Kind of Woman (a-side remix '96) 4:07
  • I'm Alone 3:08
  • Freedom (album out-take) 3:37
  • Slow Train (album out-take) 5:38
  • Demon's Eye (remix '96) 6:13
  • The Noise Abatement Society Tapes 4:17
  • Fireball (take 1 - instrumental) 4:09
  • Backwards Piano 0:56
  • No One Came (remix '96) 6:24

Rezensent: MP

 

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