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Albumbesprechung Deacon Blue - Raintown

Interpret: Deacon Blue

Titel: Raintown

Erscheinungsjahr: 1987

Genre: Pop, Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Raintown ist der Titel des Debütalbums der Band Deacon Blue. Das Album erschien im UK bzw. Europa 1987, in den USA 1988.

Für die schottische Band Deacon Blue war dieses Album ein großer Erfolg. Im UK gelang Rang 14 der Albumcharts, das Album hielt sich dort 77 Wochen in den Charts. Von Kritikern wurde Raintown in der Regel sehr gelobt und mit einer Million verkaufter Einheiten könnte man durchaus von einem Meilenstein der Popmusik reden.

Wenn man von Deacon Blue spricht, muss man vor allem Leadsänger Ricky Ross erwähnen. Er war die treibende Kraft hinter diesem Projekt, auf Raintown komponierte er den Großteil der Kompositionen. Er legte die Ausrichtung der Band sowohl musikalisch als auch konzeptionell fest. Auf Raintown beschrieb er das urbane Leben an sich. In diesem Fall kann man aufgrund der Herkunft der Band davon ausgehen, dass es sich dabei vornehmlich um Glasgow handelt.

Aufgenommen wurde das Album zwischen Dezember 1986 und Februar 1987 in den Air Studios in London. Produzent war Jon Kelly, welchen man zu den bekanntesten englischen Produzenten zählt. Neben Sänger und Songwriter Ricky Ross bestand Deacon Blue damals aus Lorraine McIntosh (backing & harmony vocals), Graeme Kelling (guitar, low voice), James Prime ( keyboards, backing vocals), Ewen Vernal (bass guitar, backing vocals ) und Dougie Vipond ( drums, percussion). Dazu kamen als Gastmusiker Chris Rea (slide guitar auf Love's Great Fears), B.J. Cole (pedal steel guitar auf Chocolate Girl) sowie Jimmy Helms, George Chandler und Jimmy Chambers von Londonbeat (backing vocals auf When Will You).

Präsentiert wurde ein, nach Ansicht vieler Fachleute, perfektes Popalbum. Der Faden wird mit der wunderschönen Pianonummer "Born in a Storm" aufgenommen, welche in den Titteltrack "Raintown" mündet. Der erinnert musikalisch etwas an den Edel Soul Pop z. B. von Style Council. "Ragman" hält in etwa den Kurs, auch wenn man hier m. E. eher Vergleiche zu Bryan Ferry/Roxy Music ziehen könnte.

Etwas näher an der typischen Mike And The Mechanics Harmonik liegt die Band mit "He Looks Like Spencer Tracy Now". "Loaded" war nach Aussage von Ricky Ross sozusagen der Versuch, den Tom Waits Track Shore Leave neu zu interpretieren. Interessante Soul-gospelige Harmoniegesänge (von Londonbeat) prägen "When Will You (Make My Telephone Ring)", die Pedal-Steel von Gastmusiker B. J. Cole gibt dafür dem Track "Chocolate Girl" eine subtil countrylastige Note.

Der bekannteste Song im Reigen dürfte "Dignity" sein. Es war die erste Auskopplung und gleichzeitig ist es der bekannteste Deacon Blue Song. Typisch für die Ausrichtung des Albums ist die Story. Der Erzähler gibt die Geschichte eines Müllmanns wieder, welcher nur für ein Ziel arbeitet: er legte alles Geld für ein Boot zurück, welches er Dignity taufen und damit umherschippern möchte. Dann möchte er den Menschen überall voller Stolz erzählen, dass er dieses Boot von seinem hart ersparten Geld gekauft hat. Eine kleine Geschichte aus dem Leben.

Etwas dramatischer wirkt die Beschreibung auf "Town To Be Blamed", wohl eine Ode an die graue Großstadt und gleichzeitig (für mich) der krönende Abschluss des Albums. Zwischen Dignity und Town To Be Blamed verlieren sich die Tracks "The Very Thing" und "Love's Great Fears" etwas.

Fazit Wenn Kritiker im Fall von Raintown von einem perfekten Popalbum sprechen, dann trifft es das sehr gut und es beschreibt das Album im Grund ganz gut. Von Komposition über Arrangement bis hin zur Produktion wirkt das perfekt. Stilistisch orientiert sich Ross durchaus an anderen Größen und so hört sich das Album wie ein Mix aus Prefab Sprout und Billy Joel bis hin zu Van Morrison an. Diesem Album könnte man nur eines vorwerfen: bei aller Perfektion wird hier fast zwangsläufig auch an klinischer Sterilität gekratzt. Auf mich wirkt das zumindest so und daher waren solche Alben nie meine Favoriten. Ungeachtet dessen muss man aber auch sagen, dass das Meckern auf höchstem Niveau ist. Wer gute Popmusik mag, der muss dieses Album kennen. Es gehört in jedem Fall zu den wichtigen Alben aus Großbritannien und daher würde ich es auch zu den Meilensteinen der Popmusik zählen.

Trackliste

  1. Born in a Storm 1:33
  2. Raintown 3:50
  3. Ragman 3:08
  4. He Looks Like Spencer Tracy Now 3:50
  5. Loaded (Prime, Ross, Kelling) 4:29
  6. When Will You (Make My Telephone Ring) 5:05
  7. Chocolate Girl 3:18
  8. Dignity 4:00
  9. The Very Thing 3:34
  10. Love's Great Fears (Ross, Prime) 3:42
  11. Town to Be Blamed (Ross, Prime) 5:19

CD Bonus Tracks UK

  • Riches 2:39
  • Kings of the Western World 2:39

Bonus Tracks Legacy Edition 2006

  • Born in a Storm (Live Glasgow Art School '87) 1:14
  • Raintown (Live at the Marquee '86) 3:49
  • Ragman (Demo Version) 3:13
  • He Looks Like Spencer Tracy Now (Live at the Marquee '86) 4:50
  • Loaded (Demo Version Prime, Ross, Kelling) 4:11
  • When Will You (Make My Telephone Ring, Air Studio Vocal Mix) 5:03
  • Chocolate Girl (Live at the Marquee '86) 3:28
  • Dignity (Live at the Marquee '86) 4:27
  • The Very Thing (BBC Session Radio 1 Mark Goodier Show) 3:05
  • Love's Great Fears (Live at the Marquee '86/Ross, Prime) 4:01
  • Town to Be Blamed (Live Glasgow Art School '87/Ross, Prime) 3:35
  • Riches 2:39
  • Kings of the Western World 2:39

Alle Songs Ricky Ross sofern nicht anders vermerkt

Rezensent: MP

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