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Albumbesprechung Copernicus - Cipher And Decipher

Interpret: Copernicus

Titel: Cipher And Decipher

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Space-Rock, Psychedelic, Avantgarde

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Cipher and Decipher ist ein Album von Copernicus. Das Album erschien am 15. März 2011 bei Nevermore und wird von Leonardo Pavkovics Label Moon June vertrieben. Copernicus ist keine Band, es ist der Künstlername von Joseph Smalkowski. Smalkowski ist Poet und Philosoph, so nebenbei macht er auch Musik. Die Musik nutzt Smalkowski, um sich mit dem Universum auseinanderzuetzen, mit der menschlichen Existenz und er steigt in die Tiefen der modernen Physik ein. Da ist dann immer wieder die Rede von Atomen, Subatomen, Quarks und dergleichen mehr.

Im musikalischen Vortrag gibt sich Copernicus tiefgründig und avantgardistisch. Er sammelt 13 Musiker um sich, unter anderem Mitglieder der Celtic-Rockband Black 47. Die Musik wurde improvisiert und spontan eingespielt. In der Selbstbeschreibung fallen Begriffe wie chaotisch oder psychedelisch verrückt. Unter musikalischer Leitung von Pierce Turner steht Copernicus' Stimme über allem. Sein Sprechgesang ähnelt dem einer Lesung. Smalkowski klingt im Ausdruck stellenweise beängstigend und verrückt bis besessen. Die Musiker legen dazu anscheinend spontan einen musikalischen Teppich, der irgendwie immer perfekt passt. Stilistisch gibt es wenige Grenzen. Da gibt es Anleihen an Psychedelic, Space-Rock, Krautrock, Deutsche Elektronik, Fusion, New Wave und so weiter und so fort.

Musikalisch ist das schwer zu greifen. "Into The Subatomic" etwa klingt wie ein Mix aus Tom Verlaine, David Bowie und Codo von DÖF. "Free At Last" erinnert manchmal an den Space Rock aus guten Pink Floyd Zeiten. "Mud Becomes Mind" vereint Latin Grooves mit Avantgardistischen Melodien. "I Don't Believe" bedient sich spaciger Themen, spacig im wahrsten Sinn des Wortes. "Matter is Energy" überrascht als funky Jazz-Rocknummer. "Comprehensible" erinnert etwas an deutsche Elektroniker, während "Infinite Strength" in amüsanter Weise an Gloria-Riffs anknüpft. "Where No One Can Win" und "Step Out Of Your Body" nutzen wieder spacige und jazz-fusionartige Themen. Der Abschlusstrack "The Cauldron" setzt dem Ganzen mit seinen melancholischen Tubasounds, schrägen Klangfetzen und schönen Steigerungen abschließend die Krone auf.

Fazit Copernicus steht mit seinem sehr eindringlichen Vortrag immer im Vordergrund. Es ist gerade so, als man zu einer künstlerischen Lesung eingeladen ist. Was sich abspielt, ist ergreifend und mitreißend, aber auch schräg und durchaus verwirrend und manchmal beängstigend. Für den Mainstream Hörer ist so ein Album keine Option, denn Avantgarde ist oft wie ein Ritt auf einer scharfen Klinge. Das kann schon mal schmerzhaft sein, schnell ist man von der Kunst im schlichten Kitsch oder gar Unfug. Cipher And Decipher von Copernicus spielt mit diesem ambivalenten Verhältnis. Für mich stellt es Kunst dar. Darüber kann man natürlich trefflich streiten. Und ich gebe zu, dass ich mir im direkten Anschluss nicht noch einmal so ein Album anhören könnte. Aber dieses Album ist, für sich alleine genommen, ungewöhnlich - ungewöhnlich gut.

Trackliste

  1. Into The Subatomic 5:21
  2. Free At Last 5:17
  3. Mud Becomes Mind 5:14
  4. I Don't Believe 5:53
  5. Matter Is Energy 4:55
  6. Comprehensible 7:53
  7. Infinite Strength 6:38
  8. Where No One Can Win 8:05
  9. Step Out Of Your Body 5:12
  10. The Cauldron 15:18

Rezensent: MP

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