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Albumbesprechung Can - Tago MagoAnzeigeTitel: Tago Mago Erscheinungsjahr: 1971 Genre: Krautrock, Experimentalrock Bewertung: ![]()
Tago Mago ist das zweite Studioalbum der Kölner Band Can. Das Album erschien im Jahr 1971 nach dem Album Soundtracks, welches - wie der Namen vermuten lässt - kein Studioalbum ist, weil es Soundtracks enthält. Tago Mago erschien als Doppel-LP und es wird oft als eines der wichtigsten Can-Alben bezeichnet. Die Kritiken zum Album fielen in der Regel sehr gut aus. Can gehört zu den wichtigsten und einflussreichsten Deutschrockbands. Der Melody Maker war dereinst sogar der Meinung, Can sei britischen Bands um Jahre voraus. Zu diesem Album gibt es einige hervorragende Bewertungen. Julian Cope, der sich intensiv mit dem Krautrock/Deutschrock auseinandersetzte, schwärmte in höchsten Tönen. Nach seiner Ansicht klingt Tago Mago nur nach sich selbst und nach nichts, was zuvor oder später veröffentlicht wurde. Das Album ist im Buch 1001 Albums You Must Hear Before You Die gelistet, viele Musiker benannten Can und speziell Tago Mago als großen Einfluss. Um die Musik von Can verstehen zu können, muss man vielleicht etwas von der Konzeption verstehen. Nach meinem Verständnis ging es bei Can um den intuitiven Zugang zur Musik - um Improvisation. Man wollte Musik ohne kommerzielle Sachzwänge machen (zumindest anfangs). Wahrscheinlich entstanden die Can Songs mehr oder weniger aus reinen Improvisationen heraus. Einer gab ein Thema vor, um das herum man improvisierte und Songs und Klänge entstehen ließ. Dieses Konzept und die Herangehensweise von Can waren revolutionär. Das Ergebnis klang immer sehr experimentell und dadurch auch sehr komplex. Tago Mago wird allgemein als sehr experimentell bezeichnet, viele Betrachter sahen Can selten so nahe am Avantgarde. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Im Großen und Ganzen finde ich das Material durchaus gut nachvollziehbar. Vor allem das Material auf der damaligen ersten Scheibe bietet einen guten Zugang zur Msuik von Can. Paperhouse wirkt mit hypnotischen Melodien und dem gleichförmigen Basisrhythmus durchaus einprägsam, nur der Mittelteil wirkt experimentell. Mushroom wirkt insgesamt etwas experimenteller, kann aber zu den leicht verdaulichen Songs des Albums gezählt werden. Oh Yeah und das 18-minütige Halleluwah überzeugen vor allem mit interessanten Rhythmen, die zwar nur minimal variieren, aber gerade deshalb auch irgendwie hypnotisch wirken und den Songs einen klare Grundstruktur geben. Während Oh Yeah gewisse Jazz-Anklänge aufweist, stellt Halleluwah einen langen Trip dar - typisch Can, aber noch nicht ganz abgedreht. Auch Aumgn läuft über 17 Minuten und ist, vor allem zeitgeschichtlich, ein interessanter Song. Die exzessiven Klangmalereien und die losen musikalischen Strukturen können den Rockhörer von heute aber überfordern. Mit dem etwas kürzeren Peking O hält die Band an freien Mustern fest, was manchen Zuhörer heute etwas überfordern kann. Die beiden Songs dürften vor allem für die Einschätzung gesorgt haben, dass Tago Mago das extremste Can Album ist. Dagegen erscheint Bring Me Coffee Or Tea geradezu leicht konsumierbar, obwohl auch dieses Stück mit seinen fernöstlich wirkenden Chören avantgardistisch angelegt ist. Tago Mago ist ein sehr interessantes Album. Can legt hier den Ausdruck ihres musikalischen Verständnisses vor - und das ist schon sehr einzigartig. Dennoch konnte die Band mit diesem Album die Kritiker nahezu restlos überzeugen, außerdem verkaufte sich das Album recht gut. Dabei muss man festhalten: für den normalen Rockhörer ist diese Album wahrscheinlich nichts. Während die ersten Songs bis Halleluhwah noch relativ leicht konsumierbar sind (bezogen auf Can-Verhältnisse), ist der Rest des Albums aufgrund der Komplexität und avantgardistischen Anlage schwer konsumierbar. Mir wird das mit zunehmender Spieldauer dann auch etwas zu viel. Aber mit Tago Mago legte die Band Can eines der wichtigen Alben der Deutschrockgeschichte vor. In der Can Diskographie nimmt das Album einen Platz ganz oben ein. Wer sich für die Band interessiert bzw. für Krautrock, der kommt um Tago Mago nicht herum. Mainstream Hörer sollten von dem Album aber eher die Finger lassen.
Rezensent: MP |