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Albumbesprechung Brainstorm - Second Smile

Interpret: Brainstorm

Titel:Second Smile

Erscheinungsjahr: 1973

Genre: Jazz-Rock, Kraut-Rock, Canterbury

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Second Smile ist der Titel eines Albums der deutschen Band Brainstorm. Das Album erschien ursprünglich 1973 in einer kleinen Auflage von nur 2000 LPs. Im Jahr 2000 wurde es von Garden Of Delight als CD neu aufgelegt.

Brainstorm war eine Band aus Baden-Baden, welche zum Zeitpunkt der Aufnahme aus folgenden Musiker bestand: Rainer Bodensohn (Flöte, Bass auf My Way und There Was A Time), Eddy van Overheidt (Keyboards, Lead Vocals auf My Way), Enno Dernov (Bass, Gitarre auf There Was A Time), Roland Schaeffer (Saxofon, Klarinette, Gitarre, Double Bass auf Herbst, Gesang) und Jo Koinzer (Schlagzeug, Transylvanian-Fold-Up Conga)

Musikalisch bewegte sich die Band im Bereich Jazz-Rock mit gewissen Einflüssen des englischen Canterbury und subtilen zappaesken Momenten. In der Summe klang das zeittypisch und daher wurde die Band in der Regel in die Schublade des Krautrock gesteckt.

Die Songs

  • Hirnwind wird zu Beginn von interessanten Klangexperimenten und Concrete Music Einwürfen bestimmt, gefolgt von einem verträumtem Akustikgitarrenpart mit wortlosem Gesang. Das mündet in leicht abgedrehte Parts zwischen Free-Jazz und psychedelischem Prog. Insgesamt ein abgedrehter Titel, welcher den Namen Hirnwind durchaus verdient.
  • Den Herbst läutet die Band überraschend ruhig ein, zumindest verleihen die Akustikgitarrenparts und die Flötenmotive dem ganzen eine romantische folkige Herbststimmung, welche auch in schnelleren Parts erhalten bleibt.
  • Opulent beginnt My Way, um schon nach knapp einer halben Minute den Druck aus dem Kessel zu nehmen. Über leicht wabernde Soundlandschaften überrascht von Overheidt mit nahezu perfektem englischen Gesang (im Vergleich zu anderen deutschen Acts der 70er). Die Band zieht das Tempo kontinuierlich an und steigert sich in einen Spielrausch, wiederum mit einigen faszinierend abgedrehten Parts.
  • Affenzahn ist nicht in jedem Punkt wortwörtlich gemeint. Die Band spielt sich nicht mit einem Affenzahn durch den Song, dafür liefert sie einen gelungenen Mix aus Jazz-Rock mit Latin-Flair und einem Touch Avantgarde.
  • Auf There Was A Time ist die Band zunächst scheinbar komplett im Avantgarde angekommen. Allerdings werden die Soundsplitter nach nach knapp zwei Minuten in eine musikalische Struktur gegossen, welche man als klassischen Jazz Rock mit einer Tendenz zum Canterbury bezeichnen könnte.
  • Marilyn Monroe handelt von Fantasien und zugleich dem Mangel an Fantasie im eigenen Land. Der Gesang stammt hier, wenn ich es richtig sehe, von Roland Schaeffer und auch hier ist das Englisch außerordentlich gut. Wieder ein vergleichsweise eingängiger Song mit witzigen Rock'n'Roll/Doo Wop Zitaten.

Fazit Ich bin Fan der deutschen Rockszene der frühen 1970er. Damals wurde viel experimentiert und manchmal entstand aus scheinbar unbeholfenen Versuchen so manches Werk, welches vor allem posthum zu Ehren kam. Bei Brainstorm ist das irgendwie anders. Ich denke, die Musiker wussten damals genau, was sie wollten. Die musikalische Potenz war beachtlich, dazu sang man auf dem Album in erstaunlich gutem Englisch. Das hätte damals schon zu Ehren kommen müssen, war aber nicht. Irgendwie scheint es, allen guten Kritiken zum Trotz, aber auch mit den posthumen Ehrungen nicht perfekt zu funktionieren. Zumindest scheint sich die CD Neuauflage von 2000 nicht sehr gut verkauft zu haben. Schade, denn die Band sollte jeder gehört haben, der sich für den frühen Deutschrock interessiert. Das ist einfach gut gemacht und klingt jederzeit aufregend, im Sinn der Band: "This is Brainstorm and it's meant to be one…"

Trackliste

  1. Hirnwind (5.43)
  2. Herbst (3.40)
  3. My Way (8.12)
  4. Affenzahn (4.47)
  5. There Was A Time (7.09)
  6. Marilyn Monroe (8.32)

Bonus Track CD-Ausgabe 2000

  • You’re The One (2.48)

Rezensent: MP

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